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Es war Winter an den Scheiben rankten die Eisblumen
und der Schnee lag hoch in den Gärten
und die Vögel froren in den klirrenden Bäumen
da blähte sich plötzlich unser Glückssegel
trieb uns hoch über frostige Wolken
bis hinauf zu den Sternen

Es war Frühling die Osterglocken läuteten
Sonne drang durch den Regen
und die Vögel tirilierten
und wir schwebten zusammen durch die Gnade der Frühe
harrten voller Ungeduld
auf den trunkenen Mai
Und der Sommer kam mit seinem Brennen
seinen brütenden Sonnentagen
und den dunklen Nächten
und wir lagen versunken unter dem Mond
und die kühlende Brise des Morgens
tauchte uns ermattet in den Schlaf
Es strahlte der Herbst im goldenen Weinlaub
mit tropfenden Rebhängen
und flimmernder Luft über dem glitzernden Strom
in den Schänken jubilierte das Leben
und wir stillten den Durst
netzten die brennenden Lippen bis zur Neige
Und schon übers Jahr verwitterte Schwingen
und Eisblumen auf geronnener Haut
zerfressene Schwüre in der Wüste des Schweigens
und wehmütige Träume vom Gleitflug unter den Sternen
von verlorenen Glückssegeln gegen das Sinken
in den Abend der Zeit

(Das Gedicht ist bereits im Almanach deutschsprachiger Schriftstellerärtze 1997 erschienen)