Zum Inhalt springen

Autor: Renate Myketiuk

Dr. med. Renate Myketiuk, Lemberg (Lwow, Lviv - heute Ukraine) ist meine Geburtsstadt.- Kriegsbedingt lebte ich ein paar Jahre in einem fränkischen Dorf; es war herrlich dort, und ich wollte unbedingt Bäuerin werden. Trotz einklassigem Unterricht in der Dorfschule gab es später im Gymnasium keine Schwierigkeiten. Nach dem Medizinstudium wurde ich Fachärztin für Anästhesie, zuletzt im Waldkrankenhaus Erlangen,
Meine Deutschlehrerin in der 5. Gymnasialklasse gab uns einmal als Hausaufgabe, ein Gedicht zu verfassen. Von da ab drängte es mich, Themen, die mich bewegten, besonders im medizinischen Bereich, mit Reim und Versmaß zu "umkreisen".

Corona Pandemie (Renate Myketiuk)

König Corona, du fremdes, so seltsames Wesen,wir Kranken, wir haben es schwer, recht bald zu genesen.Vom fernen Osten, da kamst du ganz flott angeritten,bist mächtig und stark, zum Fürchten ganz unbestritten.Und wir sind hilflos, können dich einfach nicht fassen;und können die Arbeit doch niemals ganz lassen. Du winziges Wesen, so kugelrund,voll Stacheln, du treibst uns in den Todesschlund.Hast dich versteckt wie eine Krimi-Bande,jetzt brichst du aus und ziehst durch die Lande.Du fragst nicht, ob ein jeder dich auch mag,du greifst…

Blicke (Renate Myketiuk)

Ein Blick von dir, oh, meine Mutter, sagt, dass du erwünscht mich hast, du bist voll Glück. Ob  mein Gesicht gefällt – hab´s nicht erfragt, genieß ich doch Vertrauen durch den Blick. Wenn du mich anblickst, weiß ich deine Libe´; und ich gedeih und wachse mit Vertrau´n. Bis ich gereift, sag ich stets gibt, ach gib! Wenn du mich anblickst, mag ich dich nur schau´n. Wo wär ich nur, wenn töten könnt´ dein Blick? Was habe ich getan, dass du voll Zorn;…

Augenblicke (Renate Myketiuk)

Ach, Augenblick, wie nah bist du, schaffst Glück und Unglück ganz geschwind. Verschwindest heimlich dann im Nu und wehst umher, wie sonst der Wind. im Augenblick schürst du die Glut, voll Freude schneller schlägt das Herz, ein Augenblick bringt Sturmesflut, die Seel´erstarrt im Eisesschmerz.   Copyright Dr. Renate Myketiuk   Renate MyketiukDr. med. Renate Myketiuk, Lemberg (Lwow, Lviv – heute Ukraine) ist meine Geburtsstadt.- Kriegsbedingt lebte ich ein paar Jahre in einem fränkischen Dorf; es war herrlich dort, und ich…

Augen (Renate Myketiuk)

Finsternis schwelte über der schlammigen, sumpfigen Tiefe; Blasen voll Gase erhoben sich langsam aus kochenden Quellen; Welches geheime Geschehen passierte im Innern der Welt? Brodelnd und hitzig wurden in Freiheit gesetzt Elemente. Doch, unserm Schöpfer der Welt gefiel diese Düsternis nicht mehr; Und er besetzte den Himmel mit Mond und der Sonne und Sternen. Welch eine Tat, ein besonderer Tag, am Anfang der Schöpfung! Helligkeit wogte über dem ruhelosen, urhaften Lande. Dann aber dachte der Schöpfer, das Licht nun verlange…

Gelassenheit (Renate Myketiuk)

  Ich bin die schöne Frau Gelassenheit, bin fröhlich, schätze stets die Heiterkeit. Wenn eine Last dich quält, und du wirst krank, feg nicht umher, sie holt dich wieder ein; setz dich ganz still auf eine kleine Bank, leg ab die Packen, leer ein Gläschen Wein. Denk nach, ob sie für dich bestimmt nur sind, ob nicht ein andrer Arbeit sucht geschwind? Wenn jemand widerspricht, wird’s dir zur Last; bist tief verletzt, weinst still in dich hinein? Halt ein, jag…

Freude (Renate Myketiuk)

  Ich bin die Freude, nimm es endlich wahr; ich möchte dir öffnen deine müden Augen! Verwirf die Sorgen, viele gar nichts taugen; die schleichen stets umher in großer Schar. Ich bin die Freude, schenke kostbar’n Wein, der Herz und das Gemüt zum Staunen bringt, ob der Musik, die aus den Dingen klingt, ob all der Wunder rings, ob groß, ob klein. Ich bin die Freude, geh mit auf dem Weg: Versöhnung ist das Ziel, das ich erstreb, und Fried‘…

Trauer (Renate Myketiuk)

  Ich bin die Trauer, fühle mich sehr krank, denn jede Hoffnung, Lebensmut mir sank. Der Glaube fror, verlassen hat er mich; Einst war er stark und reich, ja, königlich. Ich spür, mein Herz nicht mehr im Rhythmus schlägt, ob es schon lahm, für sich ein End erwägt? Die Wolken greifen tief, der Regen fällt; und mein Gemüt ist grau und ist gequält. Mein Haus ist leer, die darin warn sind fort, und Glanz und Gold, die gingen überbord. Mein…

Einsamkeit (Renate Mykteniuk)

Einsamkeit   Ich sprech zur Wand, doch die bleibt stumm, sie schweigt; versteht mich nicht, ist mir nicht zugeneigt. Oh, Graun, die Einsamkeit ein enges Haus, ob ich jemals aus dir werd kommen raus? Voll Sonnenschein, da flimmert sie, die Luft; jedoch, mein Herz lebt tief in eis’ger Gruft. Wenn einer sagt, so horch, ein Vogel singt, ach, meiner Seel wie Totensang es klingt. Warum nur geht vorbei an mir der Tod? Sieht er und spürt und fühlt nicht meine…

✎ 2020 Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte (BDSÄ)