Month: April 2017

  •  

    Tommy 

    My owner calls me Tommy. I have a large body with a thin long tail. I am plump and sit all day long on the couch feeding myself and watching TV. My owner is a very fat person. He feeds me daily with his leftover food. Every day I have breakfast, a light meal, brunch, afternoon refreshments and an opulent dinner. Between meals I love to drink coca cola and eat peanuts that I find adorable. I like eating bacon or sausages, Afterwards, I also like to eat cakes, chocolate and sweets. Every part of my body rebels against my stomach.  I´m asked: “Why should we be perpetually being engaged in administering to all your wants, while you do nothing. Simply you rest and enjoy your food. Your legs need to move, the pancreas needs the rest from the sweets and other foodstuffs. All your organs can no longer do their job”.

    Afterword

    Kim Campbell-Thornton who has written many articles and books about dogs and cats ,in the  article “Diabetes rising pets “ (image  above),  affirms: “As with people, the incidence of diabetes in cats and dogs is increasing and diabetes now affects as many as one in 50 of the animals, It is published in the literature that obesity is on the rise, No. 1, and No. 2, diabetes is on the rise right along with it.”

    Author’s note   

    Respect your body’s needs. Give your body excellent care to promote its health and well-being. Give it everything it absolutely requires including healthy food and drink.                    To continue stuffing food into a satiated body is to be trapped into believing that more of something is the cause of your happiness. To keep on feeding it is not as good as stopping. Eat, but stop when you are full.

     The World Health Organization warns: «Obesity has reached epidemic proportions globally, with more than 1 billion adults overweight – at least 300 million of them clinically obese – and is a major contributor to the global burden of chronic diseases, such as diabetes, cardiovascular diseases and disability.”  In the 21st century the simple advice for a healthy diet is “Enough is enough”.

    Dr. med. André Simon © Copyright

     

    Tommy 

    Übersetzung von Dietrich Weller

    Mein Herrchen nennt mich Tommy. Ich habe einen mächtigen Körper und einen dünnen langen Schwanz. Ich bin plump und hocke den ganzen langen Tag auf der Couch, ernähre mich selbst und sehe fern. Mein Herrchen ist eine sehr fette Person. Er füttert mich täglich mit seinen Essensüberbleibseln. Jeden Tag bekomme ich Frühstück, ein leichtes Essen, Brunch, nachmittägliche Erfrischungen und ein reichhaltiges Abendessen. Zwischen den Mahlzeiten liebe ich es, Coca Cola zu trinken und Erdnüsse zu essen, die ich wunderbar finde. Ich mag Schinkenspeck oder Würste. Danach esse ich auch gern Kuchen, Schokolade oder Süßigkeiten. Jeder Teil meines Körpers wehrt sich gegen meinen Magen. Ich werde gefragt: „Warum sollten wir uns andauernd mit deinen Wünschen beschäftigen, während du gar nichts tust? Du ruhst dich einfach aus und genießt dein Essen. Deine Beine müssen sich bewegen, die Bauchspeicheldrüse braucht Erholung von den Süßigkeiten und dem anderen Esskram. Alle deine Organe können nicht mehr länger ihre Aufgaben erledigen.“

    Nachwort

    Kim Campbell-Thornton, die viele Artikel und Bücher über Hunde und Katzen geschrieben hat, bestätig in dem Artikel „Diabetes schwemmt Haustier auf“ (siehe obiges Bild): „Genau wie bei Menschen steigt der Anteil an Diabetes bei Katzen und Hunden, und Diabetes betrifft eines von fünfzig Tieren. Es ist in der Literatur veröffentlicht, dass erstens Fettsucht immer häufiger vorkommt und zweitens Diabetes im gleichen Ausmaß ansteigt.

    Bemerkung des Autors

    Respektiere die Bedürfnisse deines Körpers. Gib deinem Körper hervorragende Pflege, um seine Gesundheit und Wohlbefinden zu gewährleisten. Gib ihm alles, was er absolut benötigt einschließlich gesunder Ernährung und Getränke.

    Weiter Nahrungsmittel in einen gesättigten Körper zu stopfen bedeutet, dass du in der Falle steckst, die dich glauben lässt, dass mehr von etwas die Ursache deines Glücks ist. Weiter zu essen ist nicht so gut wie damit aufzuhören. Iss, aber höre auf, wenn du satt bist.

    Die Weltgesundheitsorganisation warnt: „Fettsucht hat weltweit epidemische Ausmaße erreicht mit mehr als 1 Milliarde übergewichtigen Erwachsenen, von denen mindestens 300 Millionen klinisch fettsüchtig sind. Und das ist ein wesentlicher Beitrag zu der weltweiten Last der chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Behinderung.“

    Im 21. Jahrhundert ist der einfache Ratschlag für eine gesunde Ernährung „Genug ist genug!“

    Bemerkung des Übersetzers

    Das Wort Diät kommt aus dem Griechischen δίαιτα (díaita) und bedeutete ursprünglich Lebensweise. Inzwischen wird es für gesunde Ernährung benutzt.

  • Lichtes Wunder

    (14.4.2017)

    Umgeben von Zärtlichkeit der Farben
    vom Gesang der Vögel
    vom tanzenden Gersten- und Raps-Meer
    getragen von deiner Liebe
    schwinge ich mit der atmenden Erde
    betrachte das Leben
    und denke:
    Danke

  • Der Frühaufdreher

    oder:

    Gegen die Zeitumstellung

     

    Gott hatte angeblich die Idee, der Mensch solle sich die Erde untertan machen. Der Mensch hat ihm das abgenommen und angefangen, dies und jenes auf der Erde zu verändern.

    Das Klima beispielsweise, oder das Licht. Schaut mal auf Europa bei Nacht. Als ich Abitur machte, sollten die fossilen Energieträger in 25 Jahren aufgebraucht sein. Der Mensch hat sich überschätzt. Er hat selbst das bis heute nicht geschafft.

    Als ich Abitur machte, wurde beim Rudern der Skull direkt vorm Einsetzen in das Wasser aufgedreht. Über der Wasserlinie, beim Vorrollen in die Auslage, wurde er abgedreht, also waagerecht geführt. Das klingt richtig, wegen des geringeren Luftwiderstandes.

    Das Ruderblatt braucht einen hohen Widerstand im Wasser und einen geringen an der Luft.

    Früher war ein Ruderzyklus nach dem Endzug zu Ende. Das ist heute nicht mehr so. Wenn die Hände vor dem Vorrollen über den Knien ankommen, dann erst ist der Zyklus zu Ende. Das mußte ich neu lernen, umlernen. Und über den Knien wird auch aufgedreht. Das ist angeblich besser für das Einsetzen des Ruderblattes ins Wasser. Also: Früher aufdrehen. Ich finde das widersinnig und freue mich darauf, daß man bald wieder rudert wie früher. Es wird so kommen.

    Solange bleibe ich eben Frühaufdreher.

    Seit 2 Wochen haben wir die Zeit auf Sommerszeit umgestellt. Ich stehe also eine Stunde früher auf. Bin somit auch Frühaufsteher. Man kann die Zeit umstellen.

    Die Idee ist nicht neu, schon 1784 erläuterte Benjamin Franklin, daß durch das ausgiebige Nachtleben viel Energie vergeudet würde, und er schlug vor, pünklich ins Bett zu gehen und früh aufzustehen.

    Um Energie des Nachts einzusparen, wurde im ersten Weltkrieg eine Sommerzeit eingeführt, nach Kriegsende wurde sie wieder abgeschafft. Im zweiten Weltkrieg gab es dann wieder eine Sommerzeit. 1947 wurde sogar eine doppelte Sommerzeit verordnet, allerdings nur für 7 Wochen, dann war Schluß damit.

    Nach der Ölkrise gab es 1980 für Deutschland wieder eine Sommerzeit, und seit 1996 gibt es eine Sommerzeit für die Europäische Union.

    Man kann, soweit hat die Menschheit es gebracht, die Zeit schalten. Dafür gibt es heute extra Zeitschaltuhren.

    Man kann auch jemandem die Zeit stehlen.

    Man kann sich Zeit nehmen.

    Man sollt sich immer dann Zeit nehmen, wenn man keine mehr hat.

    Heute gibt es sogar Zeitmanagement.

    Und Zeitfenster, ganz modern. Besonders in Führungsetagen.

    Aber freut Euch nicht zu früh:

    Im Herbst wird die Zeit dann wieder zurückgeschaltet.

    Ein Wahnsinn.

    Eine Riesenspökenkiekerei.

    Weil: Die Zeit schaltet sich nicht. Die Zeit läuft auch nicht.

    Die Zeit ist einfach eine Idee von uns Menschen, die gerne etwas eindimensional darstellen: Länge, Zeit, Höhe, Breite.

    Dem Raum und seinen Veränderungen ist das ganz egal.

    Uns ja auch: Die OP Zeit wird manipuliert, die Deutsche Bahn hält sich nicht an Fahrpläne, Verabredungen sind in der Schweiz oder in Frankreich etwas ganz anderes als in Deutschland.

    Ich bin immer relativ pünktlich, darum muß ich aber auch viel mehr warten als meine Mitmenschen. Bis auf das Aufdrehen beim Rudern: Da warten immer alle auf mich.

    Ich wäre dafür, das Zeit schalten zu unterlassen, der Natur die Zeit zurückzugeben, die Winterzeit abzuschaffen, etwas früher aufzustehen und dafür etwas später aufzudrehen.

    Und doch ruft mir der Steuermann wieder zu: Heiner, Du kommst zu spät!

    Und dann lachen im Achter wieder sieben.

  • Dreißig Gedichte für den Frieden

    (hier am Ostersamstag 2017 veröffentlicht)

    ֎֎֎

     

    Frage
    Was unternehme ich nicht alles,
    damit eine einzige Lippenknospe
    in meiner Nähe
    sich lächelnd öffnet!

    Was unternehme ich
    gegen die Kriege,
    die mit Lügen begründet,
    nah und fern,
    tausende Blumen vernichten?

    ֎֎֎

     

    Frühlingsknospen

    Einen wirksamen Schleier
    breiteten die sich allmächtig Erscheinenden
    über das wahre Wesen der laufenden Ereignisse
    und prahlten ihre eigene Fortdauer 

    Als ich die Bedeutung der Vergänglichkeit
    und den geschichtlichen Charakter der Gegenwart
    gründlich erkannte
    entwickelte sich meine freudige Zuversicht
    wie feine Frühlingsknospen

    ֎֎֎

     

    Zusammenhänge im großen Gefüge

    Habe keine Angst, Liebste
    Lass dich nicht verwirren 

    Die Verächter des Lebens
    haben ein Heer
    von Wissenschaftlern, Forschern
    Psychologen, Ärzten
    Künstlern, Schriftstellern
    und Geistlichen aller Schattierungen 

    Lass dich nicht einschüchtern
    von ihrem allmächtigen Getue
    von ihrem allwissenden Gehabe
    Stelle einfache
    und entscheidende Fragen 

    Gelten die  angegebenen Maßstäbe
    für Freunde und Feinde
    Gelten die ersehnten Vorstellungen
    für alle Wesen dieser Erde
    oder nur
    für  einen auserwählten Menschenkreis 

    Lass dich nicht in die Irre führen
    mit dem törichten Geschwätz
    vom bösen Kern des Menschen
    Erforsche den umfassenden Rahmen
    und die Zusammenhänge
    im großen Gefüge
    in dem der Mensch zu dem wird
    was die Gegenwart zeigt 

    Habe Zuversicht, Liebste
    Betrachte das Laufende
    aus einem wesentlich weiteren
     zeitlichen Blickwinkel
    und denke dabei auch
    an das Wunder der Raupe

    ֎֎֎

     

    Zeichen setzen!

    Zeichen setzen
    wie die Betörung der morgendlichen Brise im Frühling,
    wie der Flügelschlag der Schmetterlinge im Sommer,
    wie die Liebkosung der Blätter im Herbst,
    wie der Tanz der Schneeflocken im Winter,
    wie das Lächeln eines Fremden.

    Zeichen setzen
    mitten im stummen Gedränge der Verzweifelten,
    mitten in der besinnungslosen Trunkenheit der Gewalttätigen,
    mitten im betäubenden Siegesschrei der Todesbringer.

    Zeichen setzen
    fürs Leben.

    ֎֎֎

     

    Mitgefühl

    Ich erzähle dir meine Geschichte,
    und du kannst das Zuhören
    nicht ertragen.

    Wie soll es mir gehen,
    der das alles
    an Leib und Seele erfahren hat.

    ֎֎֎

     

    Meer der Morgenröte                    

    Offenherzig tauche ich ein
    in das Meer der Morgenröte
    und nehme Stimmen wahr
    die der Berge, der Wälder
    der Wüsten, der Weizenfelder
    der Straßenkinder
    der Entrechteten
    der Verdammten
    der Schwach-Gehaltenen
    der Entwurzelten 

    Alle stellen dieselbe Frage
    nicht belehrend
    nicht vorwurfsvoll
    nur klärend 

    Angesichts deiner Möglichkeiten
    wirst du unsere Stimme sein
    im verschweigenden Getöse
    oder wirst du uns verbannen
    in das Land der Vergessenheit
    aufgrund deiner Ängste
    geführt von deiner Eitelkeit
    fliehend in Scheinheiligkeit 

    Aufrecht tauche ich auf
    aus dem Meer der Morgenröte 

    ֎֎֎

     

    Snowden

    Die beiden Standpunkte
    »Unglücklich das Land, das keine Helden hat«
    und
    » Unglücklich das Land, das Helden nötig hat«*
    seien zur schöpferischen Diskussion dahingestellt
    Tatsache bleibt
    dass ohne Wissen, Weitsicht, Verantwortungssinn
    Liebe zum Leben
    sowie ohne Ehrfurcht
    bekannter und unbekannter Menschen
    vor dem Sein
    unser heutiges Dasein
    ein ganz anderes Antlitz hätte

    ֎֎֎

     

    Quelle der Zuversicht

    Wenn ich unsere Medienlandschaft betrachte
    wächst bei mir grenzenlos
    ein empörendes Erstaunen
    da ich mich immer wieder
    wie in einem großen Kerker fühle
    schalltot und echolos 

    Anstelle der Wände
    sehe ich in diesem Gefängnis
    wohl ernährte Menschen
    finstere, bunte, feige Gestalten
    Sie gestikulieren gedächtnislos
    fabulieren unverschämt
    manche mutmaßlich erzwungen
    einige augenscheinlich begeistert
    andere gedankenlos und mitläuferisch
    Offensichtlich können sie kaum erkennen
    dass der vermeintlich feste Boden
    unter ihren Füßen tausend Risse zeigt 

    Wenn ich aus der Vogelperspektive
    das Geschehen ganzheitlich betrachte
    sehe ich nicht nur in unserem Land
    sondern auf verschiedenen Erdteilen
    unzählig viele Bienen und Ameisen
    die gelassen, geduldig, gewagt
    vielfältig, vereint, unbeirrt
    aufrecht, authentisch
    der gewaltigen Maschinerie der Verwüstung trotzend
    ihren Weg beschreiten und bestreiten 

    Sie sind meine Quelle der Zuversicht

    ֎֎֎

     

    Mittelbau-Dora

    In dieser beklemmenden Dunkelheit
    in dieser erlahmenden Kälte
    in dieser erstickenden Enge
    schreist du im Siegesrausch
    dass du ein Meister bist
    aus Deutschland
    der alles nimmt
    was sich nach Leben sehnt
    der alles vernichtet
    was nach Menschlichkeit riecht

    Du bist ein Meister
    nicht nur aus Deutschland
    und die Vergesslichkeit
    ist eine Volkskrankheit
    nicht nur in Deutschland
    und die Ignoranz
    ist eine Seuche
    nicht nur in Deutschland
    und eine mögliche Wiederholung
    ist eine Konsequenz
    nicht nur in Deutschland

    Vergiss jedoch nicht
    dass die Mutter Erde
    von unzählig vielen
    verehrt wird

    ֎֎֎

     

    Belanglose Banalitäten, banale Belanglosigkeiten?

    Friede, Freude, Eierkuchen!
    Zunächst nach den richtigen Zutaten suchen:

    Zwei Gläser voll Täuschung und Tarnung,
    anderthalb Gläser heuchelnde Warnung,
    ein beachtlicher Schuss suggerierte Dummheit,
    drei Esslöffel softe Weisheit,
    250 g weiche Wahrheit,
    eine gute Prise berechnende Vergesslichkeit,
    eine Hand voll bedachte Dreistigkeit.

    Dann mischen, kneten, knebeln, spalten,
    dass keine Systemgefahr aufkommt, darauf achten.
    Bald ist fertig der Friedensbrei.
    Lasst die Kritiker bellen, das macht frei.
    Macht, Geld und der Sitz im Bundestag,
    soll uns erhalten bleiben, Tag für Tag.

    Friede, Freude, Eierkuchen!
    Zunächst nach dem Unverbindlichen suchen!

    ֎֎֎

     

    Yalda

    Nach der längsten Nacht des Jahres
    kamen meine Geschwister geflogen
    in bunten Scharen
    Mich beschämte zutiefst
    unser gemeinsames Heim 

    Barmherzig sangen sie mit Zuversicht
    Streu die Samen aus
    auch wenn du die Früchte
    nicht selbst erleben wirst

    ֎֎֎

     

    Morden

    Die Rüstungsindustrie entfachte das Morden professionell,
    die Völker zahlten die Zeche. 

    Der UN-Sicherheitsrat begründete das Morden parteiisch,
    die Völker zahlten die Zeche. 

    Parlamentarier rechtfertigten das Morden solidarisch,
    die Völker zahlten die Zeche. 

    Politiker ermöglichten das Morden pragmatisch,
    die Völker zahlten die Zeche. 

    Massenmedien machten das Morden hoffähig,
    die Völker zahlten die Zeche. 

    Geisteswissenschaftler beflügelten das Morden analytisch,
    die Völker zahlten die Zeche. 

    Juristen behandelten das Morden wortklauberisch,
    die Völker zahlten die Zeche. 

    Friedensforscher erklärten das Morden auftragsmäßig,
    die Völker zahlten die Zeche. 

    Journalisten berichteten über das Morden eingebettet,
    die Völker zahlten die Zeche. 

    Hilfsorganisationen beschäftigten sich mit dem Morden zivil-militärisch,
    die Völker zahlten die Zeche. 

    Soldaten vollstreckten das Morden befehlsmäßig,
    die Völker zahlten die Zeche. 

    Uniformierte und zivile Söldner erledigten das Morden präzise,
    die Völker zahlten die Zeche. 

    Menschen wie du und ich entledigten sich des Mordens ignorierend
    und sie zahlten doch die Zeche.

    ֎֎֎

     

    Sonderbare Widersprüche

    Wir leben wahrhaftig
    in einer ungerechten Welt,
    die wegen sonderbarer Widersprüche
    im Bersten begriffen ist.

    Wenn ich aufgrund vielfältiger Tatsachen
    führende Personen der „Weltgemeinschaft“
    als Massenmörder bezeichne,
    erheben sich aus befreundeten Reihen
    warnende Stimmen,
    verängstigt,
    voller Skepsis.

     

    Wenn ich dabei von einem dieser Massenmörder,
    der gleichzeitig ein Friedensnobelpreisträger ist,
    als eine „terroristische Gefahr“ erachtet werde,
    kann er
    sich auf geltendes Landesgesetz berufend
    mein Verschleppen, Verhören und Foltern einleiten
    und letztendlich auch
    mein „gezieltes Töten“ veranlassen.

    Wenn derselbe Massenmörder,
    der besagte Friedensnobelpreisträger,
    neue Angriffskriege anzettelnd
    den präemptiven Einsatz von Atomwaffen androht
    und dabei den Tod unzähliger Menschen
    sowie die bleibende Verwüstung blühender Landschaften
    billigend in Kauf nimmt,
    bekommt er von der „Weltgemeinschaft“
    Applaus und Lobesgeschrei.
     

    Wir leben tatsächlich
    in einer durch und durch verzerrten Welt,
    die nach Veränderungen schreit.

    ֎֎֎

     

    Wahrnehmung

    Du fragst mich
    wie Menschen
    Versklavung und Verwüstung
    im weitesten Sinne
    hinnehmen 

    Frage sie selbst
    welche kurz- und langfristigen
    Vor- und Nachteile
    sie wahrnehmen

    ֎֎֎

    Das neue Jahr

    Blauer Himmel
    Hier und da weiße Wolkenstreifen
    Bäume mit Raureif beschenkt
    glitzernd im liebkosenden Sonnenschein
    In einem Wipfel zwei Vögel
    mit roter Brust
    Sträucher mit Hagebutten
    und bunten Beeren 

    Aus dem alten Jahr
    rufe ich Momente auf
    begeisternde, beschämende,
    bewegende, beflügelnde Bilder 

    Und dann singe ich
    voller Inbrunst
    meine Überzeugung beteuernd
    Für den gebärenden Fluss
    und die Mutter Erde
    werde ich nichts dichten
    außer Liebe und Freude

    ֎֎֎

     

    Gemeinsam

    Vergangene Jahrhunderte
    fremde Länder
    weit entfernte Erdteile
    betrachte ich offenherzig
    wissbegierig, zärtlich
    und weine wiederholt
    vor Schmerzen, Einschränkungen
    Ungerechtigkeiten und Entbehrungen
    die mich nicht unmittelbar betreffen
    jedoch gemeinsames Leid bedeuten 

    Die Tränen reinigen
    durch und durch
    meinen Blick 

    So wird Liebe
    als Triebkraft meines Lebens
    bereichernd, wegweisend, ermutigend
    zum Widerstand und Kampf aufrufend
    stets neu erlebt

    ֎֎֎

     

    Einsicht

    Verbunden mit der einmaligen Erde
    ganzheitlich Geschehnisse beobachtend
    beharrlich Selbstbetrug meidend
    begriff ich berührt bewegt
    dass buchstäblich Banditen
    im Lande herrschten 

    Nach dieser ergreifenden Erkenntnis
    kam sorgloses Wegschauen
    schmerzhaft der Selbstaufgabe gleich

    Fortan pflanzte ich federleicht
    des Lichtes Blumen

    ֎֎֎

     

    Systemerhaltung

    Begrenzte Betrachtung
    oberflächliche Orientierung
    benebelte Besinnung
    eingeschränktes Einfühlen
    gelenkte Gedanken
    umfangreiche Unehrlichkeit
    haarsträubende Heuchelei
    ergeben erwartungsgemäß
    genehmigte Gesinnung
    erlaubte Empörung
    erhaltene Entfremdung
    verfehlte Verantwortung

    ֎֎֎

     

    Zustandsbericht

    Von Anfang an war
    die kapitalistische Lebensweise
    vielfältig mit Verbrechen verbunden
    gegen die Natur und Lebewesen 

    Folgerichtig sitzen straflos
    zeitgenössische Großverbrecher
    nicht auf der Anklagebank
    sondern dem Präsidentenstuhl

    ֎֎֎

     

    Licht und Schatten

    Es ist eine klare Nacht
    die Sterne zum Greifen nah
    ich lausche der Melodie der Stille
    genieße den Wein der Einsamkeit
    und denke an dich
    deine Kinder
    und Kindes Kinder 

    Es ist eine besondere Zeit
    uns Höhen und Tiefen zeigend
    zum Überdenken alter Gewohnheiten einladend
    zum Überprüfen bisheriger Überzeugungen
    uns zu Gratwanderungen ermunternd
    zum Springen über den eigenen Schatten 

    Es ist eine klare Nacht
    die Sterne zum Greifen nah
    ich rieche schon die Morgendämmerung
    und denke an dich
    deine Kinder
    und Kindes Kinder

    ֎֎֎

     

    Straßenkinder

    Kennst du den Glanz der Tauperlen
    an Zweigen und Grashalmen
    beim Auftreten der ersten
    morgendlichen Sonnenstrahlen 

    Kennst du den Tanz der Spinnweben
    benetzt mit Schneesternen
    bei abendlicher Brise
    im schimmernden Mondschein 

    Kennst du den Zauber
    des Gesangs verliebter Stare
    mitten in der Zärtlichkeit
    des frischen Grüns im April 

    So könntest du ein Bild malen
    von meiner bewegenden Freude
    wenn das Wort Straßenkinder
    nur in Geschichtsbüchern vorkäme

    ֎֎֎

     

    Abruzzen

    Nun stehe ich hier
    dieses weite Land ehrfürchtig
    mit allen Sinnen aufnehmend
    weiß-rot, gelb-grün, blau, rosa 

    Den duftenden Wind tief einatmend
    das Meer am Horizont sehnsüchtig ahnend
    frage ich mich immer wieder
    wie wir den Verwüstern des Lebens trotzend
    mit Hilfe der Gelähmten, Betäubten, Verführten
    und doch tief im Herzen Bewegten
    die Geburt der keimenden Gesellschaftsformation
    ermöglichen können

    ֎֎֎

     

    Schmetterling

    Wenn sich ein Element
    in einem System ändert
    dann folgen Anpassungen
    im ganzen Gebilde
    So sei der Schmetterling
    dessen feiner Flügelschlag
    den fernen Berg
    zum Beben bringt

    ֎֎֎

     

    Merke dir …

    Merke dir den Geruch der Hyazinthen
    wenn die Frühlingsbrise sie streichelt
    denn bald werden beladene Bombenbringer
    bar jeder Barmherzigkeit
    im Namen der Menschlichkeit
    einen verpesteten Teppich der Verwüstung ausrollen
     

    Merke dir den Gesang der Sperlinge
    unter dem meeresblauen Sternenzelt
    denn bald werden schwere Panzer
    prahlend, protzig
    ihr Geheul der Gräueltaten gellen
     

    Merke dir die morgendlichen Tauperlen
    auf der seidenen Haut der Spinnenbauten
    denn bald werden Söldner und Soldaten
    hochgerüstet und aufgetakelt wie Monster
    alles, was nach Leben schreit, niedertrampeln
     

    Merke dir die Lichtspiele beim Sonnengang
    wenn die Nacht und der Tag sich begrüßen
    denn bald werden bleierne Wolken
    den Horizont für eine Ewigkeit verdunkeln
     

    Merke dir den aufrechten Gang der Menschen
    verzaubert durch die Sehnsucht nach Gerechtigkeit
    denn bald werden zahlreiche Dichter und Denker
    sich als heilige Krieger huldigend
    die Vernunft, den Mut und die Liebe
    verraten, verjagen, vergraben

    ֎֎֎

     

    Lass dich umarmen

    Die Erde wird sich drehen
    gewiss auch ohne dich
    und tröstend gestehen
    sie brauche dich 

    Die morgendliche Brise wird sanft dich wachküssen
    Die Sonne wird betörend deinetwegen tanzen
    Der Wind wird dir behutsam tausend Lieder singen
    Der Regen wird zärtlich dich liebkosen
    Der Regenbogen wird frohlockend dir die Wege zeigen
    Der Mond wird warm deine Träume beleuchten 

    Die Erde wird sich drehen
    gewiss auch ohne dich
    und tröstend gestehen
    sie brauche dich

    ֎֎֎

     

    Gerade deswegen

    Frohgemut und gelassen
    mir der eigenen Vergänglichkeit bewusst
    schöpfe ich mit allen Sinnen
    Stück für Stück Wissen
    zur Änderung und Erhaltung dieser einen Welt
    getrieben von der Notwendigkeit der Gerechtigkeit
    und der Empfänglichkeit für Schönheit

    ֎֎֎

     

    Schreiben

    Schreiben
    nicht aus Angst, Schwäche, Eitelkeit
    mit Heuchelei, Scheinheiligkeit
    nicht des Geldes wegen
    oder mit der Herrschenden Segen 

    Schreiben
    aus Freude an Schönheit und Schöpfung
    als Bedürfnis zum Begreifen, zur Erkundung
    aus tiefem Wunsch zum Brücken-Bauen
    zu sich selbst und den Anderen

    ֎֎֎

     

    Leidenschaftlich und gelassen

    Wenn du die Augen schließt,
    fehlen hier zwei Sterne. 

    Beleuchte und behebe
    leidenschaftlich
    die tieferen Gründe
    dieser maßlosen Ungerechtigkeit
    in unserer bewegenden Zeit.
    Und pflege stets dabei
    das Feuer in deiner Brust. 

    Wenn du die Augen schließt,
    fehlen mir zwei Sterne.

    ֎֎֎

     

    Was alles auf der Strecke bleibt 

    Der adlige Kriegsherr geht augenscheinlich fort
    der bürgerliche Kriegsminister setzt buchstäblich fort
    Menschenleben bleibt auf der Strecke 

    käufliche Politiker regieren
    Militär und Rüstungsindustrie delegieren
    Kinderträume bleiben auf der Strecke 

    die Bundeswehr wird zweckdienlich umgebaut
    das brüchige Rechtsbewusstsein wird zunehmend abgebaut
    das Völkerrecht bleibt auf der Strecke 

    das verführte Wahlvolk wird schlicht verschaukelt
    Humanität und Demokratie werden dreist vorgegaukelt
    Achtsamkeit und Gefühle bleiben auf der Strecke 

    aufdeckende Tatsachen werden bewusst verschwiegen
    Dunkelheit und Lügen sollen unumkehrbar siegen
    Vernunft und Redlichkeit bleiben auf der Strecke 

    korrumpierte Wissenschaftler verleiten und vertuschen
    ehemalige Friedensfreunde rechtfertigen und kuschen
    Rückgrat und Courage bleiben auf der Strecke 

    professionelle Söldner und freiwillige Soldaten morden
    öffentlich als Helden gepriesen werden diese Horden
    Menschlichkeit bleibt auf der Strecke

    ֎֎֎

     

    Liebeslied 

    Aus dem Fenster blickend
    die Morgenröte
    viele Schwalben
    mit dem Nachwuchs
    Fliegen übend
    Gerade in dieser Zeit
    der aufkeimenden Zärtlichkeit
    mitten im erlahmenden Getöse
    deiner Verwüster
    und dem betäubenden Schweigen
    deiner Bewohner
    schreibe ich für dich
    die einmalige Erde
    meine schönsten Liebeslieder

    ֎֎֎

     

     

     

     

     

     

     

  • Lichterfest

    (31.3.2017)

     

    Geborgen in deinem Blick
    verbinden sich meine Worte
    befreiend zu Gedichten
    Das Fenster öffne ich weit
    die Morgenröte grüßt streichelnd
    In deinen Augen wird sichtbar
    das Lichterfest des Lebens
    Umschlungen von deinen Armen
    spüre ich den Puls des Gedeihens
    Ein Gefühl blüht in dir
    das nach Frühling riecht
    Die Sonne deiner Anwesenheit
    trägt in sich sanft
    die Zärtlichkeit des Regens
    Umgeben von deiner Liebe
    verbinden sich meine Worte
    befreiend zu Gedichten