aus Wicht, Dreck am Saphir, Vindobona Verlag, 2013

 

Sommerspaziergang

Ich bin an einer Pfütze steh´n geblieben
und hab´ hinein geschaut
und vor mich hin geträumt
und hab´ den Wolken nachgesehen
die sanft im Sommerwinde trieben
und atmet´ tief den Duft des Krauts
das mir den Weg gesäumt

Seltsam, ich konnt´ den Himmel sehen
wenn ich zu Boden hab geschaut
mit seinem lauen Wehen
weit über mir erblaut

 

Abendlied

Wenn Du die Ufer hinabsteigst
zu den schwarzen Wassern des Schlafs
sieh noch einmal das dämmernde Grau
unseres Himmels durch das schwarzgrüne Kiefergeäst

schau, wie das Schweben der Abendvögel
weich ist und die wenigen Wolken
verweile ein wenig, eh du hinabsteigst
und das schwarze Gewoge dich fortträgt

Sieh noch einmal mit blinzelndem Auge
das mattere Rot an dem Wolkengeflöck
bewahre unterm Lid Dir ein wenig
dass vom grauenden Tau nicht zu fremd
die Stirne benetzt wird am Morgen

 

Frühsommer

Der Sommer ist mir in den Schoß gefallen, ganz sacht
ein Hauch von Apfelblütenblättern
ich bin dir zärtlich übers Haar gefahren
du hast nur leis gelacht
Der Himmel ward schon grau
wir spürten´s kaum
und waren so vertieft und so versunken
in uns´re Liebe unterm Apfelbaum