Print Friendly

 Beitrag zu der Lesung „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzählte ihm von deinem Plänen“ in Wismar 2018

 

Lacht Gott oder nicht?

Wie jemand über Gott nachdenkt, so philosophiert er. Darum lacht Gott sehr oft. Je tiefer die Einsicht in Gott wächst, desto mehr weicht er von uns zurück.

Mit Gott ist kein Staat zu machen, weil er staatenlos ist. Er ist das einzige Wesen, das um zu herrschen nicht regieren muss. Lacht Gott darüber oder nicht? Er lächelt gequält, weil er weiß, dass er in uns ist, und dass die Suche nach ihm zur Apokalypse ausarten kann.

Wenn Gott den Menschen nach seinem Bild erschaffen hätte, könnte kein Mensch ihn wahrnehmen. Denn Gott gliche einem menschlichen Ebenbild, gäbe den berühmten blinden Fleck der Erkenntnis ab: Gott würde nicht lachen, weil er die Ebenbildlichkeit blasphemisch empfände.

Gott birgt einen umfangreicheren Reichtum an Phantasie als jede superintelligente Rechenmaschine, die seit Jahrzehnten versucht, die Einheitstheorie der Welt zu begründen. Lacht Gott oder nicht? Er lacht Tränen, weil er den Ansatz als chancenlos einstuft.

Früher verstand man den Ursprung des Blitzes nicht, man erklärte ihn mit der Existenz des Allmächtigen. Heute versteht man die Entstehung des Universums nicht. Lacht Gott oder nicht? Er bricht in lärmendes Gelächter aus, weil die Vorstellungen vom keinesfalls überwindbaren Mangel an Phantasie zeugen.

Mit und ohne Gott geht es nicht. Wo ist der Schöpfer, wenn ich ihn brauche? Er ist weder da, wo ich ihn suche, noch da, wo ich in benötige. Er schweigt, weil er zuhört. Lächelt er oder nicht? Er lacht, sobald du dich nach ihm umdrehst, weil du bereits bei ihm angekommen aber vorbeigerannt bist.

Der Gegenentwurf der Gesamtheit menschlicher Pläne ist Gott, weil er, um aufzufallen, das menschliche Bewusstsein reizt. Er muss uns nicht ernst nehmen; wir müssen ihn ernst nehmen. Lacht er oder nicht? Er grinst, weil er sich umso unbegreiflicher offenbart, je mehr wir glauben, ihn zu begreifen.

Was tut die Blume mit Gott? Sie lässt ihn den Anblick genießen. Schaut er aus der Ferne oder nicht? Er schaut. Im Anblick eines Blumenstraußes träumt er seinen schönsten Traum, weil ein Strauß Blumen auch Abstand gelten lässt.

Ohne Sünder gäbe es Gott nicht, weil er die Welt erschuf und nicht wir. Schimpft er oder nicht? Nein: Gott verteidigt seine Geschöpfe gegen den Menschen!

Gäbe es Gott nicht, erfänden wir ihn. Lacht Gott oder nicht? Er lacht, weil er der Schöpfer ist, nicht wir.

Er ist die Stille, er beruhigt Freund und Feind. Ihn schauen, heißt Atem schöpfen. Entgeht uns sein Lachen oder nicht? Es entgeht uns, weil er nicht wie sein menschliches Ebenbild lacht.

Das Göttliche in uns ist, dass wir von Gott mehr ahnen, als wir glauben. Aber wir ahnen weniger, als er ist. Wer sich vor ihm verneigt, sieht nicht, ob er sich zuneigt!

Handeln wir nach der Vermutung, wie Gott in einer solchen Situation wirken würde, wird er ein Gelächter anstimmen oder nicht? Ja, er käme kaum aus ihm heraus.

Ist er die Vision der Menschheit? Es liefe fabelhaft. Erfüllen die Irdischen den Willen Gottes? Diese Idee führt zur Gotteslästerung pur. Das Böse steht im Schatten des freien Willens.

Eine negative Patientenverfügung hilft nicht weiter: Sie schreibt vor, alles zu unternehmen, um so lange wie möglich am Leben zu bleiben, damit du endlich das Korrigieren anfängst. Ein Zustand träte ein, den du beileibe nie beabsichtigtest: Nämlich Satan lacht dich aus. Darauf fängst du das Beten an: Gott hütet sich, dich auszulachen.

Copyright Dr. Harald Rauchfuß