Regeln für die Moderation von Lesungen, Workshops und Diskussionen

(von Dietrich Weller im Auftrag des Vorstandes)

 

Das Ziel einer Moderation besteht darin, eine gemeinsame Aufgabe miteinander so zu lösen, dass alle Beteiligten aus der Sitzung eine positive Erinnerung und einen ideellen Gewinn mitnehmen, weil sie geholfen haben, die Aufgabe zu einer einvernehmlichen Lösung zu bringen.

Die Aufgabe des Moderators besteht darin, jedem Teilnehmer zu seinem Ziel zu verhelfen und das Gesamtziel zu erreichen.

  1. Grundlagen einer Moderation
  2. Gegenseitige Wertschätzung ist unerlässliche Basis einer gedeihlichen Diskussion.
  3. Jeder Beitrag wird als potenziell förderlich angesehen.
    (Es gibt kein richtig oder falsch.)
  4. Jeder Teilnehmer ist für seinen Beitrag verantwortlich.
  5. Störungen haben Vorrang. – Dabei muss während der Lesung offen und für alle einfühlbar vom Moderator entschieden werden, ob die „Störung“ (z. B. eine Frage oder ein Konflikt) sofort oder am Ende oder nach der Lesung bearbeitet wird.
  6. Die Teilnehmer lassen einander ausreden. Der Moderator sorgt dafür, dass diese Regel eingehalten wird.
  7. Jeder Teilnehmer einer Diskussion sollte sich bemühen, so kurz und präzise wie möglich zu sprechen.
  8. Der Moderator bleibt unparteiisch. Das bedeutet auch, dass er bei emotionalen Diskussionen sachlich und ausgleichend wirken muss.
    (Fortiter in re, suaviter in modo. – Hart in der Sache, freundlich im Umgang.)
  9. Der Moderator muss empathisch reagieren, d. h. er muss sich in den Teilnehmer einfühlen als ob er in dessen Rolle wäre. Er muss sich aber gleichzeitig klar sein, dass er nicht in dieser Rolle, sondern in der Rolle des Moderators ist.
  10. Fragen sind im Zweifelsfall besser als Behauptungen, weil sie dem Angesprochenen die Möglichkeit lassen, seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Bei einer Behauptung fühlt er sich möglicherweise angegriffen und zur Verteidigung gezwungen.
  11. Ich-Botschaften sind besser als Du-Botschaften, weil sie die inhaltliche Verantwortung beim Sprecher lassen und den Angesprochenen weniger oder nicht verletzen. Ich-Botschaften deeskalieren eher, Du-Botschaften eskalieren eher.
  12. Killer-Phrasen sind zu unterlassen wie Verallgemeinerungen (z. B. „Sie … immer“, „Sie … nie“, „Sie … schon wieder“) oder Herabwürdigungen aller Art.
  13. Bei Unklarheiten eines Diskussionsbeitrages kann der Moderator
    1. auf die Meta-Ebene wechseln, indem er über die Art des Gesprächs redet, nicht über den Inhalt. („Ich stelle fest, dass die Diskussion ziemlich hitzig ist und einige aneinander vorbeireden. Ich möchte folgenden Vorschlag machen …“)
    2. die Äußerungen anders erklären. („Ich habe verstanden, dass Sie das so und so meinten. Stimmt das?“)
    3. die Teilnehmer einbeziehen und z. B. fragen: „Sehen Sie das auch so wie X?“
  14. Wenn sich die Diskussion festgefahren hat, kann der Moderator das Bisherige zusammenfassen und einen Lösungsvorschlag machen, der möglichst alle Interessen verbindet. Diesen kann er zur weiteren Diskussion stellen oder damit die Diskussion abschließen.
    (Ein Kompromiss ist eine Vereinbarung, die keiner der Teilnehmer wirklich wollte, mit der aber jeder leben kann.)

 

B. Organisation

1. Der Moderator leitet den Workshop / die Lesung / die Diskussion.

2. Der Moderator beginnt pünktlich mit einer Einleitung zum Thema.

3. Der Moderator stellt die einzelnen Beiträge und Teilnehmer vor, sodass der Inhalt des Beitrags nicht vorweggenommen, sondern eher die Spannung der Zuhörer erhöht wird.

4. Der Moderator achtet auf die Reihenfolge der Redner nach Wortmeldung (evtl. Liste machen). Wenn mehr als 3 Redner vorgemerkt sind, kurze Zwischenmeldung geben („X und Y und Z stehen noch auf der Liste“).

5. Der Moderator ist für die Einhaltung des Zeitrahmens auch bei den Einzel-beiträgen verantwortlich.

6. Der Moderator soll Zwischenergebnisse und das Gesamtergebnis zusammenfassen, evtl. protokollieren lassen.

7. Der Moderator weist rechtzeitig auf das Ende der Diskussion hin und schließt die Rednerliste.

8. Der Moderator schließt die Sitzung pünktlich mit einer Zusammenfassung und einem Dank an die aktiven Teilnehmer und das Publikum.

 

C. Besonderheiten bei den Lesungen des BDSÄ

1. Die Beiträge sollten mindestens 6 Wochen vor der Lesung bei dem Moderator eintreffen und mit einer Zeitangabe versehen sein, wie lange der Lesende zum Vortrag braucht.

2. Der Moderator sucht die Beiträge zur Lesung aus.

3. Er soll auf ausgewogene Verteilung der „Zeitkonten“ der Lesenden achten.

4. Er kann die Lesenden bitten, die Beiträge zu kürzen, wenn sie unverhältnismäßig lang sind.

5. Wenn der eingereichte Beitrag inhaltlich in einer anderen Lesung besser passt, sollte er dort eingereicht werden.

6. Der Moderator bestimmt die Reihenfolge der Beiträge. Dabei sollte ein „roter Faden“ erkennbar sein oder durch die Moderation geschaffen werden.

7. Der Moderator sollte Beiträge ablehnen, wenn sie nicht zum vorgegebenen Thema passen oder gravierend Emotionen verletzen können (z. B. Witze und andere Beiträge „unter der Gürtellinie“).

8. Der Moderator verschickt wenige Wochen vor der Lesung ein Programm seiner Lesung an die Lesenden.

9. Verspätet eingereichte Beiträge werden nur angenommen, wenn noch genügend Zeit in der geplanten Lesung vorhanden ist.