Wegbeschreibung

von Sohrab Sepehri (1928-1980)

Übersetzung aus dem Persischen von Afsane Bahar (August 2017)

 

 

Es dämmerte, als der Reiter fragte:
„Wo ist das Haus des Freundes?“
Der Himmel hielt inne.
Der Passant schenkte der Dunkelheit der Kieselsteine den Lichtzweig,
den er zwischen den Lippen trug
und zeigte mit dem Finger auf eine Pappel und sagte:
„Vor dem Baum
ist ein Gartenweg, der grüner ist als Gottes Traum,
und dort ist die Liebe so blau wie die Federn der Aufrichtigkeit.
Du gehst bis zum Ende jener Gasse, die hinter der Reife erscheint,
dann biegst du in Richtung der Blume der Einsamkeit,
zwei Schritte vor der Blume
bleibst du bei dem ewigen Springbrunnen der Mythen der Erde stehen,
und eine deutliche Furcht ergreift dich.
In der fließenden Vertrautheit des Raumes hörst du ein Rascheln,
du siehst ein Kind,
das auf eine hohe Kiefer geklettert ist,
um Küken aus dem Nest des Lichtes zu holen,
und du fragst es,
wo das Haus des Freundes ist.“

֎֎֎

 

 

Destiny (die Übersetzung folgt am Schluss)

We experience during our life’s journey sometimes luck and sometimes misfortune, like riding white or black horse. The horses gallop in the same direction in close-up and parallel way. However, or the white horse passes the black or vice versa.

So the events are alternately changed between white (favourable) and black (less auspicious).

However, in the true life, there is no absolute happiness or bad luck, and nothing occurs in entirely white or black colours, but in nuances. And so, in the image above, the horse coloured in the imperial blue symbolizes a favourable and the brown one presents less auspicious events.

Together they simultaneously draw our life’s stagecoach.

Though, during the life’s journey the coachman depends not exclusively on “horses’ gallops “, but also on his own fate (destiny).

Destiny is the inevitability of upcoming events like the Roman philosopher Lucius Seneca wrote it “the fates lead the willing and drag the unwilling “(Ducunt volentem fata, nolentem trahunt).

 

Dr. med. André Simon © Copyright

 

Übersetzung von Dietrich Weller

Wir erleben während unserer Lebensreise manchmal Glück und manchmal Unglück, als ob wir ein weißes oder ein schwarzes Pferd reiten würden. Die Pferde galoppieren in dieselbe Richtung, nahe beieinander und parallel. Jedoch überholt das weiße Pferd das schwarze oder umgekehrt.

So ändern sich die Ereignisse abwechselnd weiß (günstig) oder schwarz (weniger vielversprechend).

Im wahren Leben jedoch gibt es kein absolutes Glücklichsein oder Unglück. Und nichts geschieht in ganz weißen oder ganz schwarzen Farben, sondern in Farbschattierungen. Deshalb sind in dem obigen Bild die Pferde mit kaiserlichem Blau gefärbt, das für günstige Ereignisse steht, und das braune bietet weniger günstige Erlebnisse.

Zusammen ziehen sie gleichzeitig die Postkutsche unseres Lebens.

Aber während der Lebensreis ist der Kutscher nicht ausschließlich vom Pferdegalopp abhängig, sondern auch von seinem eigenen Schicksal.

Schicksal bedeutet die Unausweichbarkeit der herankommenden Ereignisse, wie der römische Philosoph Lucius Seneca schrieb: „Das Schicksal führt den Willigen und zieht den Unwilligen“ (Ducunt volentes fata, nolentem trahunt).