Die Erde grünt deinetwegen

(1974)

Von Jaleh Esfahani (1921-2007)

Übersetzung aus dem Persischen von Amir Mortasawi und Andreas Schmidt

 

Die Erde grünt deinetwegen
und der Garten ist deinetwegen voller Farben geworden.
Vom wirren Singen der Vögel ist die Wiese voller Aufruhr.
Wieso sitzt du still?
Was betrübt dich?
Jetzt, wo ein neuer Frühling aufblüht,
pflückt die liebkosende Brise der Morgendämmerung Blüten
und wirft sie dem Wiedehopf zu Füßen.
Benimm dich wie junge Wesen,
wie die Bäume voller neuer Triebe.
Lebe froh, wenn sich die Gelegenheit ergibt.
Und schenke auch dem Nachbarn
einen Ast dieser Blume,
denn Schmerz und Trauer
begleiten uns wie der Schatten … 

Der Frühling hat mir den Fleiß zum Erneuern beigebracht.
Wieso soll ich diesen Moment sinnlos verlieren,
denn das Jetzt ist ein Tropfen des Flusses meines Lebens,
und das verflossene Wasser wird in den Fluss nicht zurückkehren. 

Wieso soll ich mit der Klinge der Traurigkeit den heutigen Tag enthaupten?
Wieso soll ich diese Geschichte akzeptieren,
dass das Leben erst am kommenden Tag ist?
Denn die Ewigkeit fängt mit jedem Moment an …

֎֎֎