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Autor: Harald Rauchfuß

Dr. med. Harald Rauchfuß (*1945).
Ich stamme aus Böhmen, studierte in
Mainz Medizin und Anthropologie und
arbeitete an den Kliniken in München,
Stuttgart und Tübingen. Als niedergelassener
Neurologe, Psychiater und
Psychotherapeut (bis 2010) und Mitglied in Kommissionen
und Vorständen der Bayerischen
Landesärztekammer und der
Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns erlebte ich
den Strukturwandel ärztlicher Tätigkeit aus mehreren
Gesichtswinkeln.
Ich war von 2008 bis 2016 Präsident und bin seit Mai 2016 1. Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Schriftstellerärzte BDSÄ Außerdem bin ich Präsident
und der Union Mondiale des Écrivains Médecins UMEM
Ich lebe in Mittelfranken und Oberbayern.

Tabubruch am Bosporus (Harald Rauchfuß)

  Tabubruch am Bosporus   Hans Adamski wusste, dass ihn niemand mochte: „Nun ja, ich bin schnell eingeschnappt, schnell aufgebracht, ich gehe allen auf die Nerven.“ Er hatte als Einzelkämpfer des Jahrgangs das Abitur erreicht; der Notenschnitt genügte für das Studium der politischen Wissenschaft. „Der Kapitalismus raubt uns aus. Der Westen vertritt falsche Werte, er hat keine Kraft“, waren seine Sprüche, „nur Alkohol, Drogen und Sex. Niemand macht etwas dagegen, der Untergang ist nahe!“ Seine Ansichten verscheuchten die letzten Freunde.…

Ketewan (Harald Rauchfuß)

Ketewan In Georgien wurde eine fromme Frau von einem Jungen entbunden. »Schau her«, munterte die Hebamme auf, »ein Bub, was für ein prächtiger Bub!« »Atmet er genug«, fragte Ketewan, die ängstliche Mutter. »Hör! Hör doch! Wie kräftig er schreit! Nimm ihn, den Buben, nimm ihn, leg ihn auf deine Brust!« Ketewan zögerte, die Hebamme drängte, die Mutter nahm den Knaben entgegen und betrachtete ihn. »Er ist ein Starker«, klatschte die Hebamme in die Hände, »sieh, wie er strampelt, wie er mit…

Auf Kosten des Hauses (Harald Rauchfuß)

Auf Kosten des Hauses   Der Aischgründer Gastronom respektiert die Notwendigkeit von Ausgaben sorgfältiger als das Finanzamt. Er hütet seine Finanzen. Auf Kosten des Hauses bietet er allenfalls an, von Laune zu Laune zu springen. Im Tor des Biergartens in Gutenstetten stand ein Mannsbild in blauer Schürze, offensichtlich der Wirt. Ein Gast ging auf ihn zu; er wollte wissen, ob es ein Bier gäbe. »Schon«, sagte der Wirt, »aberso, wie Sie daher kommen, gibt’s für Sie keines.« Der Mann versprach,…

Seitenwechsel (Harald Rauchfuß)

»Warum bin ich nur zu Fuß aus der Justizvollzuganstalt gegangen«, dachte Felix, »nachdem sie mir eine Fahrt vorgeschlagen hatten!« Er ging Richtung Stadtzentrum, bog in die parallel zur Marktstraße laufende Bahnhofstraße ein und traute seinen Augen nicht: Siegfried kam auf der andern Seite entgegen. Abgelegte Rachefeldzugspläne drangen Felix in den Sinn. Sein Ehegespons hatte dessentwegen die Scheidung eingereicht. Es warf ihm schwere Bedrohungen und Verletzungen vor, die Siegfried arglistig bezeugte. Boshaft querte jener die Straße, ohne direkt auf ihn zuzukommen,…

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