Die bessere Welt

(1973)

 

Von Jaleh Esfahani (1921-2007)

Übersetzung aus dem Persischen von Amir Mortasawi und Andreas Schmidt

 

Wenn man mich fragt,
was das Leben ist,
werde ich sagen,
stets auf der Suche sein,
eine bessere Welt ersehnen … 

Heute bin ich aufmerksamer denn je,
in der Wachheit bin ich voller Gedanken,
im Schlaf bin ich wach.
Ich würdige die Zeit,
ich liebe die Erde.
Im Anblick eines jeden hellen Morgens werde ich so sehnsüchtig,
als wäre dies mein erster Tag,
als wäre dies mein letzter Tag.
In dieser verzaubernden Aufruhr
bin ich unruhig wie die Frühlingsvögel.
Mich bedrückt das Heim,
mich bedrücken sorglose Gedanken
und auch papageienhafte, sinnlose Gespräche.
Mich bedrücken die Tagesnachrichten,
wenn sie sich mit dem blühenden Markt des Einen
und dem kalten Krieg des Anderen beschäftigen
und nicht mit dem Geheimnis des Aufblühens menschlicher Kräfte.
Ich möchte einen offenen Raum,
der wie der Himmel grenzenlos ist …
und eine Welt,
die von dem Menschen weder Tod noch Opfer verlangt.

֎֎֎