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Alexandria,
verblichene Perle des östlichen Mittelmeeres,
gezeichnetes Kleinod der Verklärung,
verflogenes Flair sinnlich-mediterranen Ambientes,
in islamischer Monokultur ersticktes levantinisches
Herzblut.

Alexandria,
auf Ruinen glorreicher Epochen wuchernde Ausgeburt
moderner ägyptische Baugigantomanie,
von halbfertigen Hochhausskeletten
eingekeilte Spuren kosmopolischer Vergangenheit.
 

Alexandria,
oft zerstörte und wiedererstandene maritime Metropole.
Kontinuierlich wucherndes 7 Millionen Konglomerat
aus Staub, Lärm, Geschäftigkeit,
muselmanischem Dogmatismus,
anbrandenden Wellen und Hafengestank.

Alexandria,
Chimäre einer verworrenen Nostalgie.
An übermächtiger Dominanz der Kapitale Kairo
leidendes,
aus allen Nähten berstendes Refugium
vor binnenländischer Sommerglut.

Alexandria.
Begonnene Restaurationsversuche des kulturellen Erbes,
überwuchert vom überdimensionalen Glasbau
der zum Meer weisenden Bibliotheka Alexandrina.
Morgenröte der wiedererwachenden Seele
El Iskandereyas?

Das Gedicht stammt aus dem Buch „Jahr greift in Jahr“, von Orlando M, erschienen 2013