-
Beharrlich
(31.7.2020)
in Erinnerung an Dorothee Sölle (1929-2003)
Es ist eine durchaus lehrreiche Zeit
Wie die massive Überflutung eines Ameisenbaus
wütet die planmäßig geschürte, tiefgreifende Angst
in unserer zutiefst kranken Gesellschaft
So verfällt schmerzhaft mancher Zeitgenosse
geistig in eine erregte Lähmung
beschäftigt sich getrieben
mit dem vergrößerten Ausschnitt der Gegebenheiten
und vergisst dabei sträflich
die besonnene Betrachtung des ganzen GeschehensGerade deshalb rede ich beharrlich
von den grundlegenden Ursachen der jetzigen Schieflage
die viele Denker nicht anpacken möchten
aufgrund ihrer Vorgeschichte
aus trügerischer Bequemlichkeit
oder aus Macht- und Geldgier
Mit Liebe, Freude und Leidenschaft
spreche ich von der Sehnsucht nach Wärme und Nähe
und von dem schöpferischen Licht
das in jedem Lebewesen fließt֎֎֎
-
Getreuliche Hoffnung
(11.7.2020)
Inspiriert durch ein Gedicht des iranischen Poeten Houshang Ebtehaj (Saye) (1928 geboren) entstand der folgende Text.
Du! Unsichtbares Samenkorn
und doch für mich spürbar
wie mein eigener Atem
Steh auf aus dem winterlichen SchlafSteh auf
Schau! Mit jedem Teil meines Herzens
habe ich dich tagein, tagaus
mit Sonnenschein ernährt
Feindseligkeiten und Hohn trotzend
voller Liebe und Leidenschaft
habe ich dich vor den Böswilligen behütetSteh auf aus dem winterlichen Schlaf
Steh auf
In meiner Brust gab es manchmal
nur Asche und Glut, und doch
habe ich für dich stets beharrlich
ein würdiges Feuer entfacht
Steh auf aus dem winterlichen Schlaf
Steh auf֎֎֎
-
Hutewald Halloh
(7.7.2020)
für Ulli, Wolfgang und Bella
Umarme die uralten Bäume
Gehe hinein in den hohlen Stamm
Öffne deines Herzens Augen
Ein Blick
Einblick
Öffne deines Herzens Ohren
Ein Wort
Besinnung
Begreife die uralten Bäume
Befreite Zärtlichkeit
Zärtliche Befreiung֎֎֎
-
Lebensmittel
(28.6.2020)
Du bist
was du isst
las ich einst irgendwo
So ernähre ich mich gezielt
von dem Trost der Tauperlen
wenn sich das Morgenrot auf ihnen spiegelt
von dem lieblichen Ratschlag der Vögel
sichtbar und versteckt im Geäst
von dem belebenden Lachen der Kinder
wenn sie entdecken und begreifen֎֎֎
-
Marsch! Marsch!
(28.6.2020)
Der Tyrann verkündete
Am Ende der Welt ist ein Berg
Auf seinem Gipfel ist eine Schlachtbank
Geht geordnet hin
und wartet dort auf euren Henker
Brav befolgten die Untertanen den Befehl֎֎֎
-
Pure Wissenschaft
(22.6.2020)
Es steht nicht eindeutig fest
was und wie genau gemessen wird
Wer unter solchen Bedingungen
unbedacht viel misst
misst unweigerlich viel Mist֎֎֎
-
Die Fuldawiesen
(30.5.2020)
Parallel zum Fahrradweg
breitet sich ein Meer aus
am Horizont umschlungen
von Wäldern und Hügeln
Es spricht mit mir
kraftvoll dunkelgrün
ermutigend pistaziengrün
liebevoll gelb und grün verwebt
Ab und an grüßen Farbflecken funkelnd
wie gelbe, weiße, tiefrote, blaue Boote
Greifvögel hier und da auf der Jagd
Kühe gemächlich bei ihren Kälbern
Stuten stolz neben ihren Fohlen
Ich lasse die Stadt hinter mir
und mit ihr die MenschenIn dieser bewegenden Zeit
haben augenscheinlich zahlreiche
bis gestern als Gelehrte geltende Größen
das einfache Alphabet
erbärmlich verlernt
und basale Maßstäbe
verräterisch vergessen
Nun laufen sie aufgeschreckt-zerstreut
in einem breit angelegten Irrgarten
Eine Wüste bedrückender Befindlichkeiten
ein Sumpf berstender Fehden
erschlagen den weiten Blick
ersticken die ganzheitliche Betrachtung
Die Machenschaften der Machthaber
zeigen ihre fatalen Früchte
Die Jahrzehnte lang
bedacht beschränkt gehaltene Allgemeinbildung
die gigantische Beeinflussung der Sinne
die breite Entwurzelung der Menschen
gebären nicht unerwartet
grobes GebarenAuf dem Rückweg nach Hause
genieße ich das sanfte farbenfrohe Meer
sauge seine Weisheiten auf
beherzige seine Botschaften
bereinige meine Wahrnehmung
gestalte geordnet meine Gedanken
und betrachte den beträchtlichen Gegenwind
mit einem Lächeln im Herzen֎֎֎
-
(17.5.2020)
Wenn ich die Mutter Erde
endgültig eng warm umarme
werden Regenwürmer sich fröhlich schlängeln
Ameisen ihre prächtigen Hügel rege bauen
Kirschbäume Fruchtkörbe freigebig füllen
Birkenzweige in der Brise bezaubernd baumeln
Mohnblumen den Lebensmut sanft besingen
Wenn ich die Mutter Erde
endgültig eng warm umarme
wird der Wind mich mitnehmen
auf seiner weiten Reise
über Berge, Wüsten und Wälder
zu Geburtsstätten heller Wasserquellen
zu türkisblauen Meeren des Freimuts֎֎֎
-

A swan is the symbol of wisdom, sincere love, fidelity to the partner, innocence, purity, strength, and courage.
They are in close relationship with the luminous gods and a sacred possessor of magical powers linked to music and singing, combined with the therapeutic powers of sun and water.
The swan also represents the inner light and harmony of the human spirit, the divine spark in man.
The flight of swan is compared to the return of the spirit to its source. The swan represents the part of the man who tends to develop the good to himself in perception and spirituality,
This symbolism arises from the transformation of the ungainly chick into a majestic swan, whose look can push beyond the world of appearances and see in the future.
The swan song is a metaphorical expression for the final artistic effort of a musician or poet. It refers to an ancient credence that swans sing a beautiful song before they are to die, having been silent during their lifetime.
Dr. med. André Simon © Copyright
Übersetzung von Dietrich Weller
Der Schwan
Ein Schwan ist das Symbol von Weisheit, echter Liebe, Treue zum Partner, Unschuld, Reinheit, Stärke und Mut. Sie stehen in enger Beziehung mit den leuchtenden Göttern und sind heilige Eigentümer magischer Kräfte, die mit Musik und Gesang verbunden sind, kombiniert mit der therapeutischen Kraft von Sonne und Wasser.
Der Schwan stellt auch das innere Licht und die Harmonie des menschlichen Geistes dar, den göttlichen Funken im Menschen.
Der Flug des Schwans wird verglichen mit der Rückkehr des Geistes zu seiner Quelle. Der Schwan steht für den Teil des Menschen, der dazu neigt, das Gute bei Wahrnehmung und Spiritualität für sich zu entwickeln.
Dieses Symbol entsteigt aus der Veränderung des unbeholfenen Kückens zu einem majestätischen Schwan, dessen Blick uns jenseits der Welt der Erscheinungen schickt und in die Zukunft sehen kann.
Der Schwanengesang ist ein bildhafter Ausdruck für die letzte künstlerische Anstrengung eines Musikers oder Dichters. Er bezieht sich auf einen althergebrachten Gauben, dass Schwäne ein wunderbares Lied singen, bevor sie sterben sollen, nachdem sie ihr Leben lang still waren.
