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Wir kamen aus Katmandu,
folgten eingekerbt in felsigen Bergflanken
der Straße nach Norden,
verließen Shiva‘s Reich
und Hanuman, den Gott der Affen
erreichten die Wildnis des Hochgebirges,
wo Gletscherflüsse schäumend übereinander fallen
wo sich aus Granit und Schiefer geschichtete Dörfer
gekrümmt wie Gurkhamesser
in enge Täler zwängen,
wo der Wind in ausgebleichten Gebetsfahnen
sein Mantra flattert
und dumpf die Trommeln der Gebetsmühlen dröhnen
wo der wilde Hanf dem Himmel so nah ist,
dass ihn die Kraft der Sonne
mit dem besten Haschisch der Welt segnet,
wo sie an Dämonen glauben,
an den Dalai Lama,
an Nirwan Buddha, den ewig Schlafenden,
wo sie sich ihm zu Ehren
mit den Tränen des Bhangs berauschen,
denn der Hanf weckt verborgene Bilder,
wandelt Wolken in Drachen,
wiegt in eine Welt der Farben,
lässt die Musik der Steine hören,
den Klang des Wassers,
das Singen der Blumen,
fängt die Träume des schlafenden Buddhas ein,
entführt nach Shangri-La.

Das Gedicht stammt aus dem Buch „Jahr greift in Jahr“ von Orlando M., erschienen 2013