Schlagwort: Natur

  • Beharrlich

    (31.7.2020)

    in Erinnerung an Dorothee Sölle (1929-2003)

    Es ist eine durchaus lehrreiche Zeit
    Wie die massive Überflutung eines Ameisenbaus
    wütet die planmäßig geschürte, tiefgreifende Angst
    in unserer zutiefst kranken Gesellschaft
    So verfällt schmerzhaft mancher Zeitgenosse
    geistig in eine erregte Lähmung
    beschäftigt sich getrieben
    mit dem vergrößerten Ausschnitt der Gegebenheiten
    und vergisst dabei sträflich
    die besonnene Betrachtung des ganzen Geschehens

    Gerade deshalb rede ich beharrlich
    von den grundlegenden Ursachen der jetzigen Schieflage
    die viele Denker nicht anpacken möchten
    aufgrund ihrer Vorgeschichte
    aus trügerischer Bequemlichkeit
    oder aus Macht- und Geldgier

    Mit Liebe, Freude und Leidenschaft
    spreche ich von der Sehnsucht nach Wärme und Nähe
    und von dem schöpferischen Licht
    das in jedem Lebewesen fließt

    ֎֎֎    

  •                                             

     The Seastars                                                

    A terrible storm burst over a distant sea. Giant waves broke onto the beach and ran back to the sea floor, throwing small sea creatures, onto the shore tens of meters from the sea`s edge. The storm passed, as fast as it had come, the tide retreated. Now the beach was an expanse of sand in which thousands of sea-stars fluttered in agony, almost dying. The phenomenon attracted many people. Held by his father’s hand, there was a boy named Lionel, staring at the small sea- stars with his eyes tearful and full of sadness. Suddenly, he took off his shoes and socks and ran along the beach, picked up a sea- star, and still running threw it back into the sea. 
    He continued to repeat the operation.  A “smart” man exclaimed: „What are you doing, child?“
    „The sea- stars swim in the sea, otherwise they will all die, if left on the beach“, said Lionel, without stopping. 
    And the man alleged: “But there are hundreds of sea-stars on this beach: you cannot save them all!!!“
    Lionel smiled and replied” These three are now saved.”                        
    The man stood silent for a moment, then took off his shoes and socks, and started collecting sea-stars as well, and throwing them back into the sea.  
    A few minutes later, following the man’s example, all the observers joined the boy them and began throwing the sea stars into the sea as well. 

    „To change the world, it would be sufficient only for one person, even small or even young, to have the courage to begin something.“   

    Modified after the story by Patrick Porter in “Discover the Language of the Mind”  

    Übersetzung von Dietrich Weller

    Die Seesterne

    Ein schrecklicher Seesturm entlud sich krachend  über ein entfernt liegendes Meer. Riesige Wellen brachen sich am Strand und flossen über den Seegrund zurück, wobei sie kleine Meerestiere zig Meter vom Meeresrand entfernt auf den Strand schleuderten. Der Sturm ging so rasch vorbei, wie er gekommen war. Die Gezeiten ebbten ab. Jetzt war der Strand eine Weite von Sand, in der Tausende von Seesternen in Agonie  zuckten, dem Tod nahe.
    Diese Erscheinung zog viele Menschen an.
    An der Hand seines Vaters, war da ein Junge namens Lionel, der mit Tränen in seinen Augen und voll Traurigkeit die Seesterne anstarrte. Plötzlich zog er seiner Schuhe und Socken aus und rannte den Strand entlang, hob einen Seestern auf und warf ihn im Rennen ins Meer zurück. Das wiederholte er  ganz oft. Ein „schlauer“ Mann rief: „Was machst du, Kind?“ – „Die Seesterne schwimmen im Meer, sonst sterben sie alle, wenn sie am Strand liegen gelassen werden!“, sagte Lionel ohne aufzuhören. Und der Mann behauptete: „Aber es gibt Hunderte von Seesternen auf dem Strand, du kannst sie nicht alle retten!!!“
    Lionel lächelte und antwortete: „Diese drei sind jetzt gerettet.“
    Der Mann verharrte einen Moment schweigend, dann zog er seine Schuhe und Socken aus und begann ebenso, Seesterne zu sammeln und sie ins Meer zurück zu  werfen. Ein paar Minuten später folgten alle Beobachter dem Beispiel des Mannes und schlossen sich dem Jungen an und begannen, die Seesterne ebenfalls ins Meer zurück zu werfen.

    Um die Welt zu verändern, würde eine Person ausreichen, egal ob klein oder jung, die den Mut hat, etwas anzufangen.

    Verändert nach der Geschichte von Partick Porter in „Entdecke die Sprache des Geistes“

  • Getreuliche Hoffnung

    (11.7.2020)

    Inspiriert durch ein Gedicht des iranischen Poeten Houshang Ebtehaj (Saye) (1928 geboren) entstand der folgende Text.

    Du! Unsichtbares Samenkorn
    und doch für mich spürbar
    wie mein eigener Atem
    Steh auf aus dem winterlichen Schlaf

    Steh auf
    Schau! Mit jedem Teil meines Herzens
    habe ich dich tagein, tagaus
    mit Sonnenschein ernährt
    Feindseligkeiten und Hohn trotzend
     voller Liebe und Leidenschaft
    habe ich dich vor den Böswilligen behütet

    Steh auf aus dem winterlichen Schlaf
    Steh auf
    In meiner Brust gab es manchmal
    nur Asche und Glut, und doch
    habe ich für dich stets beharrlich
    ein würdiges Feuer entfacht
    Steh auf aus dem winterlichen Schlaf
    Steh auf

    ֎֎֎

  • Hutewald Halloh

    (7.7.2020)

    für Ulli, Wolfgang und Bella

    Umarme die uralten Bäume
    Gehe hinein in den hohlen Stamm
    Öffne deines Herzens Augen
    Ein Blick
    Einblick
    Öffne deines Herzens Ohren
    Ein Wort
    Besinnung
    Begreife die uralten Bäume
    Befreite Zärtlichkeit
    Zärtliche Befreiung

    ֎֎֎

  • Lebensmittel

    (28.6.2020)

    Du bist
    was du isst
    las ich einst irgendwo
    So ernähre ich mich gezielt
    von dem Trost der Tauperlen
    wenn sich das Morgenrot auf ihnen spiegelt
    von dem lieblichen Ratschlag der Vögel
    sichtbar und versteckt im Geäst
    von dem belebenden Lachen der Kinder
    wenn sie entdecken und begreifen

    ֎֎֎

  • Marsch! Marsch!

    (28.6.2020)

    Der Tyrann verkündete
    Am Ende der Welt ist ein Berg
    Auf seinem Gipfel ist eine Schlachtbank
    Geht geordnet hin
    und wartet dort auf euren Henker
    Brav befolgten die Untertanen den Befehl

    ֎֎֎

  • Pure Wissenschaft

    (22.6.2020)

    Es steht nicht eindeutig fest
    was und wie genau gemessen wird
    Wer unter solchen Bedingungen
    unbedacht viel misst
    misst unweigerlich viel Mist

    ֎֎֎

  • Die Fuldawiesen

    (30.5.2020)

    Parallel zum Fahrradweg
    breitet sich ein Meer aus
    am Horizont umschlungen
    von Wäldern und Hügeln
    Es spricht mit mir
    kraftvoll dunkelgrün
    ermutigend pistaziengrün
    liebevoll gelb und grün verwebt
    Ab und an grüßen Farbflecken funkelnd
    wie gelbe, weiße, tiefrote, blaue Boote
    Greifvögel hier und da auf der Jagd
    Kühe gemächlich bei ihren Kälbern
    Stuten stolz neben ihren Fohlen
    Ich lasse die Stadt hinter mir
    und mit ihr die Menschen

    In dieser bewegenden Zeit
    haben augenscheinlich zahlreiche
    bis gestern als Gelehrte geltende Größen
    das einfache Alphabet
    erbärmlich verlernt
    und basale Maßstäbe
    verräterisch vergessen
    Nun laufen sie aufgeschreckt-zerstreut
    in einem breit angelegten Irrgarten
    Eine Wüste bedrückender Befindlichkeiten
    ein Sumpf berstender Fehden
    erschlagen den weiten Blick
    ersticken die ganzheitliche Betrachtung
    Die Machenschaften der Machthaber
    zeigen ihre fatalen Früchte
    Die Jahrzehnte lang
    bedacht beschränkt gehaltene Allgemeinbildung
    die gigantische Beeinflussung der Sinne
    die breite Entwurzelung der Menschen
    gebären nicht unerwartet
    grobes Gebaren

    Auf dem Rückweg nach Hause
    genieße ich das sanfte farbenfrohe Meer
    sauge seine Weisheiten auf
    beherzige seine Botschaften
    bereinige meine Wahrnehmung
    gestalte geordnet meine Gedanken
    und betrachte den beträchtlichen Gegenwind
    mit einem Lächeln im Herzen

    ֎֎֎

  • (17.5.2020)

    Wenn ich die Mutter Erde
    endgültig eng warm umarme
    werden Regenwürmer sich fröhlich schlängeln
    Ameisen ihre prächtigen Hügel rege bauen
    Kirschbäume Fruchtkörbe freigebig füllen
    Birkenzweige in der Brise bezaubernd baumeln
    Mohnblumen den Lebensmut sanft besingen
    Wenn ich die Mutter Erde
    endgültig eng warm umarme
    wird der Wind mich mitnehmen
    auf seiner weiten Reise
    über Berge, Wüsten und Wälder
    zu Geburtsstätten heller Wasserquellen
    zu türkisblauen Meeren des Freimuts

    ֎֎֎

  •  

    A swan is the symbol of wisdom, sincere love, fidelity to the partner, innocence, purity, strength, and courage.

    They are in close relationship with the luminous gods and a sacred possessor of magical powers linked to music and singing, combined with the therapeutic powers of sun and water.

    The swan also represents the inner light and harmony of the human spirit, the divine spark in man.

    The flight of swan is compared to the return of the spirit to its source. The swan represents the part of the man who tends to develop the good to himself in perception and spirituality,

    This symbolism arises from the transformation of the ungainly chick into a majestic swan, whose look can push beyond the world of appearances and see in the future.

    The swan song is a metaphorical expression for the final artistic effort of a musician or poet. It refers to an ancient credence that swans sing a beautiful song before they are to die, having been silent during their lifetime.

    Dr. med. André Simon © Copyright

    Übersetzung von Dietrich Weller

    Der Schwan

    Ein Schwan ist das Symbol von Weisheit, echter Liebe, Treue zum Partner, Unschuld, Reinheit, Stärke und Mut. Sie stehen in enger Beziehung mit den leuchtenden Göttern und sind heilige Eigentümer magischer Kräfte, die mit Musik und Gesang verbunden sind, kombiniert mit der therapeutischen Kraft von Sonne und Wasser.

    Der Schwan stellt auch das innere Licht und die Harmonie des menschlichen Geistes dar, den göttlichen Funken im Menschen.

    Der Flug des Schwans wird verglichen mit der Rückkehr des Geistes zu seiner Quelle. Der Schwan steht für den Teil des Menschen, der dazu neigt, das Gute bei Wahrnehmung und Spiritualität für sich zu entwickeln.

    Dieses Symbol entsteigt aus der Veränderung des unbeholfenen Kückens zu einem majestätischen Schwan, dessen Blick uns jenseits der Welt der Erscheinungen schickt und in die Zukunft sehen kann.

    Der Schwanengesang ist ein bildhafter Ausdruck für die letzte künstlerische Anstrengung eines Musikers oder Dichters. Er bezieht sich auf einen althergebrachten Gauben, dass Schwäne ein wunderbares Lied singen, bevor sie sterben sollen, nachdem sie ihr Leben lang still waren.