Du fragst mich, woher ich stamme?

(1962)

Von Jaleh Esfahani (1921-2007)

Übersetzung aus dem Persischen von Amir Mortasawi und Andreas Schmidt

 

Du fragst mich,
woher ich stamme?
Ich bin nicht sesshaft,
und ziehe umher.
Ich wurde erzogen durch Trauer und Schmerz.
Betrachte die Weltkarte,
mit einem Blick überquer die Ländergrenzen,
zweifelsohne wirst du kein Land finden,
in dem kein aus meiner Heimat Vertriebener lebt. 

Ich bin der unruhige Geist des Schlafwandlers,
in Nächten mit Mondschein,
im Schlaf,
wandere ich auf den unendlichen Felsen der Sehnsüchte.
Mit der Frage,
woher ich stamme,
hast du mich aus diesem goldenen Traum geweckt.
Ich bin vom hohen Dach der Sehnsüchte heruntergefallen
und liege der Mauer der Wirklichkeit zu Füßen. 

Du fragst mich,
woher ich stamme?
Ich komme aus dem Land des Reichtums und der Armut,
von den grünen Hängen des Elburs-Gebirges (1),
vom Ufer des prächtigen Zayanderud (2),
und aus den alten Palästen von Persepolis. 

Du fragst mich,
woher ich stamme?
Ich komme aus dem Land der Dichtung, der Liebe und der Sonne,
aus dem Land des Kampfes, der Hoffnung und der Qual,
aus den Schützengräben der Opfer der Revolution. 

In durstigem Warten brennen meine Augen.
Weißt du jetzt,
woher ich stamme?