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Prof. Dr. med. Dr. h.c. Horst Ganz + (Nachruf von Harald Rauchfuß)

am 05. Mai 2016 in Würzburg beim BDSÄ-Kongress mit seiner Frau Hadie (Hadwiga),
am 26. Juni 2019 in Bad Herrenalb beim BDSÄ-Kongress
beide Fotos von Dietrich Weller

aus alter Schweizer Familie stammend – geb. am 25.05.1931 in Berlin-Charlottenburg –unerwartet verstorben am 03.01.2021 in Marburg

Horst Ganz verkörperte einen willensstarken und gleichwohl lustigen Kollegen, stets einem lebhaften Dialog zugeneigt. An einer ungewöhnlichen Lebenskarriere hielt er bis zum Schluss fest. Seine Gedanken boten dem hartnäckigen Wandel zur technisierenden Lebensweise die Stirn.

1942 erlangte die Familie Ganz die deutsche Einbürgerung. Horst Ganz besuchte das humanistische Gymnasium zu Regensburg. Nach dem Abitur 1950 absolvierte er das vorklinische  Medizinstudium in Regensburg, die klinischen Semester in Heidelberg. Dort schloss er 1955 das Studium mit dem medizinischen Staatsexamen und der Promotion ab.

Nach der Medizinalassistentenzeit an den Städtischen Krankenanstalten in Mannheim begann er 1957 die Fachausbildung in der HNO-Universitätsklinik Heidelberg bei Prof. Kinder und in der Praxis mit Beleg-Klinik bei Dozent Uffenorde. 1961 erhielt er die Anerkennung als HNO-Facharzt. Danach verbrachte er in der HNO-Universitätsklinik Marburg bei Prof. Berendes fünfzehn Jahre, davon drei dienstliche Monate in den USA, neun Jahre als Oberarzt und drei Jahre als leitender Oberarzt. Er wird 1964 mit einer biochemischen Arbeit zur Atmungs- und Stimmfunktion des Kehlkopfes habilitiert.

Dennoch ließ Horst Ganz sich 1974 in Marburg nieder, ist seitdem Honorarprofessor, unterhält Belegbetten und erwirbt die Zusatzbezeichnung „plastische Operationen“.1988 empfängt er den „Friedrich-Hofmann-Preis“ der Deutschen Gesellschaft HNO-Heilkunde. Friedrich Hofmann war der Erfinder des Hals-Nase-Ohren-Spiegels; der nach ihm benannte Preis wird „zur Anerkennung und Förderung in freier Praxis niedergelassener Mitglieder der HNO-Gesellschaft verliehen, die sich durch besondere wissenschaftliche Leistungen hervorgetan haben.“

Als Praktiker und als Hochschullehrer war Horst Ganz von der Entwicklung eines Gerätes begeistert, mit dessen Hilfe die Richtung des Lichts in die Körperöffnung und des untersuchenden Sehens, also Blick und Lichtstrahl übereinstimmen. Er legt großen Wert darauf, dass die Studierenden Respekt vor dem HNO- und Augenspiegel gewinnen. Achtunddreißig Spiegelkurse hat er während seiner Lehrtätigkeit gegeben.

Natürlich entwickelt sich schon in seiner Zeit die Beleuchtungstechnik weiter, z.B. als Stirnlampe, Kaltlichtlampe oder Operationsmikroskop. Aber keine dieser Konstruktionen kommt ohne Elektrizität aus, während man mit dem Hofmannschen Reflektor jede Lichtquelle nutzen kann! In den sechziger Jahren rief man Horst Ganz einmal in die alte Marburger Nervenklinik, um einen dringenden Luftröhrenschnitt auszuführen. Als er am Bett des Patienten stand, fiel die Stromversorgung aus. Notaggregate gab es damals nicht. Glücklicherweise schien die Sonne hell durchs Fenster herein. Als er schließlich die Luftröhrenkanüle eingeführt hatte, war mit Hilfe der Sonne und Hofmanns Reflektor der Eingriff fehlerfrei gelungen.

Horst Ganz hat 135 wissenschaftliche Arbeiten publiziert, sich an Lehrbüchern und Nachschlagewerken beteiligt, zwei belletristische Prosa-Bände herausgegeben („nebenbei“ und „nebenbei zwo“) und liebte es, sich als scharfzüngiger Redner zu offenbaren. Daher arbeitete er in Gremien der Berufsverbände mit, der Hochschule, Ärztekammer, Kassenärztlichen Vereinigung und des BDSÄ, sei es als Vorstandsmitglied, Vorsitzender oder Beratender.

Die Universität Marburg ehrte ihn deshalb 1996 mit der Ehrenpromotion im Fachbereich Medizin. 2011 empfing er als bislang Letzter die Ehrung mit der Schauwecker-Medaille des BDSÄ.

Auf unseren Kongressen moderierte er folgende Themen: Essay (Seminar); der literarische Brief; kurz und treffend; Nonsens – Lachen ist gesund; Harmonie und Dissonanz; Erotik. Im nächsten Kongress  wäre er Moderator des Themas „Eigene Gedanken und eigene Taten“ gewesen. Dabei war  ihm das Wort eigene besonders wichtig! An den Diskussionen nahm er mit überraschenden Anmerkungen teil.

Das sagte er beim Empfang des Friedrich-Hofmann-Preises zu seiner beruflichen Zugehörigkeit:

„Ich behaupte nämlich: Der Hals-Nasen-Ohrenarzt ist der populärste Mediziner! Sie glauben das nicht? Dann sehen Sie sich einmal die Arztkarikaturen in den Medien an. Was sehen Sie? Nichts als Ohrenärzte! Jedenfalls hat ein Jeder den so eindrucksvollen Hofmann‘schen Reflektor auf dem Kopf. Wenn das Ideal der Engländer auch das unsere ist, dass nämlich eine Karikatur in einer bekannten satirischen Zeitschrift den Gipfel der Popularität bedeutet, dann sind wir HNO-Ärzte der Gipfel! Auch dafür danken wir Friedrich Hofmann, und ich danke Ihnen fürs Zuhören.“

Seiner Frau Hadie und den Söhnen sprechen wir unsere tiefe Anteilnahme aus; Hadie berichtete uns voller Dankbarkeit für die zahlreichen Anrufe. Wegen der pandemischen Umstände findet das Begräbnis im engsten Familienkreis statt. Wir werden Horst Ganz nicht nur auf dem nächsten Kongress vermissen.

Published inProsa

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