Teheran und der Krieg

 (Winter 1981)

 

Von Jaleh Esfahani (1921-2007)

Übersetzung aus dem Persischen von Amir Mortasawi und Andreas Schmidt

 

Die schwarzen, furchtbaren Flügel des Kriegsdämons
liegen bedrückend auf den Teheraner Nächten.
Das einzige brennende Licht der Stadt
ist der Mond,
der bernsteinfarbene Mond,
der auf dem unsichtbaren Dach Teherans leuchtet.
Teheran ist dunkel,
Teheran ist still,
Teheran ist eine schwarz bekleidete Schönheit … 

Wenn die morgendliche Sonne das Elburs-Gebirge beleuchtet,
all den goldenen Schnee,
und das Herz sich nicht verrückt in Teheran verliebt,
ist es kein Herz,
sondern ein Stein. 

Doch welchen Platz haben jetzt Liebkosungen mit der Natur?
Heute ist Krieg.
Vom Schicksal der Heimat und der Menschen sich fern zu halten,
ist eine Schande.
Es ist eine Schande.
Uns ist der Iran übrig geblieben,
ein Meer des Zorns, des Blutes und des Sturmes.
Es ist schmachvoll,
ein Stein am ruhigen Ufer zu sein
angesichts all der selbstlosen Handlungen der Aufständischen,
die ihr Leben riskieren.
Es ist eine Schande,
nur sich selbst und die eigenen Interessen im Blick zu haben. 

Wer kann nachts zuhause beruhigt schlafen,
wenn tausende Landsleute obdachlos sind,
vertrieben durch den Krieg,
den erbarmungslosen Krieg. 

Du,
Geschichte schreibendes Teheran,
stolzes Teheran,
es sei,
dass ich deine Nächte voller Licht sehe,
dass ich erblicke,
wie der ganze Iran des Sieges wegen
mit Lichterketten beschmückt ist.

֎֎֎