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Jahr: 2013

Farbe bekennen (Volker Steffen)

  Bei Marx und Engels gab es Klassen Im Kampf stets um Prestige und Macht. Heut‘ trennt der Hass Menschen nach Rassen Und hat viel Leid der Welt gebracht. Vor einem Flug nach Afrika – Ich hatte gerade eingecheckt. Hört‘ Weiß und Schwarz ich ziemlich nah Mit ’nem Disput, der mich erschreckt‘. Der Weiße schwärmt‘ von alten Zeiten. Seit die Apartheid sei passé Sich Chaos und Gewalt verbreiten. D i e  Argumentation tat weh. Doch ließ er’s nicht bei Politik…

Ein Mann wie ein Baum (Dietrich Weller)

(vorgetragen bei der öffentlichen Lesung „Mein bester Text“ am Jahreskongress 2013 in Münster) Siegmund Kraft wurde 1945 in Bremen geboren. Sein Vater fiel kurz vor Siegmunds Geburt in einem der letzten Gefechte in Russland. Die Mutter zog den Jungen liebevoll auf und verdiente als Lehrerin den Lebensunterhalt. Siegmund entdeckte früh seine Liebe zum Langlauf und lief ein Jahr vor dem Abitur den ersten Marathon. Auch dadurch lernte er, mit Disziplin schwierige Momente zu bewältigen und gegen innere Widerstände bis zum…

Wenn es so wäre (Helga Thomas)

Wenn es so wäre, dass nach meinem Tode nichts mehr weiteres kommt und nach dem Tode der Erde keine Weiterentwicklung mehr ist, wenn es so wäre, dass eine geistige Welt nur im Kopfe der Künstler lebt, selbst, wenn es so wäre … Die Trauer um das verlorene Kind, die Sorge um hilfloses Leben die Liebe zum Du und zu anderen Leben Sie wären der Boden, aus dem eine neue Welt erwächst und Leben geboren wird, wo nichts ist. Deine Liebe…

Kinderlied (Klaus Kayser)

  Wiese, Wald und Löwenzahn liegen in der Sonne. Fängt der Wald zu brennen an, rettet ihn der Feuermann mit seiner Regentonne. Wiese, Wald und Löwenzahn stehen in dem Regen. Fängt der Wald zu husten an, kann ihn noch der Regenmann ins warme Bettchen legen. Wiese, Wald und Löwenzahn schütteln sich im Winde. Fängt der Wald zu brechen an, tötet ihn der Automann und sammelt Holz und Rinde. Copyright Prof. Dr. Dr. Kayser   Klaus KayserKlaus Kayser, Dr. med. Dr.…

Walther und der Alte aus Weimar (Klaus Kayser)

  Da sitz ich nun, ich armer Tor auf einem harten Steine. Ich bin so schlau als wie zuvor und denke Bein auf Beine: Was ich gewann, was ich verlor, was bleibt, was sei das meine. Was ich im Leben alles schwor, zu kennen, wissen um die kleine Ewigkeit, die mir jetzt sagt: Nichts ist gerade, nichts ist krumm. Der Alte so aus Weimar klagt, auch Vogelwalthers Lied bleibt stumm. Ich aber sage frech und frei: Gedanken können alles biegen.…

Die lykischen Gräber (Klaus Kayser)

  Ich stieg zu den Gräbern am Nachmittag, Gräber geborgen in Fels und in Stein. Die sengende Sonne im Sterben lag, graurot und wärmend ihr sinkender Schein. Die Gräber so kühl, so sauber und leer nur Bänke und kein vergessener Sarg. Mein Blick streift weit über das ruhende Meer, die Felder vertrocknet, geerntet und karg, und windet sich dann die Felsen hinauf und klettert und klettert und findet nicht Halt und fällt tief im wilden verzweifelten Lauf – ihn rettet…

Der Wanderer (Klaus Kayser)

  So eile ich nun mit quälendem Schritt zum Gipfel den Berg hinauf. Hunger und Sehnsüchte eilen mit, hemmen nicht den drängenden Lauf. Vergessen die sprudelnden Wasser im Tal, die leuchtenden Blüten zu Zweit, der trunkene Becher im nächtlichen Saal, der Eltern treues Geleit. Oben am Gipfel reckt sich ein Baum kahl und dürr in die Nacht. Um ihn Wiesen, glanzloser Schaum, wehrlos in graubrauner Pracht. Er aber trotzt im Tode noch starr dem Sturm und der Zeiten Lauf. Wie…

Wunderworte (Barbara Kromphardt)

  Ab und zu musste sie mal Stadtluft schnuppern, mal viele Menschen erleben, sich ins Gedränge begeben, sich berühren lassen, vielleicht nur mit den Augen. Menschen wahrnehmen, ganz offen sein für die kleinen Alltagsepisoden einer Stadt. Sie konnte die Stadt gut mit der Bahn erreichen und lebte doch scheinbar weit weg von ihr in ihrer Art „Einsiedelei“. Das war der große Garten und der nahe Wald, das Zuhause ihrer Seele. Das kleine Haus nicht zu vergessen. Heute war wieder so…

Alchimist (Barbara Kromphardt)

  Es regnet leise, eine stille Pause, im Regen hat sich Gold gelöst, als er so vor sich hin gedöst, veredelt gehe ich nach Hause. Auch hier hat alles einen güldnen Hauch: die Blumen, Bücher, sogar heißer Tee und jenes Bild vom goldnen See, mein großer Spiegel funkelt auch. Eins von den Wundern meiner Welt, die reich von Gold umflossen ist, in meinen Augen wohnt ein Alchimist, der das erschafft, was ihm gefällt.   Copyright Barbara Kromphardt   Barbara KromphardtBarbara…

Schriftbilder (Siegbert Kardach)

  Über das Schriftbild der Ärzte – vornehmlich traditionelle Rezepte und Unterschriften betreffend – gehen die Meinungen auch wohlmeinender Betrachter nicht weit auseinander. Den Medizinern wird allgemein eine schlechte und vor allem unleserliche Handschrift attestiert. Das hat Ursachen in der Hatz des beruflichen Alltags, was das erwähnte Urteil allerdings auch nicht mildert. Doch es gibt rühmliche Ausnahmen. Mein verehrter klinischer Lehrer Professor August Sundermann – weit bekannter und strenger Ordinarius für Innere Medizin an Erfurts nunmehr erfolgreich beerdigter Medizinischer Akademie,…

✎ 2020 Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte (BDSÄ)