Über die Qualität von Werken der Kunst

(Jürgen v. Troschke)

 

Wir bezeichnen uns als „Schriftstellerärzte“
und erheben damit den Anspruch,
dass die von uns verfassten
Gedichte, Kurzgeschichten und Essays
„mehr sind“
als einfach nur so hingeschriebene Texte.

Das dürfte unstrittig sein.

Ob wir den von uns geschaffenen Werken
den Status von „Kunst“
zuschreiben wollen,
darüber kann man streiten. 

Unstrittig dürfte sein,
dass man bei Werken,
die als „Kunst“ bezeichnet werden
Unterschiede in der Qualität
feststellen kann.

Unstrittig dürfte sein,
dass die Mona Lisa
von Leonardo da Vinci
nach Kriterien der Kunst
„besser“ gemacht ist,
als das von einer Zahnarztgattin
gemalte Porträt ihrer Tochter Lisa.

Das dürfte unstrittig sein.

Ein Gedicht von Rainer Maria Rilke
ist „besser“ als eines,
das ich aufgeschrieben habe.

Das dürfte unstrittig sein. 

Ein Lied von Bob Dylan
ist „kunstvoller“
als eines von „Heino“.

Das dürfte unstrittig sein.

Nicht alle Bilder von Picasso
nicht alle Gedichte von Bertolt Brecht
nicht alle Opern von Verdi
nicht alle Texte von Schriftstellerärzten
haben die gleiche Qualität.

Das dürfte unstrittig sein.

Warum wehren wir uns dann
so emotional gegen die rationale Bewertung
von Werken, die wir als Ergebnis unserer Arbeit
als „Schriftstellerärzte“
verstanden wissen wollen?