Text nach Autor: 10 Texte von Joerg Poennighaus

Die folgenden Gedichte veröffentlichen wir hier mit freundlicher Genehmigung der edition exemplum (ATHENA-Verlag, Oberhausen). Die Texte stammen aus dem Gedichtband Tanzende Tage von Jörg M. Pönnighaus, ISBN 978-3-89896-640-5     1 »Und irgendwann sagte mein Bruder: ›Es reicht!‹ und aß und trank nicht mehr und starb eine Woche später.«   2 Durch den Schleier meiner […]

Freitag, 13. August 2010 Halb sieben in der Klinik. Verbandswechsel. Oberarztvisite. Dann ein ungeduldiger Anruf vom Op, dass Herr Gustmann seit einer halben Stunde auf dem Tisch liege … den Patienten zusammen mit den Unfallchirurgen operiert. Ein Anruf von Frau Froh, wo ich denn bleibe, sie habe eine Privatpatientin für eine Ultraschalluntersuchung für mich. Aber als […]

„Mein Leben lang war ich treu!“ „Und, werden Sie ihn wiedersehen?“ „Ja, wenn man das doch glauben könnte, was sie uns erzählt haben, als wir noch Kinder waren … Ja, wenn man das doch glauben könnte“, sagt die alte Frau und schweigt. Mit freundlicher Genehmigung der edition exemplum, ATHENA-Verlag, Oberhausen. Das Gedicht stammt aus dem […]

Ich, Thomas, kann nur etwas glauben, wenn ich es selbst sehe; wiewohl ich weiß, dass man nur sehen kann, was man zuvor glaubt. Mit freundlicher Genehmigung der edition exemplum, ATHENA-Verlag, Oberhausen. Das Gedicht stammt aus dem Gedichtband Skizzen einer Zeit von Jörg M. Pönnighaus, ISBN 978-3-89896-523-1

„Meinen Vater haben Sie erschossen, meine Mutter haben sie in ein Lager geschickt und zu meiner Schwester und mir – ich war vier Jahre alt – haben sie gesagt: ´ihr könnt verrecken´; aber wir sind nicht verreckt!“ „Und wie haben Sie überlebt?“ „Es gab auch gute Russen.“ Mit freundlicher Genehmigung der edition exemplum, ATHENA-Verlag, Oberhausen. […]

„Wie bespochen“, sage ich zu Herrn Pelczinski, „ich kann Sie nur in örtlicher Betäubung operieren; wenn Sie also noch Schmerzen haben, müssen Sie sich auf die Zähne beißen!“ „Tja“, antwortete Herr Peczinski, 1925 in Danzig geboren, „mein Gebiss habe ich in meinem Zimmer gelassen, eigene Zähne hab ich nicht mehr, da werd ich mir wohl […]

Es ist offensichtlich Die Götter schätzen das, was wir Gerechtigkeit nennen, rein gar nicht. Es geht ihnen glatt am Arsch vorbei.   Mit freundlicher Genehmigung der edition exemplum, ATHENA Verlag, Oberhausen; aus dem Gedichtband Skizzen einer Zeit von Jörg M. Pönnighaus, ISBN 978-3-89896-523-1

Die Frau hieß Shinje. Wenn eine Sukuma Shinje heißt, weiß man, dass sie als Steißlage zur Welt kam. Eine Steißgeburt verheißt nichts Gutes und die Sukuma müssen für solche Babys eine Kuh schlachten, um Unheil abzuwenden. Zu ihrem Alter kann ich wenig sagen. Ein kleines verhutzeltes Frauchen halt. Auch wenn ihr Alter in ihrer Kurve […]

  Es ist seltsam, so um halb drei gerufen zu werden. Bei zunehmendem Mond ist es um die Zeit ganz dunkel, du siehst nur die Lichter vom Krankenhaus rechts vor dir. Die Hähne krähen noch nicht, kein Hund bellt, es ist ganz still. Vielleicht siehst du hinauf zum Kreuz des Südens. Und irgendwie hast du […]

  Halb vier ist keine gute Zeit. Moses ist schon lange verschwunden. Ich bin erschöpft. Nur Mwahija war noch da. Auch Tindwa und Shemdoe waren schon leise und unauffällig gegangen. Aber vielleicht weil es ein Kind war, raffte ich mich noch einmal auf. Die zwei Klötze – richtige Sukuma –, die es brachten, waren vermutlich […]