Übermut tut selten gut!

Konfrontiert mit den offenkundig frustrierten Abwehrreaktionen seiner geliebten Bezugspersonen, erinnerte er sich an ein „einschneidendes“ Erlebnis aus seiner Jugend.

Als Student war ich mit meiner Freundin im VW Käfer nach Griechenland gefahren. Sie war Studentin der Soziologie und musste in den Semesterferien ein Referat vorbereiten. Deshalb hatten wir eine Woche Strandurlaub in einem kleinen Hotel auf dem Peleponnes eingeplant. Während sie ihre Arbeit schrieb, erkundete ich die Halbinsel.

Bei einer meiner Ausfahrten kam ich zu einer alten Burgruine. Ich parkte mein Auto, kaufte eine Eintrittskarte und erwarb von dem alten Mann an der Kasse eine griechische Holzflöte. So ausgestattet machte ich mich an die Erkundung der Burg. Alles war von Pflanzen überwachsen. Die Natur hatte sich durchgesetzt. Ich war der einzige Besucher. So konnte ich mich mit ganzem Herzen und all meinen Sinnen – vorbehaltlos – auf die verwunschene Stimmung einlassen. Ich träumte von früheren Zeiten, in denen hier alles noch belebt war.

Da erinnerte ich mich an die Flöte, die ich am Eingang gekauft hatte und begann, darauf zu spielen. Es klang gut. Das Echo der Töne schwebte durch alle Räume. Ich setzte mich auf eine hohe Mauer, von der die ganze Anlage zu überblicken war. Dann sah ich den alten Mann, der mir die Flöte verkauft hatte und dieser winkte mir freundlich zu. Mein Flötenspiel schien ihm zu gefallen. Voller Stolz spielte ich weiter und versuchte, meiner Flöte schöne Melodien zu entlocken. Das schien immer  besser zu gelingen. Bald lebte ich nur für meine Musik.

Dann sah ich wieder den alten Mann, der heftig gestikulierte. Zuerst konnte und wollte ich nicht verstehen, was dieser mir mitzuteilen versuchte. Schließlich hatte ich es begriffen – ich sollte sofort mit dem Flöten aufhören.

Der Sturz war deprimierend. Noch heute kann ich mich daran erinnern. Eben noch schwebte ich „im siebten Himmel der Selbstüberschätzung“ und dann wurde ich überraschend auf den Boden der Wirklichkeit zurückgeholt.

Das Spiel, in das ich mich hinein gesteigert hatte, war offenkundig bei weitem nicht so schön, wie es mir vorgekommen war.

Beschämt hörte ich auf, legte die Pan-flöte auf die Mauer , auf der ich gesessen hatte, und ging mit gesenktem Haupt von dannen.

Seitdem trinke ich den Wein mit Wasser verdünnt. Seitdem sind meine Selbstüberschätzungen immer mit Selbstzweifeln vermischt. Seitdem habe ich verstanden, dass die griechischen Götter übermütige Menschen bestrafen.

Übermut tut selten gut!