Text nach Autor: 220 Texte von Amir Mortasawi alias Afsane Bahar

Aussteiger (6.4.2019) Wenn ich vom Aussteigen spreche angesichts des beißenden Geruchs unserer mit sich selbst beschäftigten Gesellschaft in der das vermeintliche Wohlergehen die Augen blind und die Sinne stumpf werden lässt wenn ich vom Aussteigen spreche aus der alltäglichen vielseitigen Gefräßigkeit meine ich nicht Betäubung, Lähmung Selbstbetrug und Starre Ich entlaste mich – geistig rege […]

Zuversicht (5.4.2019)   Die verträumten Knospen die lachenden Blüten die tanzenden Triebe die verspielten Frühlingsblätter umarme ich so wie beim Wiedersehen alter Freunde nach längerer Abwesenheit Keine einzige Sekunde mitten in der klirrenden Kälte zweifelte ich daran von den kahlen Bäumen wieder reichlich beschenkt zu werden Eine gleichartige Zuversicht ist mein Heilmittel und Herzenstrost auf […]

Mohammad Reza Shafi’i Kadkani[1], der iranische Dichter und Hochschuldozent, ist immer wieder eine erfrischende Quelle der Inspiration. Heute beim Spaziergang nahm ich in Anbetracht der im Keimen begriffenen Bäume sein Gedicht „“Im erhabenen, ausdrucksvollen Kleid der Nacktheit““ mit allen Sinnen wahr. Es entstand der folgende Text. Der persische Originaltext und eine sinngemäße Übersetzung des Gedichtes […]

Mitbringsel (9.3.2019)   Bei länger werdenden Tagen in Erwartung des Frühlings durchströmt von der Morgenröte gehe ich auf Meditationsreise Als Mitbringsel schenke ich dir den Glanz der Augen beim Pflücken der Träume die Zärtlichkeit des Lachens bei Wahrnehmung befreiender Erkenntnisse die Gesänge des Herzens beim Berühren der Glückseligkeit ֎֎֎

Licht-Hain (1.1.2019)   Am ersten Tag des Jahres ruhte das Städtchen am Fluss im seichten Meer des Nebels In der Ferne zeigte sich magisch der Umriss der bewaldeten Berge Ich blieb voller Bewunderung am offenen Fenster stehen Die frühlingshaft anmutende Kulisse allmählich durchwebt mit Sonnenstrahlen verwandelte sich in einen Licht-Hain Der Gesang lichter Veränderungen durchströmte […]

Gleichberechtigung (19.1.2019)   Rufe nach Gleichberechtigung kann der Kapitalismus wohlwollend, großzügig in sein Ganzes Aufnehmen solange es um die Regulierung der Teilhabe an seinen Verbrechen oder deren Duldung geht Gnadenlos geht er allerdings vor wenn Bestrebungen nach Gleichberechtigung sein Bestehen in Frage stellen ֎֎֎

Gemeinsame Werke (1.1.2019)   Manche Schriften und Gedichte aus meiner Heimat und anderen Teilen dieser Erde behüte ich wie Schätze in meiner Brust Ihre Aussagen verbinde ich bei neuen Wahrnehmungen Begegnungen und Berührungen mit gegenwärtigen Klängen, Farben und Düften Das Ergebnis teile ich meiner Umwelt bedacht  in der Hoffnung mit dass Betrachtungen und Behandlungen allgemein […]

Mütter wollen den Frieden  (1950)   Von Jaleh Esfahani (1921-2007) Übersetzung aus dem Persischen von Amir Mortasawi und Andreas Schmidt   (für meinen Sohn Bijan) Du, verführerisches, schönes Kind, du, Frucht meines Lebens, dein Gesicht ist wie ein heller Spiegel meiner Kindheit und meiner Jugend. Ich betrachte in deinem Gesicht mein geliebtes vergangenes Leben und […]

Teheran und der Krieg  (Winter 1981)   Von Jaleh Esfahani (1921-2007) Übersetzung aus dem Persischen von Amir Mortasawi und Andreas Schmidt   Die schwarzen, furchtbaren Flügel des Kriegsdämons liegen bedrückend auf den Teheraner Nächten. Das einzige brennende Licht der Stadt ist der Mond, der bernsteinfarbene Mond, der auf dem unsichtbaren Dach Teherans leuchtet. Teheran ist […]

Du kehrst zurück (1975)   Von Jaleh Esfahani (1921-2007) Übersetzung aus dem Persischen von Amir Mortasawi und Andreas Schmidt   Eines Tages kehrst du zurück. Du kommst zurück mit dem morgendlichen Wind der Berge, mit den Wellen der Meere, mit dem Frühling. Und ich warte sehnsüchtig.  Du bist ein Bote aus warmen Ländern und weißt, […]