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Die Ehefrau braucht ’nen Berater
Für ihren stark verschrob’nen Mann.
Drum sucht sie Hilfe beim Psychiater
Ob er’s Problem nicht lösen kann.

Ihr Mann war stets sehr akkurat
Beamtentyp vom alten Schlag
Nicht grad von geistigem Format
Doch zuverlässig Tag für Tag.

Vor Wochen aber ist’s gescheh’n,
Was jeder Logik wohl entbehrt.
Man kann es äußerlich schon seh’n,
Der Mann hält plötzlich sich für’n Pferd.

Ließ sich die Sohlen schon beschlagen
Mit Hufeisen aus Edelstahl.
Er wiehert fast an allen Tagen
Und Hafer schmeckt zu jedem Mahl.

Er zieht an Sonn- und Feiertagen
Von Haus zu Haus gleich einem Shuttle
’nen Landauer als Kutschenwagen
Und trägt dabei ’nen Damensattel.

’ne Pferdedecke ließ er nähen
Auch hört man oft die Peitsche knallen.
Und wie ein Gaul lässt er im Gehen
Die frischen Exkremente fallen.

Dies‘ alles ward‘ dem Arzte kund
Und schnell daraus die Diagnose.
Der Herr läuft oben nicht ganz rund,
Er hat ’ne tierische Neurose.

Die Ehefrau – sie fleht ihn an:
Herr Doktor, geben Sie Ihr Bestes.
Erlösen Sie ihn von dem Wahn,
Ein starkes Mittel – und er lässt es.

Der Seelenarzt, der dieses hört,
Schüttelt sanft sein weises Haupt.
Wenn ein Mensch so sehr gestört,
Selbst man kaum an Heilung glaubt.

Würde man es doch versuchen,
Wär’s ein langwier’ger Prozess.
Honorar wär‘ zu verbuchen,
Sicherungen bei Regress.

Wochenlang die Analyse,
Monate die Pferdekur,
Frau – Sie kriegen kalte Füße
Denkt man an die Rechnung nur.

Doch Frau Schulz sagt nur: Ich freu‘ mich,
Hoffnungsschimmer für den Mann.
Keine hohen Kosten scheu‘ ich,
Doktor gehen Sie gleich ‚ran.

Geld spielt bei uns keine Rolle
Ist mein Mann auch sehr versponnen;
Hat er doch schon dreizehn tolle
Pferderennen jüngst gewonnen!

 

Copyright Dr. Volker Steffen