Diese Seite besteht aus drei Teilen:

  1. Der Initiativaufsatz von Jürgen von Troschke
  2. Meine Einladung zur Diskussion, ob wir im BDSÄ nach bestimmten Lesungen und auf unserer Homepage auch Lob und Verbesserungsvorschläge zu Wort kommen lassen wollen / sollen.
  3. Ihre Meinungen dazu

 

Kann die „Gruppe 47″ ein Modell sein – für den BDSÄ?

(Prof. Dr. med. J. v. Troschke)

Wir alle werden schon einmal von der „Gruppe 47″ gehört haben und mehr oder weniger über deren Bedeutung für die deutschsprachige Literatur nach dem zweiten Weltkrieg informiert sein. Um es noch einmal kurz zusammenzufassen: Von 1947 bis 1990 versammelte sich – alle Jahre wieder – ein Kreis von anfangs noch unbekannten Schriftstellern, um für eine knappe Woche irgendwo in Deutschland in einem kleinen Hotel auf dem Land sich wechselseitig ihre Texte vorzulesen und diese zu diskutieren.

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Mohammad Reza Shafi’i Kadkani[1], der iranische Dichter und Hochschuldozent, ist immer wieder eine erfrischende Quelle der Inspiration. Heute beim Spaziergang nahm ich in Anbetracht der im Keimen begriffenen Bäume sein Gedicht „“Im erhabenen, ausdrucksvollen Kleid der Nacktheit““ mit allen Sinnen wahr. Es entstand der folgende Text. Der persische Originaltext und eine sinngemäße Übersetzung des Gedichtes sind beigefügt.

Rotenburg an der Fulda, den 15.2.2015

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Erhabene Nacktheit

Bäume habe ich betrachtet
in unterschiedlichen Trachten,
und keine war schöner
als die blattlose Nacktheit
in Erwartung des Frühlings.

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Im erhabenen, ausdrucksvollen Kleid der Nacktheit
von Mohammad Reza Shafi’i Kadkani

Ich habe diesen Baum
im Gange des Jahres
in vier Kleidern gesehen und begutachtet.
Viele Gedichte habe ich ebenfalls für ihn geschrieben:
im Engelskleid des Schnees,
in kurzen Ärmeln der Tage von Farvardin [2],
im grenzenlosen Grün des Sommers
wie ein zarter Seidenstoff,
in den Winden wehend
mit gelben und roten Seidenfasern des Herbstes.
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In keinem Kleid kam er besser zur Geltung
als im Moment der Erneuerung aus der Tiefe des Alterns,
während der letzten Tage von Esfand [3],
im erhabenen, ausdrucksvollen Kleid der Nacktheit.

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Bemerkungen:

[1] Weitere Schriften und Übersetzungen unter:
https://amirmortasawi.wordpress.com/category/%D9%85%D8%AD%D9%85%D9%91%D8%AF-%D8%B1%D8%B6%D8%A7-%D8%B4%D9%81%DB%8C%D8%B9%DB%8C-%DA%A9%D8%AF%DA%A9%D9%86%DB%8C/

[2] Farvardin (deutsche Schreibweise: Farwardin) ist der erste Monat des iranischen Sonnenjahres und fängt mit dem Beginn des Frühlings (normalerweise am 21. März) an.

[3] Esfand ist der zwölfte und letzte Monat des iranischen Sonnenjahres und dauert von ca. 20. Februar bis 20. März.

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