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Schon rollte die Wärme der Morgensonne
wie eine weiche Welle über das Land,
Tau lag auf Blättern und Blüten,
glitzerte wie tausend Rubine. –
Wir sattelten die Pferde. –
Folgten den staubigen Trampelpfaden der Rinder –
Ritten in die Tiefe der Eintönigkeit –
Wo die Ferne nah und die Nähe fern scheint –
Wo die Stille nur unterbrochen wird
vom Dröhnen der Hufe, vom Knarren des Sattelzeugs,
vom Flügelschlag und schrillen Schrei der Papageien.
Schon verloren wir uns im Dickicht –
Irrten durch Dornenbüsche –
durch meterhohes Gras –
Und die Röte des Abendhimmels
wölbte sich über uns wie eine flammende Glocke. –
Auf den Bäumen schienen Sterne zu wachsen.
Und die Nacht fiel über uns,
raubte uns die Orientierung.
Von der Finsternis verschluckt
scheuten die Pferde,
verweigerten wiehernd die Zügel,
machten uns unseres Leichtsinns bewusst,
die Ziellosigkeit des Wagnisses,
ließen die Urängste archaischer Bedrohung wachsen.
Und dichter Nebel zog auf,
wälzte sich wie eine stumme Flut über die Hügel,
brachte das heisere Schreien der Nachtvögel
zum Schweigen,
schluckte alle Dimensionen.
Versprengt standen wir im Nichts,
jenseits von Zeit und Raum,
hilflos ohne Horizont,
übermannt von kosmischer Verlorenheit …
 

Das Gedicht stammt aus dem Buch „Jahr greift in Jahr“ von Orlando M, erschienen 2013