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Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte (BDSÄ) Posts

Augen (Renate Myketiuk)

Finsternis schwelte über der schlammigen, sumpfigen Tiefe; Blasen voll Gase erhoben sich langsam aus kochenden Quellen; Welches geheime Geschehen passierte im Innern der Welt? Brodelnd und hitzig wurden in Freiheit gesetzt Elemente. Doch, unserm Schöpfer der Welt gefiel diese Düsternis nicht mehr; Und er besetzte den Himmel mit Mond und der Sonne und Sternen. Welch eine Tat, ein besonderer Tag, am Anfang der Schöpfung! Helligkeit wogte über dem ruhelosen, urhaften Lande. Dann aber dachte der Schöpfer, das Licht nun verlange…

Gelassenheit (Renate Myketiuk)

  Ich bin die schöne Frau Gelassenheit, bin fröhlich, schätze stets die Heiterkeit. Wenn eine Last dich quält, und du wirst krank, feg nicht umher, sie holt dich wieder ein; setz dich ganz still auf eine kleine Bank, leg ab die Packen, leer ein Gläschen Wein. Denk nach, ob sie für dich bestimmt nur sind, ob nicht ein andrer Arbeit sucht geschwind? Wenn jemand widerspricht, wird’s dir zur Last; bist tief verletzt, weinst still in dich hinein? Halt ein, jag…

Freude (Renate Myketiuk)

  Ich bin die Freude, nimm es endlich wahr; ich möchte dir öffnen deine müden Augen! Verwirf die Sorgen, viele gar nichts taugen; die schleichen stets umher in großer Schar. Ich bin die Freude, schenke kostbar’n Wein, der Herz und das Gemüt zum Staunen bringt, ob der Musik, die aus den Dingen klingt, ob all der Wunder rings, ob groß, ob klein. Ich bin die Freude, geh mit auf dem Weg: Versöhnung ist das Ziel, das ich erstreb, und Fried‘…

Trauer (Renate Myketiuk)

  Ich bin die Trauer, fühle mich sehr krank, denn jede Hoffnung, Lebensmut mir sank. Der Glaube fror, verlassen hat er mich; Einst war er stark und reich, ja, königlich. Ich spür, mein Herz nicht mehr im Rhythmus schlägt, ob es schon lahm, für sich ein End erwägt? Die Wolken greifen tief, der Regen fällt; und mein Gemüt ist grau und ist gequält. Mein Haus ist leer, die darin warn sind fort, und Glanz und Gold, die gingen überbord. Mein…

Einsamkeit (Renate Mykteniuk)

Einsamkeit   Ich sprech zur Wand, doch die bleibt stumm, sie schweigt; versteht mich nicht, ist mir nicht zugeneigt. Oh, Graun, die Einsamkeit ein enges Haus, ob ich jemals aus dir werd kommen raus? Voll Sonnenschein, da flimmert sie, die Luft; jedoch, mein Herz lebt tief in eis’ger Gruft. Wenn einer sagt, so horch, ein Vogel singt, ach, meiner Seel wie Totensang es klingt. Warum nur geht vorbei an mir der Tod? Sieht er und spürt und fühlt nicht meine…

Borderline 2 (Helga Thomas)

 I Schaffe in deinem Innenraum einen Durchgang zu der Welt die dahinter liegt Dort ist der Ort und wo dich niemand findet und du dich selbst verlierst wenn du den Rückweg vergessen hast und das Knäuel in deiner Hand nutzlos wird weil der Faden riss Schaff einen Durchgang damit von dort von der Welt dahinter die Taube zu dir kommen kann Werde vertraut mit ihr sie wird dich dann heimgeleiten von dem Ort wo dich keiner findet und du dich…

Borderline 1 (Helga Thomas)

  Wer bin ich? Frage des heutigen Narziss? Wer bin ich? Aus Angst eine falsche Antwort zu hören und es nicht zu bemerken nicht zu erkennen stelle ich mich dar: so wie ich gern wäre oder der andere mich gerne hätte Oder … wie man so ist heute in der Zeit der Individualität in der Zeit mit den vielen gesichtslosen Individuen wie ich ein Jemand der Niemand ist So stelle ich mich dar und der andere in mir die andere…

Ein Tag im Juli 2062 (Eberhard Grundmann)

Heute war er etwas früher aufgestanden. Er wollte seinen Vater zur Arbeit begleiten. Vor drei Tagen hatte Hubertus Long Moller den Bachelor of Engineering gemacht. Sie hatten gefeiert im schwimmenden Restaurant „Ni Hao“ auf dem Goitzschesee. Es war ein schöner Abend mit Cyber-Music 6.0 und der neuen Droge LMA. Hubertus Long hatte noch am selben Abend mit seinem i-i-i zu Hause angerufen und dem Vater erklärt, dass er nun doch Interesse an dessen Berufsfeld habe. Dann hatte er mit seiner…

Der Kritikaster (Wilfried Dinter)

  Wer gerne auf „Gefällt mir“ klickt, Vor einem Kunstwerk steht entzückt, Wer liebt das Klassisch-Ewig-Schöne, Sei`n es Gedichte oder Töne, Genießt dies in der Künste Tempel, Bekommt gleich den Banausen –Stempel. Doch wer ein Kritikus sich nennt – Der gilt sogleich als kompetent. Schreibt meist in den Gazetten für viel Zaster – Als Kritikaster. Wer schreibt, wer malt, wer musiziert, Weil einfach er es muss und Lust verspürt Und ringt um jede Note, jedes Wort, Wer Form und Farbe…

Karneval der Verse (Wilfried Dinter)

  Meine bess’re Hälfte spricht: „Schreib doch mal ’n lustiges Gedicht! Das Lachen ist doch nicht verboten, Ich mein‘ nicht irgendwelche Zoten. Es straften Lügen zyn’sche Spötter Im Griechenhimmel alle Götter, Beschallten den Humor-Verächter Mit laut-homerischem Gelächter!“ Nun wohl – es bleiben letzte Zweifel, Reit doch den Pegasus der Teifel! So’n bisschen fehlt mir die Courage, Kratzt doch ein wenig am Image – Wenn sonst der ernste Dichter spricht – Ein kurioses Lach – Gedicht. In der deutschen Literatür Gab’s…

Das Gleichnis vom Apfelbaum (Ruth Berles-Riedel)

  Hier hinter dem großen Häuserblock auf einem Ödland blüht Jahr um Jahr ein Apfelbaum mittleren Alters. Zur gleichen Zeit, da er über und über mit rosa Knospen und feierlich weißen großen Blüten wohl zu Tausenden übersät ist, faulen unter seinen Ästen seine Früchte des Vorjahres, die nicht aufgehoben worden sind. Keiner sieht es ihm an, ob er etwa krank ist? Seine Blüten duften zurückhaltend, sehr süß und wirken in der Vielzahl ganz wunderbar auf mich, vergleichbar mit der ganz…

Hauskatze (Eberhard Grundmann)

  Vormals Felis domestica, so ganz domestiziert bist du nicht. Du kannst huldvoll sein, aber nicht gehorsam. In dir pulsen Anmut und Stolz alten Adels und großer Verwandtschaft – vormals Felis panthera, Felis leo, Felis tigris. Gehorchen magst du nicht, Felis catus, aber man kann um deine Freundschaft werben.   Copyright Dr. Eberhard Grundmann      

Waldbewohner (Eberhard Grundmann)

  Ein Eichhörnchen und ein Lindenhörnchen dachten sich, sie fänden Körnchen in dem nahen Buchenwalde, doch wie sie dort suchen balde, ist das Buchenhörnchen da gesessen und sprach: Ich hab schon alle aufgefressen.   Copyright Dr. Eberhard Grundmann

✎ 2020 Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte (BDSÄ)