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Monat: August 2013

Des Pudels Kern (Volker Steffen)

  Die Straßenbahn der Linie „Acht“ Hat grad‘ am Rathaus Halt gemacht. Da steigt hinzu ein Rasseweib Blond, sexy, wohlgeformt der Leib. Die Männerwelt kommt stark ins Staunen Man hört ein Tuscheln und ein Raunen. Und – schützend vor der Menschen Strudel Hält sie im Arm ’nen weißen Pudel. Den setzt sie sich auf ihren Schoß Und schon fährt auch der Wagen los. Jetzt tritt der Ede auf den Plan, Sieht auch nicht schlecht aus – der Galan‘ Er ist…

Ein Pferd für ein Königreich (Volker Steffen)

  Die Ehefrau braucht ’nen Berater Für ihren stark verschrob’nen Mann. Drum sucht sie Hilfe beim Psychiater Ob er’s Problem nicht lösen kann. Ihr Mann war stets sehr akkurat Beamtentyp vom alten Schlag Nicht grad von geistigem Format Doch zuverlässig Tag für Tag. Vor Wochen aber ist’s gescheh’n, Was jeder Logik wohl entbehrt. Man kann es äußerlich schon seh’n, Der Mann hält plötzlich sich für’n Pferd. Ließ sich die Sohlen schon beschlagen Mit Hufeisen aus Edelstahl. Er wiehert fast an…

Die Reise nach Indien (Jürgen Rogge)

  Schuld war der Hexenmeister Kaschmitutur. Meine Frau und ich, wir sind seit Jahren glücklich verheiratet, machten einen Spaziergang in der nahe gelegenen Heide. Wir wollten den Wiedehopf beobachten, der bei uns wieder heimisch geworden sein soll. Als wir uns auf die Suche begeben wollten, rief es aus einer nahen Tanne: „Oh, ihr Schönen, ihr sucht gewiss nach mir.“ Es war der Wiedehopf, der da sprach und aus der Tanne hervor sah. Ich fragte erstaunt: „Wie kommt es, dass du…

ER-satz (Volker Steffen)

  Weltweit erkennbar ist der Trend Dass man die Frau stets extra nennt. Bei Bürgern, Ärzten und Patienten Muß „-innen“ man gleichauf verwenden. Viel wurd‘ erreicht von den Emanzen Nur nicht die Führungskraft beim Tanzen. Ein and’res – sprachlich weites Feld Ward feminin noch nicht bestellt. Es muss die Frauen wurmen sehr Die Dominanz der Silbe „ER“. Ehr-geiz, Er-lebnis und Er-folg Sind doch nicht männliche Domänen Wenn ich den Lauf der Welt verfolg‘ Bestimmen Frauen das Er-gebnis. Wenn wir das…

Die Mark hat ausgedient (Volker Steffen)

  Seit mehr als zwei Jahren hat uns der Euro fest im Griff. Kaum jemand rechnet noch jeden Preis im Stillen in D-Mark um. Die deutsche Sprache ist da allerdings viel träger, bzw. der Umgang mit ihr konserviert uns kommerzielle Relikte. Hier wird eisern an der  M a r k  festgehalten – das muss anders werden! Denken Sie einmal an die ehemalige Zonengrenze, sie wurde und wird als De m a r k ationslinie bezeichnet, ebenso in der Medizin, hier…

Farbe bekennen (Volker Steffen)

  Bei Marx und Engels gab es Klassen Im Kampf stets um Prestige und Macht. Heut‘ trennt der Hass Menschen nach Rassen Und hat viel Leid der Welt gebracht. Vor einem Flug nach Afrika – Ich hatte gerade eingecheckt. Hört‘ Weiß und Schwarz ich ziemlich nah Mit ’nem Disput, der mich erschreckt‘. Der Weiße schwärmt‘ von alten Zeiten. Seit die Apartheid sei passé Sich Chaos und Gewalt verbreiten. D i e  Argumentation tat weh. Doch ließ er’s nicht bei Politik…

Ein Mann wie ein Baum (Dietrich Weller)

(vorgetragen bei der öffentlichen Lesung „Mein bester Text“ am Jahreskongress 2013 in Münster) Siegmund Kraft wurde 1945 in Bremen geboren. Sein Vater fiel kurz vor Siegmunds Geburt in einem der letzten Gefechte in Russland. Die Mutter zog den Jungen liebevoll auf und verdiente als Lehrerin den Lebensunterhalt. Siegmund entdeckte früh seine Liebe zum Langlauf und lief ein Jahr vor dem Abitur den ersten Marathon. Auch dadurch lernte er, mit Disziplin schwierige Momente zu bewältigen und gegen innere Widerstände bis zum…

Wenn es so wäre (Helga Thomas)

Wenn es so wäre, dass nach meinem Tode nichts mehr weiteres kommt und nach dem Tode der Erde keine Weiterentwicklung mehr ist, wenn es so wäre, dass eine geistige Welt nur im Kopfe der Künstler lebt, selbst, wenn es so wäre … Die Trauer um das verlorene Kind, die Sorge um hilfloses Leben die Liebe zum Du und zu anderen Leben Sie wären der Boden, aus dem eine neue Welt erwächst und Leben geboren wird, wo nichts ist. Deine Liebe…

Kinderlied (Klaus Kayser)

  Wiese, Wald und Löwenzahn liegen in der Sonne. Fängt der Wald zu brennen an, rettet ihn der Feuermann mit seiner Regentonne. Wiese, Wald und Löwenzahn stehen in dem Regen. Fängt der Wald zu husten an, kann ihn noch der Regenmann ins warme Bettchen legen. Wiese, Wald und Löwenzahn schütteln sich im Winde. Fängt der Wald zu brechen an, tötet ihn der Automann und sammelt Holz und Rinde. Copyright Prof. Dr. Dr. Kayser   Klaus KayserKlaus Kayser, Dr. med. Dr.…

Walther und der Alte aus Weimar (Klaus Kayser)

  Da sitz ich nun, ich armer Tor auf einem harten Steine. Ich bin so schlau als wie zuvor und denke Bein auf Beine: Was ich gewann, was ich verlor, was bleibt, was sei das meine. Was ich im Leben alles schwor, zu kennen, wissen um die kleine Ewigkeit, die mir jetzt sagt: Nichts ist gerade, nichts ist krumm. Der Alte so aus Weimar klagt, auch Vogelwalthers Lied bleibt stumm. Ich aber sage frech und frei: Gedanken können alles biegen.…

✎ 2020 Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte (BDSÄ)