Der Tod der Farbe

Ein Gedicht von Sohrab Sepehri (1928 – 1980) aus dem gleichnamigen Buch; erste Erscheinung 1951
Übersetzung aus dem Persischen von Afsane Bahar

 

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Eine Farbe ist am Rande der Nacht
wortlos verstorben.
Ein schwarzer Vogel ist über ferne Wege gekommen
und besingt von Daches Höhe die Nacht der Niederlage.
Siegesbetrunken ist gekommen
der Vogel, der die Trauer anbetet.

In dieser Niederlage der Farbe
ist  jegliches Liedes auseinandergerissen.
Einzig die Stimme des tapferen Vogels
verziert das Ohr der einfachen Stille
mit dem Ohrschmuck des Widerhalls.

Der schwarze Vogel, über ferne Wege gekommen,
hat sich auf das hohe Dach der Nacht der Niederlage gesetzt
wie ein Stein, regungslos.
Den Blick hat er
über die vernebelten Gestalten in seiner Phantasie gleiten lassen.
Ein seltsamer Traum quält ihn:
die Blumen der Farbe sind im Boden der Nacht aufgegangen.

Auf den Straßen des Wohlgeruchs
ist die Brise verstummt.
Jederzeit eine Täuschung im Sinne
zeichnet etwas mit seinem Schnabel
dieser Vogel, der die Trauer anbetet.
Eine Fessel ist gerissen.
Ein Schlaf ist zerbrochen.
Der Traum des Landes
hat die Legende vom Aufblühen der Blumen der Farbe
vergessen.
Still muss man die Windung dieses Weges passieren:
eine Farbe ist am Rande dieser grenzenlosen Nacht verstorben.

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