Ein Beitrag von Jürgen von Troschke zu der Lesung „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen“ beim BDSÄ-Kongress in Wismar 2018

 

Gott lacht nicht – aber er lächelt.

Menschen lachen. Auf verschiedene Weise, mal laut und mal leise. Eltern freuen sich, wenn sie im Gesicht ihres Neugeborenen ein Lächeln entdecken und bestätigen dieses gerne mit einem Lachen. Wenn wir in der Gemeinschaft mit anderen Menschen fröhlich sind, lachen wir. Für die unbeteiligten Mitmenschen manchmal sogar zu laut. „Lachen ist gesund !“ ist ein gängiges Sprichwort, das von Psychologen sogar therapeutisch genutzt wird.

In vielen Religionen gibt es lachende Götter. Der Ganesha der Hindu lacht, Buddha lächelt, Dionysos schüttelt sich vor Lachen. Zeus macht sich lustig über seine Götterkollegen, ebenso wie über die Menschen .

Doch der Gott der Christen lacht nicht. In der christlichen Kirche ist das Lachen verpönt. Moses lachte niemals. Auch von Gottes Sohn, Jesus Christus, wird nicht berichtet, dass er jemals gelacht habe. Selbst die Gottesmutter Maria blickt auf den Bilder, die sich die Menschen von ihr gemacht haben, zwar freundlich, aber niemals lachend auf den Betrachter. Offenkundig geht es in der christlichen Glaubenslehre nur um todernste Themen, bei denen nicht gelacht werden darf. Von den Gläubigen wird gefasste Gottesfurcht erwartet.

In der Bibel steht „Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn.“ Weil fast alle Menschen, immer wieder lachen, wäre es demnach nur logisch, wenn auch Gott diese Emotion zeigen würde. Doch der Umkehrschluss ist unangemessen. Menschen haben viele Eigenschaften, die sie ihrem Gott lieber nicht zuschreiben sollten.

Dabei wird Lachen allgemein als positives Verhalten bewertet. Menschen die viel lachen sind beliebt und werden als sympathisch angesehen.

Möglicherweise war das Lachen im Mittelalter verpönt, weil es das Paradies vorweg zu nehmen schien. Das Leben auf dieser Welt wurde als Jammertal erlebt und mit der Versprechung der Kirche versehen, dass es für die Gläubigen erst nach dem Tod, im Jenseits, etwas zu lachen gäbe. So beschreibt Dante Alighieri in seiner „Göttlichen Komödie“ wie er im Paradies das Lachen des Universums hört „Das Lachen Gottes ruft das Lachen jedes einzelnen Heiligen hervor, und jeder Heilige steckt die anderen mit seinem Lachen an, so dass alle in gemeinsamer Freude innigst vereint sind.“ Auch Martin Luther glaubte, dass im Himmel mit Leib und Seele gelacht werde. Er soll sogar einmal gesagt haben, er wolle in kein Paradies, in dem nicht gelacht würde.

Lachen ist eine Emotion, die aus verschiedene Motiven erfolgen kann. Es gibt  ein hämisches Lachen aus Schadenfreude und ein Auslachen aus Überheblichkeit. Manche wollen sich ausschütten vor Lachen und können damit kaum aufhören. Man kann von innen heraus aus vollem Herzen lachen. Es gibt ein fröhliches, selbstgenügsames und ein anderen Menschen zugewandtes  Lachen. Es gibt ein teuflisches Lachen und das dümmliche Lachen der Geistesgestörten. Lachen kann Menschen miteinander vereinen und Gemeinschaft schaffen. Lachen kann aber auch distanzieren und ausgrenzen. Je nachdem, ob es aus „guten“ oder „bösen“ Motiven erfolgt.

Das Lächeln kann man als kleine Schwester des Lachens bezeichnen. Lachen geht nach außen und ist zumeist laut. Das Lächeln dagegen ist leise und ist nach innen gerichtet.

Buddha wird immer mit einem Lächeln im Gesicht dargestellt, das seine Erleuchtung ausdrücken soll. Er hat sich von allem Übel befreit und schwebt über den Dingen.

In der christlichen Kunst blickt man in der Regel in ernste Gesichter. Da gibt es nichts zu lachen. Warum eigentlich? Warum wird Gott nicht mit einem gütigen, verzeihenden Lächeln im Gesicht dargestellt? Dabei will die Kirche doch eine „frohe Botschaft“ verkünden.

Viele Menschen sind es gewohnt, sich das Leben unnötig schwer zu machen. Wir sollten uns deshalb an dem zutiefst zufriedenen Lächeln der Kinder orientieren.

Wenn ich mir von Gott ein Bild mache, dann sehe ich ihn nicht über die Irrtümer der Menschen lachend, sondern lächeln, voller Verständnis für deren Schwächen.

Mein Gott hat wenig zu lachen – aber er lächelt.

 

Jürgen von Troschke

 

PS

Wenn der Leser dieser, meiner Gedankengänge, bei der einen oder der anderen Ausführungen geschmunzelt haben mag, dann ist er auf dem richtigen Weg.