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Jahr: 2015

Dezemberfrühling (Wilfried Dinter)

  Wenn in herbstlichem Schweigen jedes Lachen stirbt Und kein Schnee als gnädiges Leichentuch das Namenlose verdeckt – Wird Passion zum Advent. Dann wandeln sich gefrorene Rosen in Christusblüten. Der Sturm trägt mit den toten Blättern Die letzten Zweifel fort Und gibt die neuen Knospen frei. Bleierne Wolken künden den Märzschnee Und im Feuer der steigenden Wasser Glüht österliches Weiß. Wilfried DinterWilfried Dinter, Dr. med. Geboren zur Jahrhundertmitte in Kiel. Vorfahren mütterlicherseits aus dem nordöstlichen, väterlicherseits aus dem südöstlichen deutschen…

Bremer Stadtmusikanten (Eberhard Grundmann)

Diese Texte trug Eberhard Grundmann beim BDSÄ-Kongress 2015 in Bremen vor in der Lesung über Bremer Stadtmusikanten“ (Moderation Helga Thomas) Tagfreier Tag Herr Wennemann klappt den Kalender auf und sieht, dass in des ganzen Jahres Lauf sich ein Gedenktag an den andern drängt, auf manche Tage eine Vielzahl zwängt. Just siebenhundertfünfundvierzig Tage fand Wennemann, und das sind schliesslich sage und schreibe reichlich zwei pro Tag im Schnitt. Zählt man jedoch nur die globalen mit, so findet man zweihundertfünfzehn Treffer –…

Schiff-Fisch (Eberhard Grundmann)

Diese Texte hat Eberhard Grundmann beim BDSÄ-Kongress in Bremen 2015 vorgetragen in der Lesung „Schiff-Fisch“ (Moderation Jürgen Rogge) Memorandum eines Wassertropfens Halt! Bevor du mich trinkst oder wegspülst sieh mich an mich den kleinen wassertropfen Von weit komme ich her aus einem fernen ozean stieg ich empor flog hoch über meere und inseln und kontinente regnete nieder auf berge sickerte durch gestein wusch höhlen und trug das mineral für tropfstein und sinterbecken so schön dass maler nicht aufhören sie zu…

Bremer Stadtmusikanten (Eberhard Grundmann)

Diese Texte trug Eberhard Grundmann beim BDSÄ-Kongress 2015 in Bremen vor in der Lesung über Bremer Stadtmusikanten“ (Moderation Helga Thomas) Tagfreier Tag Herr Wennemann klappt den Kalender auf und sieht, dass in des ganzen Jahres Lauf sich ein Gedenktag an den andern drängt, auf manche Tage eine Vielzahl zwängt. Just siebenhundertfünfundvierzig Tage fand Wennemann, und das sind schliesslich sage und schreibe reichlich zwei pro Tag im Schnitt. Zählt man jedoch nur die globalen mit, so findet man zweihundertfünfzehn Treffer –…

Fehler (Eberhard Grundmann)

Diese Texte trug Eberhard Grundmann beim BDSÄ-Kongress 2015 in Bremen vor in der Lesung über „Fehler“ (Moderation Dietrich Weller) Das Böse ist nicht nur in der Welt, weil Menschen das Gute mit falschen Methoden und fehlerhaft anstreben oder ihren Trieben unterliegen. NEIN. Das Böse ist auch ganz wesenhaft in der Welt und besetzt gleich einem Dämon einzelne Seelen, die dann das Böse gern tun, planvoll, mit Freude und mit Lust. (22.03.2008) Fahrradreparatur oder der wiedergefundene Glaube an die Menschheit Wennemann…

Erotik (Eberhard Grundmann)

Diese Texte wurden beim BDSÄ-Kongress in Bremen 2015 in der Lesung  über Erotik (Moderation Horst Ganz) vorgetragen Wölländischer Spruch 3.1 Jeder will etwas anderes: Der Mann die Frau. Die Frau das Kind. Das Kind das Leben.                                                   XY Anfangs war das Leben prall und rund, rund und prall und drall und ganz gesund, bis es eines Abends sich besann: „Scheinbar komme ich nicht recht voran. Ich will mich morgen dividieren und besser so getrennt marschieren, um endlich dann nach ein paar Tagen…

Mensch und Umwelt (Eberhard Grundmann)

(Der Text wurde beim BDSÄ-Kongress 2015 in Bremen vorgetragen) Die Frage, was der Mensch mit seinem Globus mache, bewegt seit Jahren die öffentliche Debatte. Dabei wird an Industrie und Technik gedacht, nicht aber an den höchstpersönlichen humanen Beitrag. Nach seinem grundlegenden Bauplan ist der Mensch – so wie viele andere Arten auch – ein doppelwandiger Schlauch. Die primären anatomischen Orientierungen dieses Schlauches sind die Wände INNEN und AUSSEN sowie der Zwischenraum in der MITTE zwischen den Wänden. Sekundäre Orientierungen sind…

Gratitude – Dankbarkeit (André Simon)

Nach dem Originaltext folgt die deutsche Übersetzung von Dietrich Weller   Gratitude XU WEI ( 1521-1593)  Once upon a time, in the small village of Zhèng in the province of Szechwan there lived a peasant called NONG. In this huge territory grew bamboo forests. A bamboo plant is not just a simple plant; it plays a major role in the life of the people of Szechwan. They live in bamboo houses, they are clothed in gowns made from bamboo, and…

Nicht nur zum Waschen (Wamser-Krasznai)

Nicht nur zum Waschen…. Vom Wasser in der Antike                                 Bild 1: Salvom lavisse, bene lava – „Angenehmes Baden!“ Mosaiken in Sabratha/Libyen. Photo der Verfasserin, 2009 In den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts kam ein Liedchen auf, dessen Refrain „Wasser ist zum Waschen da, falleri und fallera…..“ im Handumdrehen Karriere als Ohrwurm machte. Der ausführliche Text geht populär persiflierend auf einige der wichtigsten Aspekte des Wassers ein. Sehen wir uns daraufhin bei den antiken literarischen Quellen um,…

Gedanken zu Uhlenbruck „Gedankensplitter ohne Kopfzerbrechen“ (Dietrich Weller)

Gedanken im Zug nach Hause bei der Lektüre von Uhlenbruck „Gedankensplitter ohne Kopfzerbrechen“ Wer im Zug Aphorismen von Uhlenbruck in einem Zug lesen will, wird ständig von den Stoppschildern der Gedanken gebremst, damit die eigenen Gedanken zum Zug  kommen. Wenn ich schon mal eine guten Gedanken habe, schreibe ich ihn auf, damit ich besser darüber nachdenken kann. Gute Aphorismen sind kurze Gedanken, die zum langen Nachdenken anregen. Wer viel redet, sollte sich kurzfassen. Wer sich kurzfasst, kann sich das Vielreden sparen. Ein…

✎ 2020 Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte (BDSÄ)