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Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte (BDSÄ) Posts

Katrin und die Glasperlenkette (Ulrike Wendt)

Katrin und Roger hatten sich einfach sehr, sehr gern. Sie hatten sich so gern, dass sie alles gemeinsam unternahmen. Sie aßen zusammen, sie kochten zusammen, sie lasen zusammen, manchmal in einem Buch. Natürlich wohnten sie zusammen in einem Haus.Katrin liebte Roger und Roger liebte Katrin.Jeden Morgen, wenn sie erwachten, wenn sie gemeinsam erwachten, freuten sie sich, dass sie wieder einen Tag zusammen erleben würden.Das war nicht selbstverständlich. Katrin war nämlich sehr, sehr krank. Sie war so krank, dass ihre Beine…

Innereien (Waltrud Wamser-Krasznai)

Die Überlegungen zu einigen Exemplaren anatomischer Votive aus der Sammlung Stieda sind als Ergänzung zu dem kleinen Band „Kultische Anatomie“, der 2008 die Ausstellung im Medizinhistorischen Museum Ingolstadt begleitete, gedacht. Seit dieser Zeit hatten mich als Medizinerin die in anatomischer Hinsicht spärlichen Deutungsversuche nicht ruhen lassen. Das große Intervall zwischen dem Erscheinungsjahr und dem jetzigen Beitrag ist ohne mein Zutun entstanden.     Im Gegensatz zu den leichter interpretierbaren Darstellungen von Extremitäten, Sinnes- und Geschlechtsorganen geben die etruskischen Votive in Form…

Goethe, Schiller – Kreativität trotz Krankheit

Goethe, Schiller – Kreativität trotz KrankheitAußerordentliche Persönlichkeiten werden häufig anhand ihrer Leistungen dargestellt und dabei wird oft vergessen, unter welch schwierigen Bedingungen diese, häufig im Kampf mit sich und gegen sich selbst, erbracht worden sind.Dies trifft zu einem beachtlichen Teil auch auf die Darstellung unserer großen Dichter Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller zu. Anhand der Lebenslaufs beider Dichter soll aufgezeigt werden, was ein zielgerichteter starker Wille vermag, ein Wille, der auch in schweren körperlichen und seelischen Belastungssituationen eine hohe…

Die Bitte der Natur

Auf die Bitte der Natur, Ihr Mächtigen, helft mir nur Die Welt so zu gestalten Um sie Euch zu erhalten. Antworten sie Wir arbeiten daran An dem großen Plan Die Welt aus den Klimaketten Zu befreien und zu retten. Wir arbeiten daran Schauen bereits die Pläne an Die wir erst morgen sehen Und uns im Wege stehen. Wir planen wie die Affen Mehr können wir nicht schaffen Die Experten stehen bereit. Sie brauchen ihre Zeit. So denn Beratet, wartet bis…

Time Travel – Zeitreise (André Simon, übersetzt von Dietrich Weller)

Once upon a time in the realm towards the sunrise and far away, there lived a fisherman YI-SHITOU 宝石 (free translation in English signifies: a gemstone). The town, where he lived, was small and has finally fallen asleep. The towns- people, still practised ancient customs dating back many centuries, and they still wore traditional clothing. Their way of life was simple, and it was common place to see little old women washing their vegetables in the town well.  The others were…

Nachtgedanken – Tagesstille (Wilfried Dinter)

Mondaufgang Nachtbeginn NachtwirklichkeitErlebniserwachenTraumrealität, die einzige Wirklichkeit, ungestört durch TagesbanalitätErkenntnisse im Dunkeln,unverfremdet durch Licht-TäuschungenAhnungen gegen VernunftDämmerung des FassbarenSchöpferische RuhelosigkeitMorgendämmerung, Tagesanbruch, LichtgleißenErkenntnisendeTiefschlafTagträume

Dämmerungen (Wilfried Dinter)

Der Tag verglüht im Abendrot;Die Sonne sinkt in`s Meer der NachtMit ihrem eig`nen Leben:Wilde Alpträume, Sterben und Tod des vergangenen Tages,Zeugung und Geburt des neuen Morgens.Und wieder Erwachen In der dies- oder jenseitigen Welt. Kein ewiger Schlaf, kein Schlaf des Vergessens.Doch jeder Gedanke, jede Tat bleibt.Die Nacht verbleicht in der Morgenröte.Ein KreislaufVon Dämmerung zu  Dämmerung, von Sonnenwende zu Sonnenwende.Kein Anfang, kein Ende – keine Erlösung?Oder schwindet die Bürde im steten Tun?Auch im Nichts läuft die Zeit –Schwindet die Zeit.Wie Spiegelscherben des…

Zwiespalt(Wilfried Dinter)

Ich möcht` so gerne einen Schlager schreiben –Von Herz und Schmerz und Lust und Leid und so.Und anderen und mir die Zeit vertreiben,Den Augenblick genießen, unbeschwert und froh. Wie oft hat man es schon versucht, dem Ernste zu entfleuchen,Emporzusteigen aus dem engen Tal,Die Grübeleien wegzuscheuchen,Doch stand im Weg der intellektuelle Sündenfall. Dort auf dem Berge wohnt das Licht –Hinaus aus tiefer, düstrer Enge Der Aufstieg nimmt die letzten Kräfte nicht,Dort oben tönen and`re Klänge. Und neue Kräfte werden frei,Sie schaffen…

Gedankensplitter (Wilfried Dinter)

Wenn der Spiegel der Selbsterkenntnis zerbrichtSteh`n auf jedem Splitter die GedankenBarfuß auf dem Reif im Eiswald. Entgrenzte Freiheit mündetIn das Meer des freiwilligen DenkverzichtesAuf der Woge medialer Datenflut.Und der DammIst die Schere im eigenen Kopf. Wenn das Schiff des Geistes am Felsen zerschellt –Wer kennt noch die rettende Planke?Das ist die Stunde der WahrheitIn tausend Netzwerken verstrickt,Glückverheißende Community als Fake. Suche deine Planke!Finde das rettende Ufer!

Schwarzenbach – Totentanz (Wilfried Dinter)

Der kleine Laden war immer freundlich und zuvorkommend.Wie die Hefte, Zeitschriften und Tabakwaren.Das Besitzerehepaar wohlgeordnet und aufgeräumt.Alles an seinem Platz.Fachliche Beratung und Dienst am KundenMehr als geschäftsüblich.Von morgens 8 Uhr bis abends 18.30. Dazwischen Mittagspause von 12.30 bis 15 Uhr.Nach Ladenschluss Verkehrsstau, Mikrowelle, Tagesschau.Und Schweigen.Zeit für schwarze Reptilien, die an der Seele nagen.Nicht eingeplant, steht nicht auf der Agenda.Auf der steht:Heute ist Fastnacht.Geschäft ab 12 Uhr schließen.Und dann:Juxen und feixen bis 24 Uhr.Ach ja:Und tanzen. Reich mir die knöcherne Hand, mein…

Panta rhei (Wilfried Dinter)

Wenn plötzlich alles anders ist,Was ist besonderes daran?Wir wissen doch, dass alles fließt,Der Zeiten Lauf hält niemals an. Aus Sternenstaub zur Erde schwebendErblicken wir das Licht der Welt.Behaucht von Odem, sind wir lebendAus den Atomen auf die Erd` gestellt. Und plötzlich stehst im Leben drinDu armer Tor.Wer gibt dir Ziel und Sinn,Und wer die Richtung vor? Der Weg, den du beschreitest –Ist`s Geschick?Der Kampf, den du bestreitest –Fallen oder Glück? Die Zeit verrinnt. Nun ist`s an dirDas nächste Glied der…

Hochsommer (Wilfried Dinter)

Sinnsuchend Getrieben, Hastiger Stillstand. Sonntagsnachmittagstote Straßen, lastende Sommereinsamkeit. Geraubte Stunde, geschenkte Zeit : Fließendes Leben, Einssein mit den Naturwesen Im Kreis des Ewigen.

Frohe Fest (Wilfried Dinter)

Frohe Feste Geburt – wieviele Fragen über dem neuem Erdenleben? Heranreifen – leichter Sinn im Widerstreit mit festen Bahnen. Bund fürs Leben – welches Urteil sprechen die Nachgeborenen? Das Ende – neues Leben nach den Gesetzen des Ewigen.

Fußspuren – Planta pedis (Waltrud Wamser-Krasznai)

Fußspur – Planta pedis[1]     04.05.2022      Die Fußspuren göttlicher Wesen, von denen uns antike Autoren berichten, sind flüchtig und manifestieren sich nur während eines begrenzten Zeitraumes. ἲχνος, ἲχνιον, ἲχνια heißt es griechisch, lateinisch vestigium, vestigia und im Deutschen sind neben „Fußspur“ auch Fußstapfen und Fußabdruck gebräuchlich[2].      Göttliche Fußspuren in antiken schriftlichen Quellen: …da schritt ihm Pallas Athenenun behende voran ; er folgte den Spuren der Göttin – μετ‘ ἲχνια βαῖνε θεοῖο[3]. …schritt sodann, die hehre Göttin Kalypso,ihm [Odysseus] behende voran;…

✎ 2021 Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte (BDSÄ)