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Es war schwarz und es war sein Sonntagskleid.
Die Klinge war geschliffen und war scharf.
Die Augen lagen tief und sie waren bereit
Zu töten bei Befehl und Bedarf.

Oh Allaf, die Wüste kennt
Nur Sand, keine Rosen, kein Herz!
Oh Allaf, die Seele brennt
Und tötet den ehrvollen Schmerz!

Sie war schön und war jung und war achtzehn Jahr.
Ihr Kleid war so kurz und so bunt.
Locker und wild war ihr nachtschwarzes Haar
Und kirschrot der lockende Mund.

Oh Allaf, die Wüste kennt
Nur Sand, keine Rosen, kein Herz!
Oh Allaf, die Seele brennt
Und tötet den ehrvollen Schmerz!

Er war stark und war blond und stampfte das Bein.
Er tanzte die Brust mit funkelndem Schwung.
Sein Blick fiel auf sie und sie fiel auf ihn rein.
Sie war ja so schön und er war ja so jung.

Sie tanzten das Leben und das Leben war gut.
Die Nacht war so mild und voll auch der Mond.
Er hat sie geküsst und auf ihr geruht
Und tief in ihrem Herzen gewohnt.

Der Bruder, der Kurde, er sah was er sah.
Die Familie, die Ehre geopfert der Lust.
Der Vater befahl was mit ihr geschah.
Der Bruder, das Messer fand die liebende Brust.

Er hielt sie in den Armen und sterbend sie sah
Die Tränen, sein Sonntagskleid voller Blut.
Vater, mein Vater, befahl was geschah.
Mein Bruder, mein Bruder, du warst mir so gut.

Oh Allaf, die Wüste kennt
Nur Sand, keine Rosen, kein Herz!
Oh Allaf, die Seele brennt
Und tötet den ehrvollen Schmerz!

 

Copyright Prof. Dr. Dr. Klaus Kayser