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Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte (BDSÄ) Posts

Das Gleichnis vom Apfelbaum (Ruth Berles-Riedel)

  Hier hinter dem großen Häuserblock auf einem Ödland blüht Jahr um Jahr ein Apfelbaum mittleren Alters. Zur gleichen Zeit, da er über und über mit rosa Knospen und feierlich weißen großen Blüten wohl zu Tausenden übersät ist, faulen unter seinen Ästen seine Früchte des Vorjahres, die nicht aufgehoben worden sind. Keiner sieht es ihm an, ob er etwa krank ist? Seine Blüten duften zurückhaltend, sehr süß und wirken in der Vielzahl ganz wunderbar auf mich, vergleichbar mit der ganz…

Hauskatze (Eberhard Grundmann)

  Vormals Felis domestica, so ganz domestiziert bist du nicht. Du kannst huldvoll sein, aber nicht gehorsam. In dir pulsen Anmut und Stolz alten Adels und großer Verwandtschaft – vormals Felis panthera, Felis leo, Felis tigris. Gehorchen magst du nicht, Felis catus, aber man kann um deine Freundschaft werben.   Copyright Dr. Eberhard Grundmann      

Waldbewohner (Eberhard Grundmann)

  Ein Eichhörnchen und ein Lindenhörnchen dachten sich, sie fänden Körnchen in dem nahen Buchenwalde, doch wie sie dort suchen balde, ist das Buchenhörnchen da gesessen und sprach: Ich hab schon alle aufgefressen.   Copyright Dr. Eberhard Grundmann

Rot Braun (Eberhard Grundmann)

  Ein Ei und noch ein Ei ei ei wie einerlei sind die Roten und die Braunen, ist es nicht zum Staunen, selbst die Farben sind beinand und ihr Wesen ist verwandt für die Opfer jedenfalls wie im Falle Buchenwalds. Am Ende sind sie tot bei Braun und Rot.   Copyright Dr. Eberhard Grundmann

Schicksal einer Partei (Eberhard Grundmann)

   Eugenius Gutedel gründete eine Partei. Die PDGA, die Partei der Guten Absichten. Er benötigte für den Anfang 100 gute und edle Mitstreiter. Er fand sie nicht und nahm, was er sonst so bekam. Lange Zeit ging nichts voran, dann, zufällig, lief die Sache an. Einige der unedlen Kameraden rissen das Heft an sich und änderten den Kurs. Sie schlossen Eugenius aus der Partei aus, denn seine Ideen störten. Die PDGA war nun eine Partei wie alle anderen, sie diente…

Turpis Patria (Eberhard Grundmann)

  Vaterland, mein Vaterland, mit welchem Recht hast du dich väterlich genannt? Was hast du von allem Anfang an deinen Landeskindern angetan? Mit Fron und Steuern hast du sie erdrückt, in Kriege ohne Ende sie geschickt, ihre Freiheit hast du eingeengt, ins Gefängnis hast du sie gezwängt, du hast sie bespitzelt und belogen, um der Arbeit Früchte sie betrogen, zu Knechten und Lakaien sie erzogen immer und immer im Namen des Vaterlands. Amen. Erst mit allerletztem Wimpernschlag tritt ein Pflegevater…

Wennemann und Aberach – eine Gedichtserie (Eberhard Grundmann)

Wennemann und Aberach Wennemann und Aberach wohnten schon vor allen Zeiten immer unterm selben Dach zu dem Behufe, sich zu streiten. Soviel der beiden auch ein jeder der Thesen schmiedet wohl zu Hauf – der andre spießt mit spitzer Feder sie durch die Antithese auf.   Vorstellung Das Jahr dreizehn haben sie erkoren, im Jahr dreizehn wurden sie geboren, Zwillingsbrüder zwischen Wenn und Ach – es sind Wennemann und Aberach. Beide sind, ich will es hier erklären, etwa mittleren bis…

Ein Mann wie ein Baum (Dietrich Weller)

Siegmund Kraft wurde 1945 in Bremen geboren. Sein Vater fiel kurz vor Siegmunds Geburt in einem der letzten Gefechte in Russland. Die Mutter zog den Jungen liebevoll auf und verdiente als Lehrerin den Lebensunterhalt. Siegmund entdeckte früh seine Liebe zum Langlauf und lief ein Jahr vor dem Abitur den ersten Marathon. Auch dadurch lernte er, mit Disziplin schwierige Momente zu bewältigen und gegen innere Widerstände bis zum selbst gesetzten Ziel auszuhalten. Seine Mutter erzog ihn im ehrenden Gedanken an den…

Warum eigentlich nicht? (Dietrich Weller)

  Schon als Kind hat Peter unter den gnadenlosen Hänseleien seiner Mitschüler gelitten. Bei jeder Gelegenheit verspotteten sie ihn wegen seines Übergewichts. Er versuchte, seine Vorliebe für Marzipan zu verbergen. Aber einmal, als er kurzatmig hinter dem Fußball herlief, rief ein Klassenkamerad: „Du brauchst noch ein paar Marzipankugeln, dann wirst du schneller!“ – So hatte Peter seinen Spitznamen weg. Und als dann auch noch einer der Kameraden mit ihm in die Hotelfachschule ging und Peters empfindlichsten Punkt preisgab, wurde Peter…

Der Biber und die Gans (Klaus Kayser)

  Der Biber platscht so gerne beim Schwimmen mit dem Schwanz. Das hörte aus der Ferne neugierig eine Gans. Sie kommt herbei geflogen, setzt sich zu ihm hin: Dein Schwanz ist nicht verbogen, meiner ist so klein und dünn. Der Biber sagt verlegen: Er ist halt groß und breit. Ich kann ihn gut bewegen. Ich komm mit ihm sehr weit. Er hilft mir tauchen, schwimmen, klatscht Wasser in mein Haus. Und beim Land erklimmen, ruh ich mich auf ihm aus.…

Die Feier (Klaus Kayser)

  Ein Rabe, ein Hase, ein Fuchs und ein Schwein, die fühlten sich einsam und so allein. Der Fuchs lud sie alle zum Feiern ein: den Raben, den Hasen, sich selbst und das Schwein. Was wollt ihr speisen, fragt er galant und reicht dem Schwein seine Vorderhand. Was ihr auch wollt, alles kommt frisch aus unseren Landen gekocht auf den Tisch. Der Hase nähert sich froh aus dem Feld. Ich hätte gern Bier und Salat bestellt. Gern, sagt der Fuchs,…

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