Print Friendly

Klothilde  Meier wurde  am 22. Oktober 1894 in Wolnzach in der bayerischen Holledau   geboren.  Sie war das erste Kind ihrer Eltern  Rosa und der Arzt Dr. Heinrich Meier. Im Jahr   1901 siedelten sie nach  München, wo  der  Vater  eine  HNO-Praxis führte. Er hat  den Kosename  „Mandelmeier“ bekommen,  weil er eine besondere Operationstechnik praktizierte.  In München hat sie die  Höhere Töchterschule  des  Humanistischen Privat  Gymnasium  für Mädchen  besucht, da Mädchen an öffentlichen  Gymnasien noch nicht zugelassen waren. Im Jahr 1913 begann ihr Studium in München. Damit  war  ihr  Vater nicht  einverstanden,  weil  damals eine  Frau  als  Ärztin völlig  undenkbar war.  Die ersten in Deutschland praktizierenden  Ärztinnen  mussten ihre Ausbildung im Ausland absolvieren; ihre Arbeit war ständigen Angriffen und dem Misstrauen ihrer männlichen  Berufskollegen  ausgesetzt.

Um  ihr Ziel zu erreichen, das  Medizinstudium zu absolvieren, besuchte sie  inzwischen die für höhere Töchter üblichen Ehe-Vorbereitungskurse. So besänftigt, ließ  sich der Vater  zur  Zustimmung zum Studium  überreden. Die junge Klothilde war überglücklich,  die Vorlesungen der  so berühmten Ärzten und Nobelpreisträgern wie  Konrad von  Röntgen, zu  hören.  Um  von  Kolleggeld befreit  zu  werden,  legte  sie mehrere  Prüfungen zum Stipendium  ab.  Das  Staatsexamen absolvierte sie mit „sehr gut“. Sie  promovierte 1919  im  Alter von   25 Jahren mit der Dissertation „Die Bestimmung der Blutreaktion aus der Kohlensäurebindungskurve“  mit summa  cum  laude.  Nach einem Jahr folgte sie  ihrem Doktorvater, Prof. Dr. Hermann Straub zuerst nach Halle und später nach Greifswald. 1923 heiratete sie ihren Kollegen Dr. Hans  Gollwitzer. Diese Ehe dauerte nur acht Jahre. 1928 ging sie als Oberärztin nach Frankfurt am Main. 1929 verließ sie Frankfurt, um als außerordentliche  Professorin  und  Direktorin der Medizinischen Klinik des St. Hildegard-Krankenhauses in Berlin-Charlottenburg zu übernehmen. In den Jahren 1929-1931 sind 162 wissenschaftlichen Arbeiten erschienen. 1932 heiratete Klothilde Gollwitzer-Meier erneut einen Kollegen, Dr. Christian Kroetz. Mit 38  erreichte Klothilde Gollwitzer Meier die Stelle, die sie bis zum Ende ihres Lebens innehaben sollte, und wurde 1932 als außerordentliche Professorin an die Universität Hamburg berufen. Zugleich übernahm sie die Leitung des Balneologischen Instituts, einer wissenschaftlichen Außenstelle der Hamburger Universität in Bad Oeynhausen. Sie war gerne in der Badestadt, wo sie sich ihren Forschungsarbeiten widmen konnte.

 Gollwitzer-Meyer-Portrait 1

Quellenangabe: Klothilde Gollwitzer-Meier, 1932. Zeichnung: Oppenheimer, in „Ergebnisse der Physiologie, Biologische Chemie und Experimentellen Pharmakologie“,
Bd. 49, 1957. 
Repro: Stadtarchiv Bad Oeynhausen

 

Ihr besonderes Talent als Forscherin beschrieb Kurt Kramer im Nachruf: „Aber es war auch ein gutes Quantum Instinkt, das sie bei ihren Untersuchungen leitete. Und hierin übertraf sie vielleicht manchen ihrer Fachkollegen, hierin war sie ihnen als Frau überlegen“. Sie musste ab 1939 ohne Mitarbeiter auskommen. 1943 wurde ihr Laboratorium in Hamburg durch Bomben vernichtet und wurden die ausgelagerten  Apparaturen in Bad Oeynhausen durch britische Besatzungskräfte zerstört. Nur vier Mappen Schriftstücke  durfte sie  aus dem Institutsgebäude bergen. Als die weitere Arbeit unmöglich war, nahm die medizinische Fakultät in Hamburg sie in ihre Obhut. Sie stellte Frau Professor Gollwitzer- Meier in der Kranken Anstalten Hamburg-Eppendorf neue  Arbeitsräume zur Verfügung.

Im Oktober 1954 wurde Bad Oeynhausen endlich wieder frei.  Ein  neues  Balneologisches Institut im Rohbau war fertig: Heilquellen, Bäder, Forschungs- und Diagnostik-Räume. Eine  Klinik und ein Sanatorium waren unter einem Dach vereint. Am 15. Juni 1955 zogen die ersten Patienten in die mit Geschmack eingerichteten Zimmer ein. Am 21. Juli wurde das Institut in Anwesenheit  des Ministerpräsidenten und anderer hoher Vertreter der deutschen Fachärzteschaft  eingeweiht. Es erhielt den Namen  „Gollwitzer-Meier-Institut“.  Die Frau aber, die im Mittelpunkt verdienter Ehrungen stehen sollte, fehlte.  Sie war, 59jährig, am 2. März 1954 gestorben. Ein Menschenschicksal hatte sich erfüllt.

Ihr Mann, Professor Dr. Kroetz, Chefarzt in Hamburg-Eppendorf, war gebeten worden, die Festrede zu halten. Er sagte aber ab, es wäre über seine Kräfte gegangen.  Statt seiner würdigte sie einer ihrer Schüler, Professor Dr. Kramer aus Göttingen. Ministerpräsident Arnold enthüllte im Wandelgang des Instituts ein Reliefporträt  von Frau Klothilde Gollwitzer-Meier.

Auch die Besatzungszeit hat Oeynhausen etwas Gutes hinterlassen: das Hallenschwimmbad der englischen Soldaten am Rande des Kurparkes. Kurdirektor Dr. Schmidt hat nach dem Abzug der Engländer den aus 725 Meter Tiefe mit 10 Atmosphären Druck 52 Meter hoch „schüttenden“ Jordansprudel in dieses Hallenbad geleitet. So ist ein ideales Bewegungsbad mit 29°  Wassertemperatur entstanden.

Oeynhausen  hat  eine  Heilstätte für Kinder und Jugendliche mit 160 Betten gebaut. Sie sollte der Nachbehandlung von  an Kinderlähmung erkrankten Kindern dienen. Sie wurde damals die erste Heilstätte dieser Art  in Nordrhein-Westfalen.

***

 Gollwitzer-Meyer Portrait 2 

 Quellenangabe: Klothilde Gollwitzer-Meier. Relief im Gollwitzer-Meier-Institut, Foto von Rudi Langer um 1955. Repro: Stadtarchiv Bad Oeynhausen