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Schlagwort: Humor

Marvelous (André Simon, übersetzt von Dietrich Weller)

Once, in the great China Empire in the province of Shandong, there lived a left-handed boy Sev Lin, who had an extraordinary ability of painting. His father brought him for apprentice in the private school of a renowned painter. The master-painter recognized in short time the boy’s talent, and became envious. „No, that is not the way to do it!“ he would shout. „You will do better painting walls than drawing.“ Slowly the boy’s confidence receded. No matter how hard…

Wolländische Sprüche (Eberhard Grundmann)

Auswahl aus den Wölländischen Sprüchen: VOLANDIANA – Aphorismen. Seemann Publishing 2018. ISBN 9781729323991   Allgemein 1.1.      Wahrheit ist der meistakzeptierte Irrtum. (1993) 1.8.      Auch wenn du dir zwei Uhren kaufst, hast du nicht mehr Zeit. 1.10.    Die Dummheit höret nimmer auf. 1.12.    AUCH DER JÜNGSTE SOPRAN WIRD EINMAL ALT. 1.15.    Der Mensch wird immer dümmer, trotz aller Symposiümmer. 1.19.    Sigmund Freud entdeckte beim Menschen eine orale, anale und genitale Entwicklungsphase. Eine zerebrale entdeckte er nicht. (01.07.1992) 1.125.  Manche Belletristik ist…

Diverse Gedichte (Eberhard Grundmann)

Reigen Die wir einst umsorgt und grossgepäppelt über viele Jahre, die unsere Kräfte zehrten und mehrten, die heute noch durch unsere Träume purzeln herzerwärmend im Kindchenschema – sie sind jetzt grosse Leute in des Lebens Mitte, umtobt von der nächsten Generation. Der immer gleiche Reigen wird fort und fort getanzt, aber jeden Punkt im Ring erreichst du nur ein einziges Mal. (18.04.2017) Fuffsich Für meine Freundin Jabi, die sich schwer tut. (in Brannenburjisch) Jetz biste fuffsich, wat reechste uff dich?…

Die Katze mit den seidenen Handschuhen (Walter-Uwe Weibtrecht)

  Eine schwarz-weiße Katze Paula lebte in einer Villa am Königsforst. Meist lag sie auf einer Heizung, schnurrte vor sich hin und genoss die Wärme. Sie bewunderte die apart gekleidete Hausherrin, die sie immer mit Seidenhandschuhen streichelte. Sie empfand dies als besonderen Genuss, auch wenn es manchmal funkte. Sie beschloss, ebenso vornehm zu werden. Sie trabte zum Maulbeerbaum und sprach mit den Seidenraupen: „Könnt ihr mir ein zartes, fast durchsichtiges Seidenkleid und Seidenhandschuhe für die Vorderpfoten spinnen?“ Die emsigen Seidenraupe…

K.u.K. (Waltrud Wamser-Krasznai)

  Der junge Fähnrich István Krazňai dient in der Leibgarde der Kaiserin Maria Theresia in Wien und sieht während eines Kontrollgangs, wie sich ein Frauenzimmer in lebhaftem Gespräch aus dem Fenster beugt. Das runde Hinterteil wölbt sich ihm verlockend entgegen, er kann nicht widerstehen und haut kräftig drauf. Die Gestalt fährt herum und  – o Schreck! – es ist die Kaiserin. Er bricht ins Knie und stammelt: „Majestät, wenn Ihr Herz ebenso hart ist wie Ihr Hintern, dann bin ich…

Mein Lehrer (Jürgen Rogge)

Beitrag zur Lesung „Was wäre wenn…?“ beim BDSÄ-Kongress in Bad Herrenalb 2019   In der zwölften Klasse kam mein Deutsch-Lehrer, Herr Bernien, gleich in der ersten Stunde zu uns. Deutsch war aber erst in der zweiten Stunde vorgesehen. Herr Bernien sagte uns, er habe sich die erste Stunde schenken lassen. Wir sollten einen Aufsatz schreiben. Gleich in Reinschrift. Das Thema schrieb er an die Tafel: „Was wäre, wenn…“ Viel später erfuhren wir, dass es im Lehrerzimmer die Debatte gab, dass…

Die Gedankenfresser (Cordula Sachse-Seeboth)

Die Gedankenfresser

Victor ist nervös. Der ranghöchste Präsident der Welt wartet auf seinen Vortrag. »Sir, wir haben einige Fehlermeldungen, doch die mit Abstand Interessanteste ist diese hier.«

»Nun erzählen Sie schon«, erwidert der Präsident ungeduldig.

»Von allen Personen, die eine Mensch-Maschine-Schnittstelle nutzen, fallen exakt zwölf aus der Reihe.«

»Aus der Reihe?«, echot Präsident Zabidar.

»Sie erlauben keinen Zugriff auf ihre Gedanken«, erläutert der blutjunge Assistent, der seine Entdeckung eher als erschreckend befindet als darüber stolz zu sein.

Der Präsident zuckt mit den Schultern, da ihm ganz offensichtlich die Tragweite der Aussagen unklar ist. »Was genau wollen Sie damit sagen?«

»Unser Projekt wird ständig verbessert. Doch es scheint Nutzer zu geben, die unser top secret Anliegen nicht nur spüren, sondern sogar aktiven Widerstand leisten.«

»Widerstand?«

Schreibblockade (Wilfried Dinter)

   In meiner Dichterstube sitz` ich hier Vor mir ein weißes Blatt Papier. Es ruft von innen : „Du sollst schreiben!“ Doch könnt´ ich dies und jenes treiben,  Zum Beispiel davon zu berichten, Was ich sonst täte – ohne dichten: Wie in den nahen Park zu geh`n Um Bäum` und Pflanzen zu bestimmen,  Vor alten Eiben sinnend steh`n,  Nur weg vom horror vacui, dem schlimmen.  Und die Gedanken fliegen hin zum Gingko –Baum Zur Chamaezyparis, Lawson – Zypresse. Der Bärlauch…

Zwiespalt (Wilfried Dinter)

  Ich möcht` so gerne einen Schlager schreiben – Von Herz und Schmerz und Lust und Leid und so. Und anderen und mir die Zeit vertreiben, Den Augenblick genießen, unbeschwert und froh. Wie oft hat man es schon versucht, dem Ernste zu entfleuchen, emporzusteigen aus dem engen Tal, Die Grübeleien wegzuscheuchen, Doch stand im Weg der intellektuelle Sündenfall. Dort auf dem Berge wohnt das Licht – Hinaus aus tiefer, düstrer Enge ! Der Aufstieg nimmt die letzten Kräfte nicht, Dort…

Auf allen Vieren (Waltrud Wamser-Krasznai)

  Ich gehe so für mich hin, den Kopf in den Wolken, unter meinen Füßen feuchtes Laub. Auf einmal sind die Beine weg und ich liege auf dem Rücken wie ein Mistkäfer. Wirbelsäule und Hüften sind allem Anschein nach in Ordnung, nur aufstehen kann ich nicht. Herumgewälzt habe ich mich schon, auf Hände und Knie, aber aufstehen kann ich nicht. Ich versuche es über Minuten. Endlich krieche ich auf einen Laternenmast zu und es gelingt mir mit großer Mühe, mich…

✎ 2020 Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte (BDSÄ)