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Monat: Mai 2015

Vom Alter im Altertum (Waltrud Wamser-Krasznai)

  Vom Alter im Altertum. Mit Texten und Bildern auf den Spuren einer „unheilbaren Krankheit“   Zur Einstimmung seien ein paar Zeilen aus Elisabeth Herrmann-Otto, Die Ambivalenz des Alters[1], referiert: Während in Sparta, einem oligarchischen Staatswesen, den mächtigen Alten uneingeschränkte Anerkennung zuteil wurde, hing in Rom, sowohl unter republikanischer als auch monarchischer Führung, alles von der sozialen Schicht ab. Für den geistig gesunden Angehörigen der Oberschicht gab es gleitenden Ruhestand, private Altersversorgung und hohe Wertschätzung. Die Mitglieder der Unterschicht dagegen…

Das Gute an Fehlern (Helga Thomas)

  Gestern saß ich im Zug von Berlin nach Basel. Ich kehrte von einem Kongress zurück, der für mich sehr wichtig war – sicher nicht nur für mich – und eine Mitgliedsversammlung hatte stattgefunden, die – vielleicht – noch wichtiger war als der ganze Kongress (objektiv und für mich). Ich schaute aus dem Fenster, trank Kaffee, Tee oder Wasser und erinnerte mich,  liess alles noch einmal Revue passieren. An dem Morgen war mir ein kleines Missgeschick passiert, dass mich an…

Gedichte zur DDR (Paul Rother)

Diese Gedichte wurden vorgetragen bei der BDSÄ-Jahrestagung 2015 in Bremen in der Lesung mit dem Thema „Fehler“   Hymne an den Stacheldraht  Stacheltier, du ausgerolltes Borstenvieh, du ungewolltes, von Tyrannen festgenagelt, dir sei jetzt ein Lied spektakelt! Von dem Volk, das du umfasst, von dem Volke, das dich hasst, von dem Land, das du umringst und in deinen Kerker zwingst. Wer kann deine Stachel zählen, die Millionen Menschen quälen, die Millionen tiefe Wunden in das Menschenherz geschunden? Magst du wie…

Unruhige Nacht (Dietrich Weller)

Dieser Text wurde vorgetragen beim Jahreskongress des BDSÄ 2015 in Bremen in der Lesung mit dem Thema „Bremer Stadtmusikanten“   Eine wichtige Botschaft aus dem Märchen „Bremen Stadtmusikanten“ ist für mich, dass wir uns durch unvorhergesehene, abwegige, verrückte, unpassende, vielleicht auch laute Ereignisse und Anforderungen nicht aus dem Gleichgewicht bringen oder gar in die Flucht schlagen lassen dürfen. Ein Beispiel dafür habe ich neulich erlebt mit zwei Begegnungen der besonderen Art in einer Nacht. Ich war gerade in meinem Dienstzimmer eingeschlafen,…

Herbergsuche (Dietrich Weller)

Freitagnacht. Sprechstunde in der Notfallpraxis im Marienhospital. Der ältere Herr ist einfach und sauber gekleidet, schlank, stellt einen kleinen Rucksack neben den Stuhl, auf den er sich setzt, und sagt: „Ich habe eine chronische Bronchitis.“ Dann wartet er auf meine Reaktion. „Haben Sie sonst noch Beschwerden?“ – „Nein!“ „Dann lassen Sie mich mal die Lunge abhören, bitte.“ Er steht auf, ich ziehe sein Hemd hoch, höre Lunge und Herz ab:  „Alles normal, prima!“ Dann messe ich mit dem Ohrthermometer seine…

Seitenwechsel (Harald Rauchfuß)

»Warum bin ich nur zu Fuß aus der Justizvollzuganstalt gegangen«, dachte Felix, »nachdem sie mir eine Fahrt vorgeschlagen hatten!« Er ging Richtung Stadtzentrum, bog in die parallel zur Marktstraße laufende Bahnhofstraße ein und traute seinen Augen nicht: Siegfried kam auf der andern Seite entgegen. Abgelegte Rachefeldzugspläne drangen Felix in den Sinn. Sein Ehegespons hatte dessentwegen die Scheidung eingereicht. Es warf ihm schwere Bedrohungen und Verletzungen vor, die Siegfried arglistig bezeugte. Boshaft querte jener die Straße, ohne direkt auf ihn zuzukommen,…

Die Torte (Jürgen Rogge)

  Ein entfernter Onkel von mir plauderte gerne aus seiner Vergangenheit. Er hatte etliche Jahre als Arzt in einem Gefängniskrankenhaus gearbeitet. Einmal erzählte er folgende Begebenheit: Im Krankenhaus waren für jede Station einige Gefangene als Hilfskräfte ausgewählt, sie hatten eine Sonderstellung: Man nannte sie Kalfaktoren. Einer von ihnen, Walter Pingel, von Beruf Bäcker, war besonders geschickt und zuverlässig. Als er nach zwei Jahren entlassen wurde, bedauerten wir alle, dass seine Freiheitsstrafe nicht länger währte. Zum Abschied bedankte er sich sehr,…

Springtime – Frühlingszeit (André Simon)

                                              SPRINGTIME (deutsche Übersetzung von Dietrich Weller am Ende des Textes)   The painting on the silk shows birds, a budding apple tree and flourishing roses. The painter is familiar with the old saying, “One showing is worth a hundred sayings”.
Above the drawings are Chinese pictograms .成熟 味 鸣 which appear to the foreigners as a “secret message”. 
However, these show…

✎ 2020 Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte (BDSÄ)