Und ich zerbrach und lief und fiel

 

Ein Gedicht von Sohrab Sepehri (1928 – 1980) aus dem Buch „Der Osten der Schwermut“; erste Erscheinung 1961
Übersetzung aus dem Persischen von Afsane Bahar

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Deinen Klängen öffnete ich die Türen.
Jeden Teil meines Blickes warf ich irgendwo hin,
das Leben füllte ich mit dem Blick.
Am Rande eines Sumpfes
sah ich ein Stück deines Lächelns im Schlamm,
ich fing an zu beten.
Am Stiel eines Dornbusches
war deine Erinnerung verborgen,
ich pflückte sie
und streute sie in die Welt.
Auf den Saiten der Bäume
spielte ich das Lied des Aus-sich-Hinauswachsens
und des In-sich-Entwickelns.

Und ich pflügte die harmonische Nacht des Betens,
streute den Samen des Geheimnisses
und zerbrach den Haken der Täuschung.
Und ich lief bis zum Nichts
und lief bis zum Antlitz des Todes,
bis zum Kern des Bewusstseins.
Und ich fiel auf die Felsen des Schmerzes.

Von dem Tau deiner Begegnung wurde mein Finger feucht,
ich zitterte.
Eine Brise war am Überqueren eines Berghanges,
einen Schritt ging ich mit ihr.
Am Ende der Finsternis
sah ich ein Stück einer Sonne,
verzehrte es,
und verließ mich
und war frei.

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