Das Konzentrationslager in Porta Westfalica war ein Außenlager des KZ. Neuengamme. Als die 6. Deutsche Armee bei Stalingrad eingekesselt war, begann der Stern der Unbesiegbarkeit der Wehrmacht rasch zu sinken. Die Luftangriffe der Alliierten konzentrierten sich auf die Zentren der Rüstungsindustrie.

Den Deutschen war nichts anderes übrig geblieben, als die Pläne der Rüstungsproduktion in unterirdische  Fabriken zu verlagern. Für die „Unter-Tage-Verlagerung“ war die Organisation Todt verantwortlich. Im Frühling 1944 begann der strategische Luftkrieg der Allierten gegen Deutschen. Für die unterirdische Waffenproduktion als dauerhafte Lösung gab es nie genug ausländische Zwangsarbeiter. Der stillgelegte Steinbruch im Jakobsberg war einer der geplanten Standorte. In diesem Stollensystem sollten ursprünglich Blechverkleidungen für die Messerschmidt MI 109 hergestellt werden. Dieses Flugzeug war eines der meistgebauten Jagdflugzeuge der Luftwaffe.

Bunovic-Barkhausen-Hotel Kaiserhof 1    Bunovic-Barkhausen-Kaiserhof 2

Das Hotel Kaiserhof in Porta Westfalica Barkhausen, das heute  (Dez. 2013) nach einem Brand von Grund auf wieder renoviert wird. Im angrenzenden Festsaal wurden damals bis zu 1400 Häftlinge gefangen gehalten. Der Saal wurde später zu einer Reithalle umgebaut. (Foto: privat).

 

Als sich die neue Luftoffensive gegen die deutsche  Mineralölindustrie richtete, wurde die Priorität geändert. Die SS erklärte sich bereit, Arbeitskräfte aus den KZ zum Bau und Betrieb der unterirdischen Fabriken zu stellen. Die ersten 200  Häftlinge wurden schon im März 1944 aus dem KZ Buchenwald nach Porta Westfalica transportiert. Sie wurden gegen den Willen des Hotelbesitzers untergebracht im großen Festsaal des Hotels Kaiserhof. Die einzige bauliche  Veränderung bestand in der Errichtung einer Stacheldrahtumzäunung; ebenso wurden die Fenster mit Stacheldraht vergittert.

Bunovic-Barkhausen-Lageplan

Die drei KFZ-Außenlager im Gebiet der Porta Westfalica und die wichtigsten Arbeitseinsatzorte der Häftlinge. (Abbildung aus: „Das Leben ist schön!“ von Pierre Bleton).
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In allen Konzentrationslagern befanden sich Häftlinge aus etwa 20 Nationen. Jeden Morgen marschierte die Häftlingskolonne über die Hängebrücke zum ehemaligen Sandsteinbruch im Jakobsberg. Später wurden die Häftlinge auf eine Vielzahl kleineren Arbeitskommandos aufgeteilt. Jedes dieser Kommandos unterstand einem Häftlingsvorarbeiter namens Kapo, der selbst nicht zu arbeiten brauchte. Er durfte von Peitsche oder Knüppel Gebrauch machen, manchmal auch von der Spitzhacke, um die Häftlinge zu  einem  ständig höheren  Arbeitstempo anzutreiben.

Im Kaiserhof waren die meisten Pritschen mit mehreren Häftlingen belegt. Die Lebensmittelversorgung war schlecht und ungenügend. Die Wasch-gelegenheiten waren sehr mangelhaft, sodass die Ausbreitung von Krankheiten dadurch begünstigt wurde. Die SS kalkulierte, dass ein Häftling eine Lebenserwartung von etwa neun Monaten hatte. Für die meisten Häftlinge war die tägliche, ganz „normale“ Arbeit schon tödlich.

Die Lager im Bereich Porta Westfalica waren Außenlager des KZ Neuengamme. Neben dem Standort im Kaiserhof gab es verschiedene andere  Lager in der Nachbarschaft von Bad Oeynhausen. Im Männerlager von Lerbeck waren 500 Häftlinge untergebracht. Sie führten die Reparaturarbeiten an den Flugzeugmotoren durch. Das Lager im Kaiserhof in Barkhausen bestand aus bis zu 1400 Männern. Für sie gab es im ehemaligen Festsaal auf einer Fläche von  25 mal 15 Metern 700 Betten.

Bunovic-Barkhausen-Denkmal 1  Bunovic-Barkhausen-Denkmal 2

Text des Denkmals: „Im Rahmen kriegswirtschaftlicher Massnahmen wurden 1944/1945 Rüstungsbetriebe unterirdisch in Stollen des Wiehengebirges und des Wesergebirges in Porta Westfalica untergebracht. Unter unsäglichen menschenverachtenden Arbeits- und Unterbringungsbedingungen mussten Häftlinge aus dem KZ Neuengamme, zwangs-verpflichtete Arbeiter und Arbeiterinnen aus den von Deutschen besetzten Gebieten, aber auch gegen ihren Willen verpflichtete deutsche Männer und Frauen schuften und leiden. Vielen fanden dabei den Tod, anderen erkrankten schwer. Ihnen allen gilt ein ehrendes Andenken.

 

Wir alle, ob schuldig oder nicht, ob alt oder jung, müssen die Vergangenheit annehmen.
Wir alle sind von den Folgen betroffen und für sie in Haftung zu nehmen.
Bundespräsident Richard von Weizäcker, am 8. Mai 1985“ 

Stadt Porta Westfalica, 1992

Ein Frauenlager existierte für einige Monate in Hausberge. Da waren zum großen Teil ungarischen Jüdinnen untergebracht. Sie waren als Facharbeiterinnen in der Radioröhrenfertigung tätig. Ihre Qualifikation hat ihnen das Leben gerettet.

Die Evakuierung: „Am 19.3.1945 wurden die dänischen Häftlinge im Rahmen der Bernadotte-Aktion, des schwedischen Roten Kreuzes über Neuengamme nach Schweden freigelassen. Am 1. 4. 1945 wurden alle drei Lager an der Porta Westfalica aufgelöst. Die Insassen wurden mit einem Güterzug von über 40 Wagons Richtung Nordosten abtransportiert. Sie kamen über mehreren Zwischenstationen, die 16 Tage dauerte, nach Neuengamme. Auf dem Transport starben etwa 2400 der 4000 Häftlinge auf Grund katastrophaler Bedingungen. Sie erhielten über mehrere Tage weder Essen noch Wasser. Die Anfälligkeit war entsprechend groß.“

Nach dem Krieg: „Das linke Weserufer in Barkhausen wurde am 3.4.1945 von amerikanischen Truppen erreicht. Die Rüstungslager in den Bergen um die  Porta Westfalica wurden von den Amerikanern fotografiert. Wegen der neuen Aufteilung der Besatzungszonen wurden die Amerikaner durch Briten ersetzt. Der Denkmalstollen im Wittekindsberg wurde von den britischen Behörden am  23.4.1946 gesprengt. Bei der Sprengung rutschte ein Teil vom Vorplatz des  Kaiserdenkmals ab, das Denkmal selbst blieb aber unbeschädigt.“

Beide Zitate aus dem Buch: „Das Leben ist schön!“ von Pierre Bleton,  Überlebensstrategien eines Häftlings im KZ  Porta.

Quellen:

Pierre Bleton: „Das Leben ist schön – Überlebensstrategien eines Häftlings im KZ Porta““

Jochen Bergmann: „Der unterirdische Krieg an der Porta Westfalica“