Hinter den Meeren

 

Ein Gedicht von Sohrab Sepehri (1928 – 1980) aus dem Buch „Der grüne Raum“; erste Erscheinung 1967
Auszugsweise Übersetzung aus dem Persischen von Afsane Bahar

 

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Ich werde ein Boot bauen
und zu Wasser lassen.
Von diesem fremden Land werde ich mich entfernen,
in dem es keinen Menschen gibt,
der in der Lichtung der Liebe die Helden weckt.
Das Boot ohne Netz
und das Herz ohne Wunsch nach Perlen
werde ich weiterhin fahren.
Ich werde mich weder in die blauen Farben
noch in die Meeresfeen verlieben,
die ihren Kopf aus dem Wasser herausstrecken….

Hinter den Meeren ist eine Stadt,
in der die Fenster zum Licht der Erkenntnis geöffnet sind.
Und die Dächer sind der Aufenthaltsort von Tauben,
die das Aufsteigen der menschlichen Intelligenz beobachten.
In der Hand jedes zehnjährigen Kindes dieser Stadt
ist ein Ast der Einsicht.
Die Stadtbewohner betrachten eine Feldbegrenzung genau so
wie eine Flamme, wie einen zarten Traum.
Die Erde hört die Musik deines Gefühls,
und der Klang der Flügel der mythischen Vögel kommt mit dem Wind.
Hinter den Meeren ist eine Stadt,
in der die Weite der Sonne
dem Blickwinkel  der Frühaufsteher entspricht.
Die Dichter sind dort der Erbe von Wasser, Weisheit und Licht.
Hinter den Meeren ist eine Stadt!
Man muss ein Boot bauen.

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