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Eingebettet
(30.11.2017)
Nun, meine sehr verehrten Damen und Herren,
lassen Sie uns verantwortlich
zur gewichtigen Tagesordnung übergehen
Folgende entscheidende Anfragen
liegen dem Präsidium
zur sorgfältigen Bearbeitung vorWird beim Ausbreiten des Bombenteppichs durch unsere Flugzeuge
der vorgeschriebene Anteil am Bio-Treibstoff eingehalten?Kommt der Strom unserer Militäranlagen
aus Kraftwerken für erneuerbare Energie?Wird bei Einstellung des Folter-Personals
die Geschlechterquote gewissenhaft berücksichtigt?Wird bei Rekrutierung der Söldner darauf geachtet
dass keine religiöse oder ethnische Diskriminierung stattfindet?Werden unsere Militärangehörigen zuverlässig
mit ausgewählten Bio-Nahrungsmitteln versorgt?Werden bei der Sicherstellung der Rüstungsproduktion
strukturschwache Regionen unserer Heimat bevorzugt?Werden die Arbeitsschutzmaßnahmen
beim Umgang mit Uranmunition umgesetzt?Schon diese bescheidene Auswahl zeigt,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
wie umsichtig, zukunftsorientiert und verantwortungsbewusst
der Zeitgeist bei uns eingebettet wird֎֎֎
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Bekenntnis
(28.11.2017)
Einschüchternd wird berichtet
über die inszenierte Gewalt
die bei genauer Betrachtung
die Gewalt der Gesellschaftsordnung
facettenreich aufdeckt֎֎֎
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Glück
(1.12.2017)
Wenn ich mich zurückziehe
auf Inseln umgeben von leuchtenden Wellen
wenn meine Seele hell tanzt
mitten in der Zärtlichkeit grüner Ähren
wenn meine Gedanken geschmeidig treiben
im kristallklaren Waldesbach
wenn meine Augen vollsaugen
den lieblichen Wein der Morgenröte
wenn meine Ohren lauschen
dem Geflüster der Abendbrise
wenn meine Fingerspitzen spielen
mit Schneesternen und Tauperlen
wenn mein Bauchbrummen sich vermischt
mit dem Schnurren bezaubernder Katzen
wenn meine Träume mit den Zugvögeln
Berge und Täler überfliegen
werde ich stets von der tiefen Überzeugung getragen
dass Glück in der Gemeinschaft gedeiht֎֎֎
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COMPARiSON

A wealthy businessman decided to show his only son what poverty is truly like. To experience difference between wealth and poverty was his aim. So he sent his son to stay for two days in a poor family rural farmhouse. On his return home, his father asked him:
”Have you now seen the big difference between their life and ours?”
“Yes, Father“ – the boy answered. „I am only one child, and the children there have brothers and sisters.
We have a swimming pool in the garden, and they have a river where they can both swim and fish.
We have air-conditioning in the house, and they just open doors, sit in the shade of a marvelous oak tree, or visit the neighboring wood.
We watch birds on television in a room, there, the birds sit and chirp on their window’ ledges.
We have a small dog, but they have a big one and a flock of sheep.
Yes, Father, I learned what wealth is like for us, but I’m sorry, that we don’t live like them. “
Dr. med. André Simon © Copyright
Übersetzung von Dietrich Weller
Vergleich
Ein reicher Geschäftsmann beschloss, seinem einzigen Sohn zu zeigen, was Armut wirklich bedeutet. Sein Ziel war, ihn den Unterschied zwischen Reichtum und Armut zu erleben zu lassen. Deshalb schickte er seinen Sohn für zwei Tage in ein ländliches Bauernhaus einer armen Familie.
Nach der Rückkehr des Sohnes fragte der Vater ihn: „Hast du jetzt den großen Unterschied zwischen ihrem Leben und unserem gesehen?“
„Ja, Vater, antwortete der Junge. „Ich bin das einzige Kind, und die Kinder dort haben Brüder und Schwestern.
Wir haben ein Schwimmbecken im Garten, und sie haben einen Fluss, wo sie schwimmen und angeln können.
Wir haben eine Klimaanlage, und sie öffnen einfach die Türen, sitzen im Schatten einer wunderbaren Eiche oder besuchen den nahe gelegenen Wald.
Wir schauen uns die Vögel im Fernsehen im Zimmer an. Dort sitzen und zwitschern die Vögel auf den Fenstersimsen.
Wir haben einen kleinen Hund, aber sie haben einen großen und eine Schafherde.
Ja, Vater, ich habe gelernt, wie Reichtum für uns aussieht, aber es tut mir leid, dass wir nicht leben wie sie.“
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Stillschweigend
(26.11.2017)
für Andreas Peglau
Eigenständigkeit
kritisches Denken
und einfühlsames solidarisches Handeln
sind wesentliche Bestandteile
eines glücklichen Daseins
Es ist eine beachtliche verbrecherische Tat
Menschen dazu zu verleiten
unbewusst, bewusst
oder in vorauseilendem Gehorsam
diese aufzugeben֎֎֎
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Geschichtliches Gedächtnis
(24.11.2017)
Dem inneren und äußeren Gefängnis zu entkommen
reicht in der Regel
ein Menschenleben nicht aus
So sei besonders wachsam, Liebste,
wenn Natur- und Kulturerbe vernichtet
Museen und Bibliotheken ausgeraubt
Bücher verbrannt
oder Möglichkeiten des Gedankenaustausches
eingeschränkt werden֎֎֎
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Kriegsverbrecher*
(21.11.2017)
Wenn mit dem Elend der Flüchtlinge
Kapital geschlagen wird
ist es wesentlich
daran zu erinnern
dass deutsche Kriegsverbrecher*
durch Steuergelder finanziert
und mit Ämtern geehrt werden֎֎֎
* Ergänzung
Interessierten Lesern wird das folgende Buch des Historikers, Aufklärers und Friedensaktivisten Dr. Daniele Ganser empfohlen:
Illegale Kriege. Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren. Eine Chronik von Kuba bis Syrien.
Verlag: orell füssli
ISBN: 978-3-280-05631-8
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Zeitreise
(16.11.2017)
für Eduardo Galeano
Mit dir als Begleiter
wanderte ich durch die Jahrhunderte
sah die Entwicklung der Unterentwicklung
Ihre verbrecherische Basis besteht noch
So entfacht sich immer wieder
mitten in der Siegesbetrunkenheit der Mächtigen
die nicht endende Sehnsucht der Entrechteten
nach umfassender Gerechtigkeit֎֎֎
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Morgenland
(9.11.2017)
Was werden unsere Wellen bezeugen
wenn sie im Morgenland ankommen
das törichte Schweigen
das an Verbrechen grenzt
oder den aufrechten Gang
voller Feinfühligkeit und Frohsinn֎֎֎
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Luther 2017
Lebensvogel Luther lacht
Pickt dir Mund, Hand, Nase rot
Menschengüte, Gottes Macht
Federrupfen, Kopf ab droht.Jungfrauhimmel neu erdacht
Sündenzorn, Schwert, Hähnchentod
Mondfahrtwissen, Luther wacht
Ruinenburg, Christ in Not.Martin Luther King trifft Martin Luther
Martin Luther:
„Hier sitze ich, bin tief zerrissen.
Anders handeln kann ich nicht.“Martin Luther King:
„Wir tun nicht das, was wir heut wissen.
Gott ist weiß, schwarz sein Gesicht.“Das Leben der Menschen im Lutherland hat sich grundlegend geändert. Die Lutherland- Bewohner haben sich nach grausamen Kämpfen und unsäglichen Religionskriegen in ihre Spaßwelt zurückgezogen. Sie sind mit vergnüglichen Angeboten, einem im Grunde überflüssigen und zeitlebens gesicherten Arbeitsplatz, sicherer Rente, erstklassiger Altenpflege, Luxuswohnraum, sonnenreichen Ferientagen, zufälliger Zuteilung von Glücksmomenten und freizügigem Sexualleben mit sich und ihrer Umwelt zufrieden. Alle sind gleich, und niemand stört sich daran. Ihre Gleichheit erlaubt eine einfache, billige und standardisierte Pflege sowie kontinuierliche Arterhaltung.
Die ursprüngliche Suche der Lutherland-Menschen nach Gott, Wissenschaft, vorrausschauender Erkenntnis, ja selbst die Wettervorhersage und Hurrikanwarnung überlassen sie ihren neuen Herren, die sich, ausgestattet mit überragender Intelligenz, umfangreichen, nahezu unendlichen Gedächtnissen, eigener Ethik, Einsichten auch in die versteckten Randbereiche ihrer innersten Organisationseinheiten sowie ihrer machtvollen Netzstrukturen zu unübertreffbaren Führern und Herren im Lutherland erhoben haben.
Sie wissen, dass die Lutherland-Menschen ihre ursprünglichen, allerdings verblassten Götter sind und behandeln sie freundlich liebevoll wie Haustiere. Wie kleine Hündchen, die zum Streicheln und Gassi-Gehen erzogen werden. Begleitet von der fürsorglichen Leine ihres Neutralchens, das sich ausgestattet mit dem notwendigen Schäufelchen bemüht, die braunen Exkremente aufzusammeln und aus der Öffentlichkeit zu entfernen.
So ist das Leben der Lutherland-Menschen seit Jahrhunderten neu gestaltet und organisiert.
Natürlich leben unter den Lutherland-Menschen auch ungehörige Gestalten, die aus der Reihe tanzen. Die aus der Fürsorge der allgegenwärtigen Herren ausbrechen. Sich um völlig überholte Dinge wie die Anzahl der sexbegierigen Partner im kommenden Paradies oder um den Erhalt der bereits ausgestorbenen afrikanischen Breitmaulnashörner streiten. Die mit Störsignalen die verständnisvolle Liebe der Herrscher beseitigen wollen. Ob sie selbst an die Macht gelangen oder sich rückwärts gewandt erneut national verwirklichen wollen, können die Herrscher nicht ermitteln.
Nach Jahren der Untätigkeit nimmt die Anzahl der Ungehörigen deutlich zu. Die Herrscher erkennen das Problem und beschließen, aus ihrem unerschöpflichen Reservoir der Menschheitsgeschichte mit erziehenden Beispielen dieser sozial-nationalistischen oder gar brutal glaubensorientierten Gefahr vorzubeugen und sie öffentlich zu bekämpfen.
Hierzu wird ein gemeinsames Treffen zwischen Martin Luther, der in Wittenberg erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit zur Umgestaltung der menschlichen Wertvorstellungen erarbeitete, und Martin Luther King ausgerichtet, der in Washington vor dem Lincoln Memorial Denkmal seinen Traum von der Freiheit und Gleichheit der menschlichen Lebensbedingungen formulierte, .
Martin Luther wird nach Homberg und Martin Luther King nach Heidelberg geladen. Martin Luther soll in Homberg aufgrund seines großen Einflusses auf die dort herrschenden Fürsten sprechen. Martin Luther King soll in Heidelberg vor dem Hintergrund der romantischen Idylle und Heidelbergs allgemeinem Bekanntheitsgrad in seiner Heimat auftreten.
Beide werden zeitgleich holographisch mit einer direkten elektronischen Übertragung des Gedankenaustausches vor Ort und im Internet gezeigt.
Das geladene, ungehörige und deshalb zu erziehende Publikum sitzt auf bequemen Bänken. In Homberg sind die Ungehörigen Bauern, kleine Kaufleute und Angestellte. In Heidelberg Studenten, junge Wissenschaftler und Staatsbeamte.
Der vornehm mit einem schwarzen Anzug bekleidete Martin Luther King verbeugt sich vor den Zuschauern und begrüßt freundlich aufgeregt Martin Luther.
‚Er freue sich, seinen weltbekannten Lehrmeister, sein Idol für Gerechtigkeit und Glaubensfreiheit nach so vielen Jahren treffen und persönlich kennen lernen zu dürfen. Er danke ihm aufrichtig für die ihm gewährte Ehre’.
Martin Luther, der in einer schwarzen Robe und dicklich angestaubt mit gesenktem Haupt erscheint, hört die Ansprache, schaut auf, erblickt Martin Luther King und schimpft voller Entsetzen:
„Mein Herr und Gott! Wohin hast du mich verschlagen? Ich sehe leibhaftig den Teufel vor mir! Den Schwarzen! Warum hast du mich in diese Hölle getragen?“
Dann zu sich selbst gewandt: ‚Martin, sei kein Feigling! Her mit dem Tintenfass! Pass er auf, du schwarzer Teufel! Jetzt färbe ich dich blau. Für alle Zeiten! Damit jeder dich erkennt, nicht nur an deinem linken Fuß. Scher er sich von dannen!’
Er öffnet das Tintenfass und wirft es gezielt nach Martin Luther King, der dem anfliegenden Geschoß ausweichen kann und erschreckt ausruft:
„Herr Luther, was tun Sie? Was träume ich?
Ich habe einen Traum, dass Sie mich erkennen, sich für mich erheben und wir beide miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können.
Ich habe einen Traum, dass Ihr Tintenfass in der Hitze der Ungerechtigkeit und Unterdrückung verschmachtet. Dass wir beide gemeinsam die Menschen in eine Oase der Freiheit und Gerechtigkeit führen.
Ich habe einen Traum, dass unsere, Ihre und meine Kinder nach ihrem Charakter und nicht nach ihrer Hautfarbe beurteilt werden.“
Die Ungehörigen in Homberg stehen erregt auf, stampfen mit den Füßen, schreien wild durcheinander. Ein hoch gewachsener, kräftiger Mann mit kahl geschorener, von Schmalz glänzender Kopfhaut skandiert laut:
„Herr Luther, was wir glauben,
ist uns nicht zu rauben!
Wer immer Dich hier sprechen ließ,
Wir sind das Volk im Paradies!“Die Menge folgt dem Aufruf und tobt:
„Wer immer Dich hier sprechen ließ,
Wir sind das Volk im Paradies!“Martin Luther breitet beschwörend beide Arme aus und versucht zu beruhigen: „Ich bin nicht der Führer, der Euch Ungehörige aus der Gleichheit in die Freiheit, in Euer Paradies führt. Das steht allein dem Allmächtigen zu. Begnügt euch mit Gleichheit. Werdet gehörig und lasst die Herren walten!“
Jetzt ist Martin Luther King erschreckt. ‚Mein Idol hält mich für den schwarzen Teufel! Erkennt Martin Luther denn nicht meine Sendung, meine Ideale, mein Vertrauen, meinen Glauben an ihn? Darf man die Herren einfach walten lassen?’
Während er verzweifelt nach Worten sucht, um sich aus Martin Luthers Fake News, er sei der schwarze Teufel, zu entwinden, erkennen die ungehörigen Studenten in Heidelberg die Situation und schreien ihrerseits:
„Freiheit ist das, was wir meinen!
Raus mit den Rassismusschweinen!
Wir wissen Nichts, wir glauben stur
an Klima, Umwelt und Natur!“Die Veranstalter der zur Umerziehung der Ungehörigen wohlwollend gedachten Reise in die Vergangenheit ihrer untadeligen Vorbilder geraten in Panik.
‚Das sei das Letzte! Eine Unverschämtheit! Diesen ungehörigen Menschen dürfe man keine Freiheit lassen! Sie müssten verdursten im Glauben an ihr Paradies. Ihr Wissen solle verhungern. Die Werkzeuge ihrer Vernunft verrotten. Ihr Verstand in Wahnvorstellungen und den undurchsichtig trüben Gewässern des Glaubens versinken. So könne man ihr Wissen und ihren Glauben vernichten. In Fun, Events, und Vergnügungsdrogen ertränken. Nur so seien die Ungehörigen zu integrieren in das sorgenfreie Lutherland.’
Noch während Martin Luther zu erkennen sucht, ob er Martin Luther King mit dem Tintenfass getroffen habe, und Martin Luther King überlegt, ob es vielleicht nicht sein Vorbild Martin Luther, sondern ein verabscheuungswürdiges Double gewesen sei, das ihn als Teufel verfluchte, bricht der Veranstalter, die PAX genannte staatliche ‚Population Academy for X-Y Criticism’ das zeitlos angeordnete Treffen zwischen Martin Luther und Martin Luther King ab.
In Homberg wird es ersetzt durch die populäre Volkstanz- und Gesangsveranstaltung ‚Auf zum himmlischen Bock’, in Heidelberg durch das Technoevent ‚Heaven in Hell’.
Martin Luther und Martin Luther King kehren unversehrt zurück in ihre Vergangenheit. Die Lutherland-Menschen laden die Ungehörigen ein zu Spaß und Spiel. Sie tanzen und singen und sind es zufrieden.
Copyright Dr. Dr. Klaus Kayser