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Unsere Beziehungen mit anderen werden durch die Sprache gestaltet. Unsere Wortwahl beeinflusst wesentlich unsere Gefühle und die unseres Gegenübers. Worte können motivieren, aufbauen oder ruinieren. Sie sind die mächtigsten Waffen, die dem Menschen zur Verfügung stehen.

Kommunikation ist also vielschichtig: Sie kann von Mensch zu Mensch und von Situation zu Situation sehr unterschiedlich sein. Diese Vielschichtigkeit führt leicht zu Missverständnissen. Deshalb ist bewusstes Nachfragen und Mitteilen, was man verstanden hat, sehr wichtig. Für gelingende Kommunikation sollte man sich immer wieder die „goldene Regel“ ins Gedächtnis rufen: „Alles nun, was wir wollen, das uns die Menschen tun sollen, das tun wir ihnen ebenso.“ Nach dieser Regel werden wir aufgefordert, all das Gute zu denken, das wir selbst gern hätten. Wenn wir uns daran halten, nehmen wir positiven Einfluss auf unsere Zukunft, anstatt in der Vergangenheit zu verharren.

Die meisten Menschen richten zu viel Energie auf die Vergangenheit, auf Gedanken, Gefühle wie der Wut, der Trauer und auf den Ärger über die Dinge, die in ihren Augen anders hätten laufen sollen. Diese Gefühle in sich zu erkennen und zu akzeptieren ist ein erster Schritt. Ein zweiter Schritt kann darin bestehen, sie aktiv durch positive Gefühle zu ersetzen und dadurch die Perspektive zu ändern. Wenn wir selbst positiv eingestimmt sind und dies auch anderen Menschen durch Kommunikation mitteilen, beeinflussen wir dadurch auch ihre Zukunft positiv. Bekanntlich ist es besser, eine Kerze anzuzünden, als über Dunkelheit zu klagen.

Finden wir also heraus, was uns und anderen im Umgang miteinander gut tut und Freude bereitet. Herzlich mit anderen umzugehen kostet nichts. Wenn wir gute Laune verbreiten und Harmonie ausstrahlen, bringt das anderen viel, und oft kommen die positiv ausgesandten Schwingungen zu uns zurück. Übrigens: Gerade der, dessen Verhalten uns nicht gefällt, braucht meist viel Positives. Wir können von uns aus mit etwas Positivem den Anfang machen, statt darauf zu warten, dass der andere zuerst freundlich ist. Um positives Verhalten einzuüben können wir uns vornehmen, mindestens einem Menschen am Tag eine Freude zu machen. Diese darf natürlich nicht zur Selbstdarstellung benutzt werden. Auch sollten wir niemanden mit Unerwünschtem bedrängen, was falsch wäre. Hier ist Einfühlung notwendig. Schulen wir uns selbst darin, Notlagen anderer zu erkennen. Bieten wir Hilfe an, ohne uns aufzudrängen und ohne Erwartung von Gegenleistung und Dank, und warten wir nicht, bis Anwesende zuerst beginnen. Beginnen wir als erster zu helfen, auch wenn wir meinen, keine Zeit zu haben oder in schlechter Stimmung sind. Bringen wir unsere Fähigkeit zu Humor ein und lachen wir oft miteinander. Heitere Stimmung erleichtert die Kommunikation. Aber Heiterkeit auf Kosten anderer sowie Scherze, die andere herabsetzen oder verletzen, wirken zerstörerisch auf die Beziehung.

Beobachten wir achtsam, aber ohne permanent um das eigene Ich zu kreisen, unser eigenes Erleben und Verhalten, um es gegebenenfalls zu ändern und ins Positive zu wenden. Oft gehört Mut dazu, eigene Fehler zuzugeben, sich zu entschuldigen und um Verzeihung zu bitten. Leider unterliegen wir allzu häufig einer seltsamen Selbsttäu-schung und halten uns für besser als andere. Trotz allen guten Willens werden Menschen sich immer wieder wehtun und verletzen. Deshalb ist Verzeihen so wichtig für einen neuen Anfang. Wenn es irgendwie möglich ist, sollten wir nach unerwünschtem Verhalten des Anderen ihm verzeihen, notfalls auch ohne Reue und seiner Entschuldigung. Erst dadurch werden wir frei für Neues. Dies ist eine Stärke, keine Schwäche. Schließlich können wir selbst auch nicht von uns behaupten, dass wir uns immer richtig verhalten.

Viele Missverständnisse in der Kommunikation entstehen durch mangelnde Achtsamkeit und Gleichgültigkeit. Damit sich die Situation entspannen kann, sollte man einen Konflikt nicht weiter anstacheln. Verletzen wir keine Gefühle; und vermeiden wir, unser Gegenüber herabzuwürdigen. Ebenso hilfreich ist die Fähigkeit, auch manchmal sehr großzügig über den emotionalen Ausrutscher des Gesprächspartners hinwegzugehen. Wichtig bleibt aber, den eigenen Standpunkt klar und ruhig darzustellen, Grenzen zu setzen und schließlich immer wieder die kompromisshafte Einigung vor einem Sieg anzustreben. Der „Gegner“ darf nicht sein Gesicht verlieren, aber auch wir müssen unsere Selbstachtung wahren.

Versetzen wir uns bei Konflikten immer wieder auch in die Lage des anderen und verzichten wir darauf, ihn ändern zu wollen. Dauerhaften Frieden anzustreben bedeutet die Berücksichtigung von Würde, Achtung und Interesse aller Beteiligten. Üben wir, etwas Positives an dem Menschen zu sehen, den wir nicht mögen. Das gelingt, indem wir uns den positiven Kern intensiv vorstellen und versuchen, ihm positive Gedanke und Gefühle zu schicken. Man kann auch von den Überzeugungen und Handlungen eines Menschen Abstand nehmen, ohne ihn als Person absolut zu verurteilen.

Was mache ich aber nun, wenn ich mich über jemanden ärgere? Ärger sagt immer zu allererst etwas über uns selbst aus. Wenn wir uns ärgern, bewerten wir alles, was von außen kommt. Diese Urteil-Schau in unserem Kopf führt zum Ausbruch von Aggressionen und verhindert damit den gewaltfreien Kontakt zwischen uns selbst und dem uns Gegenüberstehenden. Um diese unangenehme Eigenschaft zu verhindern, sollte man im Voraus ein Beruhigungsmittel einnehmen. (Sowie der Opernsänger und Weltstar Placido Domingo heute noch vor jedem Auftritt etwas Beruhigendes nimmt.) Konstruktiver wäre es, bewusst auf die Bedürfnisse des Gegenübers zu wechseln, uns ineinander einzufühlen und selbst einen ersten positiven Beitrag zu leisten.

Bei allem darf man nicht vergessen, auch adäquate Grenzen zu setzen. Die eigenen Bedürfnisse zu verleugnen führt nicht zum Ziel. Zeigen wir Grenzen auf, indem wir unser Empfinden in der jeweiligen Situation kund tun. Konstruktive Rückmeldung ohne Vorwürfe bringt die Verständigung weiter: Beschreiben wir unsere Wahrnehmung des Verhaltens des anderen ohne zu werten, und bleiben wir konkret und verallgemeinern wir nicht. Stellen wir klar, dass es sich um die eigene subjektive und nicht um die einzig mögliche Perspektive handelt. Heiße Gefühle, die nach Genugtuung schreien, sind schlechte Ratgeber. Lassen wir uns nicht vom anderen anstecken und auf eine destruktive Handlungsebene bringen. Jeder bleibt in der Kommunikation für sein Denken, Fühlen, Reden und Handeln selbst verantwortlich. Lassen wir uns nicht in einen Strudel von Destruktivität, in die Spirale von Hass und Vergeltung hineinziehen. Nur das Gute ist das Mittel, um das Böse zu überwinden.

Der Versuch, unsere Kommunikation zu verbessern und positiver zu gestalten, kann unseren Beziehungen neue Erfüllung geben. Und eigentlich ist es ganz einfach, wenn man die beiden Grundregeln nicht vergisst: Denke immer daran, welche Gefühle deine Worte auslösen. Kommuniziere mit jedem so, wie du gerne hättest, dass mit Dir kommuniziert wird. Ein brasilianisches Weihnachtsgedicht beginnt mit den Worten: „Jedes Mal, wenn zwei Menschen einander verzeihen, ist Weihnachten.“ So leicht auf einen Nenner gebracht lässt sich erklären, wozu die Vergebung gut ist, dachte ich mir.

Ein bestimmtes Image zu haben, also ein Bild über uns, bedeutet einen bestimmten Ruf zu haben: Normalerweise ist jeder Mensch auf seinen Ruf bedacht. Wir erwarten von einer Person, dass sie so handelt, wie es ihrem Ruf entspricht. Der Mensch handelt weitgehend erwartungskonform. Jedoch nicht immer! Es gibt ein schädigendes, abweichendes Verhalten gegen den Ruf eines anderen oder gar gegen den eigenen Ruf. Wir  sind auch Menschen, die ihre Unzulänglichkeit mit sich herumschleppen. Auch wir können durch einseitiges Urteilen Fehler machen. Wie alle Menschen bleiben auch wir nicht von eigenen Widersprüchen verschont. Wer aber wahrhaft um Selbsterkenntnis ringt, sollte sich ernsthaft bemühen, diese Widersprüche in sich selbst zu beseitigen und bestrebt sein, die Harmonie in seiner Persönlichkeit und unter seinen Mitmenschen zu gewährleisten. Jeder Mensch, der auf seinen Rechte besteht, muss unbedingt bereit sein auch die Pflichten zu übernehmen.

Die Menschenwürde ist der innere Kern eines Menschen, den jeder bei der Geburt mit sich auf diese Welt bringt. Jeder Mensch besitzt sie. Sie soll durch Selbsterziehung zum Edelstein und damit zum kostbarsten inneren Wert des Menschen werden.

Das Schönste ist, dass es keine Einheitsdoktrin gibt, sondern dass jeder sie nach seinen Gedanken und Ideen ausgestalten kann.

 

Copyright Dr. Timhomir Bunovic