Archiv: 2013

Ausgemergelte Silhouettefiguren, aufgesaugt im Raum, tragen den Kopf hoch im Absoluten, konturieren mit fadendünnen Überlängen die Verlorenheit der Kreatur, strahlen unergründliche Kraftfelder, zwingen zu ikonographischer Distanz. (Dieses Gedicht von Orlando M. ist bereits im Almanach deutschsprachiger Schriftstellerärzte 1997 erschienen.)

Der Nebel des Vergessens zieht jetzt auf, legt sich auf die Erinnerung, verzeichnet die Konturen, verwischt die frischen Spuren von gestern, heute, eben. Der Nebel des Vergessens zieht jetzt auf, erreicht mein Ich, die Zeit, hängt über meinem Leben. Das Licht wird trüber, Dein Wort, der Schall verschluckt sich und klingt leer. Ich sehe Dich, […]

Es war Winter an den Scheiben rankten die Eisblumen und der Schnee lag hoch in den Gärten und die Vögel froren in den klirrenden Bäumen da blähte sich plötzlich unser Glückssegel trieb uns hoch über frostige Wolken bis hinauf zu den Sternen Es war Frühling die Osterglocken läuteten Sonne drang durch den Regen und die […]

Überwundene Schwerkraft! Mit monumentaler Makellosigkeit spannst Du Dich in schwungvoller Grazie zwischen himmelstrebenden Stahltürmen, schwebst als filigrane Strebenstruktur an schwingenden Trossen über dem Goldenen Tor, verbirgst Deine kühne Eleganz immer wieder hinter den Seidenvorhängen des Seenebels, erduldest die rollenden Autokarawanen wie bunte Insekten im Gewirk Deiner funktionellen Ästhetik. (Das Gedicht ist bereits im Almanach deutschsprachiger […]

  Ein Engel rührt mein Herz so zart. Er zeigt mir Mutter, Krippe, Kind, die Hirten um das Kind geschart, die beugsam fröhlich sind. Mir drängt sich die Erinnerung auf, da ich ein Kind einst war, gewandert durch der Zeiten Lauf anbetend in der Hirtenschar steh ich am Rand der Ewigkeit, verneige ich mich tief […]

Klothilde  Meier wurde  am 22. Oktober 1894 in Wolnzach in der bayerischen Holledau   geboren.  Sie war das erste Kind ihrer Eltern  Rosa und der Arzt Dr. Heinrich Meier. Im Jahr   1901 siedelten sie nach  München, wo  der  Vater  eine  HNO-Praxis führte. Er hat  den Kosename  „Mandelmeier“ bekommen,  weil er eine besondere Operationstechnik praktizierte.  In München […]

„Mein Leben lang war ich treu!“ „Und, werden Sie ihn wiedersehen?“ „Ja, wenn man das doch glauben könnte, was sie uns erzählt haben, als wir noch Kinder waren … Ja, wenn man das doch glauben könnte“, sagt die alte Frau und schweigt. Mit freundlicher Genehmigung der edition exemplum, ATHENA-Verlag, Oberhausen. Das Gedicht stammt aus dem […]

Ich, Thomas, kann nur etwas glauben, wenn ich es selbst sehe; wiewohl ich weiß, dass man nur sehen kann, was man zuvor glaubt. Mit freundlicher Genehmigung der edition exemplum, ATHENA-Verlag, Oberhausen. Das Gedicht stammt aus dem Gedichtband Skizzen einer Zeit von Jörg M. Pönnighaus, ISBN 978-3-89896-523-1

„Meinen Vater haben Sie erschossen, meine Mutter haben sie in ein Lager geschickt und zu meiner Schwester und mir – ich war vier Jahre alt – haben sie gesagt: ´ihr könnt verrecken´; aber wir sind nicht verreckt!“ „Und wie haben Sie überlebt?“ „Es gab auch gute Russen.“ Mit freundlicher Genehmigung der edition exemplum, ATHENA-Verlag, Oberhausen. […]

„Wie bespochen“, sage ich zu Herrn Pelczinski, „ich kann Sie nur in örtlicher Betäubung operieren; wenn Sie also noch Schmerzen haben, müssen Sie sich auf die Zähne beißen!“ „Tja“, antwortete Herr Peczinski, 1925 in Danzig geboren, „mein Gebiss habe ich in meinem Zimmer gelassen, eigene Zähne hab ich nicht mehr, da werd ich mir wohl […]