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Noch benommen von der Höhe Cuzcos
zog es uns erlebnishungrig
zum schwindelerregenden Pfad der Inkas,
vom Dschungel umwoben,
auf und ab entlang drohender Felswände,
vorbei an abgrundtiefen Schluchten,
durch dichte Nebelbänke
und irisierenden Sonnenregen,
durch die Dampfbäder der tropischen Wälder,
die dünne Luft der Pässe und Hochplateaus,
über zum Himmel führende Stufen.
 

Wir folgten
mit pochenden Schläfen,
galoppierendem Puls,
mit schnappendem Atem
und schwindenden Kräften
den kokakauenden Chasquis,
den nimmermüden Sherpas der Anden,
nahmen dankbar ihre beflügelnden Blätter,
fühlten uns leichter,
die Beine beschwingter,
erfuhren die hellsichtige Benommenheit
der überschäumenden Sinne,
das Dröhnen der rauschenden Flüsse,
das weltfremde Orgeln der Wasserfälle,
die unwirklichen Farben der tanzenden Falter,
der flirrenden Kolobris,
das luzide Gaukeln lichtsprühender Orchideen,
das verwirrende Pandämonium
der dämmrigen Urwaldkathedralen,
erreichen
nach nicht enden wollenden Tagen
erschöpft unser Ziel: Machu Picchu,
das mystische Heiligtum der versunkenen Zeit.

Das Gedicht stammt aus dem Buch Jahr greift in Jahr“ von Orlando M., erschienen 2013