aus Wicht, Dreck am Saphir, Vidobona Verlag 2013

 

Nekrolog

Ich habe deine Brille in einer trüben Lache von Absinth gefunden
dein schwarzer Büstenhalter hing am Haken neben jener Tür
ich habe mich um deine Gunst ganz sicher nicht genug geschunden
und glaubte gar zu fest daran, es sei genügend Schnaps im Bier

Dass dir die Knie weich geworden sind, als Dich ein andrer an die Brust gefasst
im Grunde kann ich das verzeihlich finden
und hoffe nur, dass Du auch Spaß daran gefunden hast
Mit einem dümmlich milden Lächeln menschlicher Verzeihung hab,
ich vor jener Tür mich umgedreht
und bin zu einer andern hin gegangen
doch fade grinsend wünschte ich,
dass es mit einem Burschen ähnlich Dir ergeht

Das Lächeln und Verzeihung sind oft triste Brüder
und Abstinenz macht mit der Zeit Dich gelb und dürr
doch grade deshalb lieb ich Dich, mein süßes Luder
und heul in schwarzen Nächten in mein Nachtgeschirr

 

wir

Haut an Haut haben wir
gelegen
Mund an Mund
Es war gut, dir zuzusehen
wie du dich anzogst
besser noch dir
die Tasse zu reichen
mit kaltem Tee
unter Lichtern
über welkes Laub
sind wir
in den Nebel gegangen

 

Angebot

Es ist nich trecht von dir, wenn du ganz einfach weitergehst
es steht das spöttisch Lächeln dir recht gut in dem Gesicht
Versuch es doch noch mal mit mir, ich hoffe du verstehst
Vielleicht mach ich auf dich demnächst
ein kleines säuisches Gedicht.

 

Im Volkston

Bin weit mein Weg gegangen
und sah ein Rosbusch steh´n
hab lange vor gestanden
ihn schweigend anzuseh´n

und hab es nicht gewagt,
zu brechen mir ein Reis
Ś war dennoch nicht gezagt
brauch alle oder keins

Ś brach an der wilde Winter
ich baut am Weg ein Haus
Dass ich mein Sehnsucht linder
schau ich nach`m Rosbusch aus

Er bleibt bei mir mein Leben
bis ich wird´ alt und grau
find Trost im wirren Streben
wenn ich den Rosbusch schau

 

Betrachtungen am FKK

Es muss doch endlich einmal anders werden
mein voller Wanst ist mir zu voll
es machen deine wehrenden Gebärden
mich wilder noch und fast vor Liebe toll

Und wenn ich schweigend deine Nacktheit seh
und deine Hüften und ich seh noch mehr
dann tut es mir in meinen Hüften weh
ich sehne mich, ein bisschen nur, nicht sehr.

Und wenn der Wind dann über Dünen streicht
und du hast Angst, dass man es sieht
dann haben´s  Wanst und ich erreicht.
Ach sei nur still, ich habe dich tatsächlich lieb.

 

Einsamkeit

Ein Regen weint und Trauer ist in mir
warum, ich bin so fern von dir
Nur noch dein Bild, dein Lächeln ist mir nah
wie lang ist´ s her, dass ich dich wirklich sah
manchmal noch glaube ich, ich spüre einen Hauch
von dir. Doch Kälte ist es nur und Dunkel auch

 

Träumerische Reminiszenz

Ich hatte einstens einen Traum
beileibe nicht von einem Pflaumenbaum
geschweige denn, von einem Kind das Pflaumen aß
ich schwitzt auch nicht, ich träumt nur, dass
die Zeit wär ganz speziell für mich zurückgedreht
(mich wurmt´s, dass sowas nur im Traume geht)

Wir sprachen beide grad von Sternen
und eigentlich wollt ich mich doch entfernen
nur bin ich dann noch da geblieben
du hast die Waage mir beschrieben
und hab´s probiert, auf die Gefahr, dass du mich unmoralisch nennst
mir eine knallst und dann nach Hause rennst

Es war sehr nett von dir, du tatest`s nicht
und später störte uns sogar des Mondes Licht
auch sah ich noch einmal die Knospenzweige
in jenem Krug, doch besser ich verschweige
wie du den Arm gereckt und rasch das Licht gelöscht.
Jetzt bin ich ziemlich bös auf mich,
warum das nur im Traume  möglich ist.

 

Ein kleines säuisches Gedicht

Wenn ich der Schwalben Flug verfolge
und mit dem Dämmern bleibt
noch Wärme des vergang´nen Tags
und ich dich jetzt her holte
verdiente ich der Andern Neid
wir täten, was du gerne magst

Wir spürten sicher dann den Schweiß
ein jeder auf des Andern Lippen
wenn wir im Fleische fleischlich sind
und sähen selbst im Dunkeln noch das Weiß
der Haut und zählten zärtlich uns die Rippen
vergessend so die Furcht vor einem Kind

Die Wollust bliebe uns bis in den Morgen
du wärst für mich noch einmal schwach
beim ersten Amselschlag und das Versinken groß
wir wollen schon beim Heute auf das Nächstens borgen
wer weiß, wie lange es uns bleibt dies Dach
und sicher ist nur, was man heut genoss

 

Rat bei Chaos im Liebesleben

Ich rate dir, frei nach Martial
zu enden deine schwere Qual
denn ich verstehe deinen Schmerz
und kenne das vertrackte Leiden.
Ermanne dich und mach es kurz
du brauchst das Ding bloß abzuschneiden