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Monat: November 2016

Trauerrede für Herbert Metzger am 23.11.2016 (Dietrich Weller)

  Herbert Metzger, geboren 22.01.1924, gestorben 11.11.2016, Liebe Frau Metzger, liebe Familie von Herbert Metzger, liebe Trauergemeinde, mein Name ist Dietrich Weller. Ich bin als langjähriger literarischer Freund von Herbert Metzger hier und trauere mit Ihnen. Deshalb ist es mir nicht nur ein sehr persönliches Bedürfnis, zu Ihnen zu sprechen, sondern ich möchte als Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schriftstellerärzte BDSÄ und Herausgeber des Almanachs deutschsprachiger Schriftstellerärzte sein literarisches Werk würdigen. Dabei will ich freimütig gestehen, dass ich gar nicht alles…

Frühlingstreffen (Walter-Uwe Weitbrecht)

„Einsam kann man auch in Gesellschaft sein, insbesondere wenn man als Single nur mit Pärchen befreundet ist“, dachte Susanne, während sie gedankenverloren nach Hause ging. Sie stockte. Ein Pudel stand vor ihr und kläffte sie an. Ängstlich starrte sie auf das Tier und rührte sich nicht. „Rudi, bei Fuß!“ Die Stimme klang angenehm sonor. Sie blickte auf. Ein schlanker junger Mann etwa in ihrem Alter stand vor ihr und griff nach dem Halsband des Hundes. „Entschuldigen Sie, dass Rudi hat…

Ein Sonnenstrahl (Walter-Uwe Weitbrecht)

  Ilka blickte auf den Mauerspalt über ihnen, um die Wärme des Sonnenstrahls im Gesicht zu spüren. Sie zog mit dem rechten Arm ihren kleinen Bruder Sami an sich. Das linderte die Schmerzen im rechten Bein, das von einem Trümmerbrocken getroffen worden war. Die Sonne kam nur einmal am Tag für ein bis zwei Stunden durch den Spalt zwischen den eingestürzten Betonplatten, die einen schmalen zeltförmigen Raum in dem Trümmerhaufen des eingestürzten Hauses bildeten. Ilka konnte den Himmel sehen, der…

Die Gans, die singen wollte (Walter-Uwe Weitbrecht

    Auf einem Hof bei Lindlar lebte eine Gruppe Gänse. Die Tochter des Bauers war ein Fan von Verdi-Opern. Vor allem die Musik der Oper Aida ließ sie oft bei offenem Fenster mit voller Lautstärke ertönen, so dass der Bauer, wenn er in der Nähe des Wohnhauses zu tun hatte, manchmal schimpfend rief: „Mach die Musik leiser. Das kann man ja nicht aushalten.“ Den Gänsen blieb die Musik nicht verborgen. Die meisten konnten nur wenig damit anfangen. Nur die…

Storchmigranten (Walter-Uwe Weitbrecht)

  Der Graureiher Elias stand am Ufer des Baches und begrüßte Hubert, den Storch, der aus seinem Winterurlaub in Ägypten zurückgekehrt war. Elias war die letzten Winter in Mecklenburg geblieben, da es nicht mehr so kalt war, so dass Bäche und Seen nicht mehr zugefroren waren. „Bist du in diesem Winter in Marokko gewesen, Hubert?“ „Ich war nicht in Marokko“, klapperte Hubert und durchforschte das Ufer nach Fröschen. „Warum?“ Elias versuchte einen Fisch zu schnappen, der zwischen den Halmen des…

Die Katze mit den seidenen Handschuhen (Walter-Uwe Weitbrecht)

  Eine schwarz-weiße Katze Paula lebte in einer Villa am Königsforst. Meist lag sie auf einer Heizung, schnurrte vor sich hin und genoss die Wärme. Sie bewunderte die apart gekleidete Hausherrin, die sie immer mit Seidenhandschuhen streichelte. Sie empfand dies als besonderen Genuss, auch wenn es manchmal funkte. Sie beschloss, ebenso vornehm zu werden. Sie trabte zum Maulbeerbaum und sprach mit den Seidenraupen: „Könnt ihr mir ein zartes, fast durchsichtiges Seidenkleid und Seidenhandschuhe für die Vorderpfoten spinnen?“ Die emsigen Seidenraupe…

Das Mottenprojekt (Walter-Uwe Weitbrecht)

  Mottenmutter Luise saß mit ihrem Mann Walter in einem alten Kleiderschrank zwischen den Wollpullovern und beobachtet ihre zarten, gelblichen Raupenkinder, die sich durch die Maschen fraßen. „Schafwolle schmeckt ihnen“, knispelte sie, „sie schauen richtig glücklich aus.“ „Wo sind denn die Großen?“, brummte Walter und machte es sich an der Knopfleiste bequem. „Du weißt doch, sie umsurren jetzt die Straßenleuchten und die Zimmerlampen und holen sich angesengte Flügel. In unserem Alter macht das Tanzen am Licht keinen Spaß mehr. Da…

Das rote Kaninchen (Walter-Uwe Weitbrecht)

Das rote Kaninchen Bauer Stertzenbach hatte Rüben geerntet und, da er keinen Lagerplatz in der Scheune hatte, als Rübenmiete am Rande des Ackers aufgestapelt und mit einer dicken Folie bedeckt, um die Rüben vor dem Regen zu schützen. Er hatte zwei Äcker bearbeitet mit verschiedenen Rübensorten, die einen kleiner, die anderen größer. Das Kaninchen Paul hatte das beobachtet und rannte ganz aufgeregt zu seinem Bruder Tim. „Es gibt Rüben“, hechelte er, „so viele Rüben, dass man Speck für den ganzen…

Trivial oder geistvoll? Joseph Viktor Scheffel (Waltrud Wamser-Krasznai)

  Trivial oder geistvoll? Joseph Viktor von Scheffel (1826-1886) Wie kommt eine Orthopädin, die auf ihre alten Tage das Steckenpferd der  Klassischen Archäologie reitet, dazu, einen verstaubten Poeten des 19. Jahrhunderts aus der Versenkung zu holen? Nun, meine mütterliche Linie hat badische Wurzeln, und zu den Bibliotheksbeständen dieser Familie gehörte allemal eine Scheffel-Ausgabe. „Der Trompeter von Säckingen“ und „Ekkehard“ waren Standard, und die Lieder aus dem „Gaudeamus“ wurden zur Erheiterung gesungen, wenn ungeistige Arbeiten wie Geschirrspülen auf der Tagesordnung standen.…

The Turtle Shell Secret – Das Geheimnis des Schildkrötenpanzers (André Simon)

Am Ende des englischen Textes steht die deutsche Übersetzung von Dr. Dietrich Weller                      This is an amazing story of an old turtle shell found in the secret Imperial collection in the Emperor´s palace of Xian many centuries ago. The old shell was supplemented with an explanation written on rice paper, which partially was illegible.  The free translation reads as follows:   In the small kingdom of N…… located as a part of…

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