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Monat: August 2013

Die lykischen Gräber (Klaus Kayser)

  Ich stieg zu den Gräbern am Nachmittag, Gräber geborgen in Fels und in Stein. Die sengende Sonne im Sterben lag, graurot und wärmend ihr sinkender Schein. Die Gräber so kühl, so sauber und leer nur Bänke und kein vergessener Sarg. Mein Blick streift weit über das ruhende Meer, die Felder vertrocknet, geerntet und karg, und windet sich dann die Felsen hinauf und klettert und klettert und findet nicht Halt und fällt tief im wilden verzweifelten Lauf – ihn rettet…

Der Wanderer (Klaus Kayser)

  So eile ich nun mit quälendem Schritt zum Gipfel den Berg hinauf. Hunger und Sehnsüchte eilen mit, hemmen nicht den drängenden Lauf. Vergessen die sprudelnden Wasser im Tal, die leuchtenden Blüten zu Zweit, der trunkene Becher im nächtlichen Saal, der Eltern treues Geleit. Oben am Gipfel reckt sich ein Baum kahl und dürr in die Nacht. Um ihn Wiesen, glanzloser Schaum, wehrlos in graubrauner Pracht. Er aber trotzt im Tode noch starr dem Sturm und der Zeiten Lauf. Wie…

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