Und eine Botschaft unterwegs

Sohrab Sepehri ( 1928-1980 )

 

Eines Tages
werde ich kommen und eine Botschaft mitbringen.
Das Licht werde ich in die Adern gießen.
Und werde ausrufen: „Ihr mit Körben voller Träume!
Ich habe Äpfel gebracht, den roten Apfel der Sonne!“
Ich werde kommen, dem Bettler werde ich einen Jasminzweig geben.
Der schönen leprakranken Frau
werde ich einen weiteren Ohrring schenken.
Dem Blinden werde ich erzählen, wie sehenswürdig der Garten ist.
Ich werde ein fliegender Händler sein,
werde durch die Gassen gehen,
werde ausrufen: „Tau, Tau, Tau“.
Ein Passant wird sagen:
„Der Aufrichtigkeit halber, es ist eine dunkle Nacht“,
ihm werde ich die Milchstraße geben.
Auf der Brücke ist ein Mädchen ohne Bein,
ihr werde ich den Großen Bären am Himmelzelt um den Hals hängen.
Sämtliche Beschimpfungen werde ich auf den Lippen beseitigen.
Sämtliche Mauern werde ich abreißen.
Den Räubern werde ich sagen:
Eine Karawane kam, beladen mit Lächeln!
Die Wolke werde ich zerreißen.
Ich werde zusammenknoten
die Augen mit der Sonne,
die Herzen mit der Liebe,
die Schatten mit dem Wasser,
die Äste mit dem Wind.
Und ich werde miteinander verbinden
den Traum des Kindes mit dem Summen der Grillen.
Drachen werde ich in die Luft steigen lassen.
Blumentöpfe werde ich gießen.
Ich werde kommen,
den Pferden, den Rindernwerde ich das grüne Gras der Zärtlichkeit hinlegen.
Einer durstigen Stute
werde ich den Eimer mit Tauwasser hinstellen.
Einem alten Esel unterwegs
werde ich die Fliegen wegschlagen.
Ich werde kommen und auf jede Mauer
eine Nelke pflanzen. 

Unter jedem Fenster werde ich ein Gedicht singen.
Jeder Krähe werde ich eine Tanne geben.
Der Schlange werde ich sagen,
welche Pracht der Frosch hat.
Ich werde versöhnen.
Ich werde bekannt machen.
Ich werde schreiten.
Das Licht werde ich aufnehmen.
Ich werde lieben.