Nachkriegszeit – Was uns geprägt hat

 

Nachkriegshunger, Rock‘n Roll
Kartoffelsack gefunden, toll
fremde Panzer, Lederhose
Selbstbewusstsein gegen Null
Man macht, man tut, die ganze Schose
Nazideutschland, Sündenpfuhl
betrifft uns nicht, zusammenhalten
Untaten wir – nie! Das war‘n die Alten
Kohle hab ich dir geklaut, verzeih
Angst vor Mangel, Krieg und Polizei
Lehrer prügeln, Hosenboden
Für die Heizung Wälder roden
Kindergarten Ringelreihen
Taufe feiern, Kleider leihen
sich in Suppenschlangen reihen
muss den Sonntagsanzug schonen
Spiel um Pfennige mit Bohnen
Hüpfen auf den Gehwegplatten
werfe Steine nach den Ratten
Massenflucht kommt aus dem Osten
leben hier auf unsre Kosten
Flüchtling sein, das war ein Makel
doch der Krieg war das Debakel
Die Gesellschaft vaterlos
Frauenleistung, grandios
Mauerbau und Kuba-Krise
Kalter Krieg war die Devise
Wirtschaftswunder ließ vergessen
Man konnte wieder richtig essen
Die Gesellschaft aber blieb noch starr
mit Schichten, Naziresten, sehr bizarr
Die Studenten mit wirren Gedanken
Begannen über Demokratie zu zanken
Ist Kommunismus besser mit Ho-Chi-Minh
Kommune oder Mao alles Widersinn?
Gegen Kapital demonstriert und für Vietnam
Gegen Reza Palavi kam‘s zum Melodram
Die RAF begann zu morden
Gewissensprüfung aller Orten
Beatles, Stones, die Popmusik
Stehblues, Röcke kurz und dusselig
Diskoabende laut und anschmiegsam
Im Lärm und Alkohol jedoch einsam
Dann war das Studium zu Ende
Fixiert im Kopf die Meinungsbände
All das was uns geprägt
uns heute emotional bewegt