Die Wahrheit in den öffentlichen Medien

(Mein Versuch einer Filmkritik)

„Citizen Kane“ ist der Name für einen ganz besonderen Film, der, als er in die Kinos kam, (1941) zuerst wenig Interesse fand und später von Filmkritikern als „bester Film aller Zeiten“ hoch gelobt wurde.

Raffiniert, und filmtechnisch seiner Zeit weit voraus, ist der Aufbau der Erzählung, der Lebens-Geschichte eines Verstorbenen – anhand der Erinnerungen seiner Bezugspersonen. Die Frage nach der Bedeutung des letzten Wortes des Sterbenden („Rosebud“) verbindet die Interviews in nachgestellten Szenen.

Dabei wird leicht übersehen, dass die Botschaft der Geschichte eigentlich eine andere ist. Der junge Kane, der mit 25 Jahren ein unermeßlich großes Vermögen erbt, will als Zeitungsverleger Erfolg haben, was ihm dann auch gelingt. Am Anfang seiner Karriere publiziert er sein Manifest als Herausgeber, als eine Art Versprechen an die Leser seiner Zeitung (dem „Esquire“). Er verspricht, sich in der Berichterstattung immer nur für die Wahrheit zu engagieren.

“My Declaration of Principles”

  1. „ I will provide the people of this city with a daily paper that will tell all the news honestely.
  2. „ I will also provide them with a fighting and tireless champion of their rights as citizens and human beings.“

Charles Foster Kane

 

Diesen Anspruch löst er ein – auch wenn es für ihn persönlich folgenreich wird. Dazu zeigt der Film zwei dramatische Beispiele.

Nachdem er eine arme Sängerin geheiratet hat, will er – mit all seinem Geld und all seiner Macht – einen Opernstar aus ihr machen. Dazu lässt er sogar ein Opernhaus in Chicago bauen. Wie zu erwarten, kann die Frau den hohen Ansprüchen nicht gerecht werden. Über die Premiere soll der Musikkritiker des „Esquire“ eine Kritik schreiben. Dem Wahrheits-Anspruch der Zeitung verpflichtet, beginnt er seinen totalen Verriss. Dann spürt er einen Loyalitätskonflikt gegenüber seinem Chef und rettet sich in den Alkohol. Kane, der Herausgeber, sucht ihn, um die Morgenausgabe fertig zu stellen. Er liest den angefangenen Text und setzt sich an die Schreibmaschine, um ihn selber zu Ende zu schreiben. Seiner Selbstverpflichtung gemäß, vollendet er den  gnadenlosen Verriss. Dann aber entlässt er den Kritiker.

Das andere Beispiel ist für sein Leben noch folgenreicher. Er kandidiert für die Wahl des Gouverneurs in seinem Bundesstaat. Der Sieg scheint, wegen seiner Medienmacht, gesichert und man rechnet ihm gute Chancen aus, anschließend sogar noch Präsident der USA zu werden. Da entdeckt sein politischer Konkurrent, dass Kane eine bisher unbekannte Geliebte hat. Er bietet ihm „einen Deal“ an. Wenn Kane auf seine Kandidatur verzichten würde, wäre er bereit „Stillschweigen zu wahren“. Doch Kane fühlt sich der Wahrheit verpflichtet und weigert sich, den Deal anzunehmen. So kommt es, wie es kommen muss, er verliert die Wahl und seine Reputation.

77 Jahre nach diesem Film haben die Amerikaner einen Präsidenten (Donald Trump) gewählt, der zwar auch unermesslich reich ist, aber ein „Manifest“ („The Art of the Deal“) verfolgt, das das totale Gegenteil der Selbstverpflichtung von Charles Foster Kane propagiert. Trump ist ein Meister der „Fake News“, der „alternativen Fakten“. Trump hätte an Stelle von Kane dem ihm von seinem Konkurrenten angebotenen Deal angenommen und sich dann nicht daran gehalten. Er hätte die Behauptung getwittert, dass alle führenden Opernkenner der Meinung wären, dass seine unbegabte Frau besser singen kann, als es die Callas je gekonnt hätte. Und damit wäre er durchgekommen.

In YouTube findet man ein Interview mit Donald Trump, in dem sich dieser über den Film „Citizen Kane“ äußert. Gefragt danach, welchen Rat er Charles Foster Kane gegeben hätte, war seine Antwort „Get yourself a different woman!“

J.v.Troschke

 

PS

Warum gibt es heutzutage in Hollywood keinen Regisseur , der, so wie Orson Welles den Citizen Kane, einen Film über einen fiktiven Präsident „Goofy Tump“ produziert?