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Ein Beitrag von Jürgen von Troschke zu der LEsung „Inseln“ beim BDSÄ-Kongress in Wismar 2018

Ich bin ein Insulaner 

Als Gott die Erde schuf, trennte er Land und Wasser. So gibt es Inseln, die von Wasser umgeben und Meere, die vom Land begrenzt sind.

Menschen, die an Ufern leben, sehnen sich danach, aufs Wasser hinaus zu fahren. Sie wandern gerne an Stränden entlang. Das Meer gibt Ihnen die Nahrung zum Leben. Viele derjenigen aber, die aufbrechen, um aufs Meer hinaus fahren, kommen nicht wieder zurück.

Landmenschen haben oft große Angst vor dem Meer. Sie fühlen sich nur auf ihren Bergen sicher, von denen sie weit über ihr Festland blicken können.

Ich kenne eine Insel, auf der ich mich, wie sonst nirgendwo in der Welt, zu Hause fühle. Auf dieser – meiner – Insel, die mit dem Namen Bali bezeichnet wird und im indischen Ozean liegt, leben liebenswerte Menschen, die eine besondere Form des Hinduismus entwickelt haben. Sie glauben, dass die guten Götter auf den Bergspitzen der Vulkane leben und die bösen Kräfte im Meer beheimatet sind. Aber – anders als das bei uns üblich ist – opfern sie beiden Mächten gleichermaßen. Während wir die Teufel bekämpfen, bringen  sie ihren Lejaks und Rangas Opfergaben, die mit Sorgfalt anfertigen werden. Mit dem Opfer von Blumen und Früchten bitten das Böse um Nachsicht. So ist eine zutiefst friedliche und harmonische Kultur entstanden.

36 mal bin ich in 36 Jahren dort gewesen – so oft wie sonst nirgendwo in der Welt. Als ich 1980 das erste Mal da war, gab es in den Dörfern noch kein elektrisches Licht. Am Abend wurden rußige Petroleumlampen angezündet, und aus der Ferne hörte man die Gamelanmusik der Tempelfeste. Aus der Kolonialzeit des Holländer gab es nur wenige Hotels. Traveller waren darauf angewiesen, in so genannten Homestays – in den Bast-Hütten der Einheimischen – zu übernachten. Mich aber interessierte vor allem die reichhaltig gelebte, hinduistische Kultur.

Kurz nachdem mich meine Frau kennen gelernt hatte, stellte sie mir ihre „Gretchenfrage“ : „Isst Du lieber Wurst oder Käse ?“ Ich konnte die richtige Antwort geben, die da lautet „Natürlich Käse!“ So stand unserer Heirat nichts mehr im Wege. Denn hier scheiden sich die Geister. Nach der Überzeugung meiner Frau gibt es zwei Sorten von Charakteren : die „Wurstmenschen“ und die „Käsemenschen“.

Gleichermaßen gibt es „Insulaner“ und „Landmenschen“.

Ich bin auf dem Land geboren und aufgewachsen . Über 45 Jahre lang lebe ich nun schon am Oberrhein, im sonnigen Breisgau am Kaiserstuhl. Somit könnte man mich mit Fug und Recht als Landmenschen einordnen.

Im Herzen aber, bin ich ein Insulaner!

 

Copyright Jürgen v. Troschke