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Autor: Ivo Meraskentis

Ivo Meraskentis, Jahrgang 1972, in Athen geboren und zweisprachig aufgewachsen, Absolvent der Deutschen Schule Athen und der medizinischen Fakultät der JLU Giessen ( 3. Staatsexamen 1997 ), seit 2007 in der Chirurgischen Abteilung des Kreiskrankenhauses Schotten tätig. Erste literarische Schritte mit 15, ab 1994 Veröffentlichungen in Athener literarischen Magazinen, seit 2014 im Rahmen seiner Mitgliedschaft in der Gesellschaft Griechischer Autoren in Deutschland auch zweisprachig, zuletzt im Online Magazin Logographia

Zwei Gedichte von Ivo Meraskentis

I. Komm mir nun, Hübscheblau sind die Augen,hohe Bögen die Brauenan deiner Gestaltnüchterne Kurven,komm mirEin Rätsel dein Blickdes eilenden Sommers Erfüllungdes ermatteten Sommers Balsam,dass nicht weiter wird störendies eine Wörtchen nurSchade II. Einen Augenblicknur einen,        ein Schweigen für so kurze ZeitSieh die Straße, schau!Es brach sich seinen Pfad                                           durch allen Ast das Licht,                                           kein Blatt das sich grad regt                                        mein Blick der sich nicht regt   Nicht einer kam vorbeium etwas Unrast hier zu lassen                        mir ein Heim die Pflastergassen,                      das Häuschen ein Palast im Glanz                               wertvollste Blume jedes Gras                                     mein…

auf altem Grund (Ivo Meraskentis)

        An einem Sonntag bei Chaironeiastanden fünf Mann am Löwenhauptein kurzes Wiedersehn an trächtigem Platzein Händedruck, ein knappes Wortbleiern die Farben unsrer Himmel heutin sich gekehrt das schlichte Grünich glaub, sentimentaler Oktober war´s An einem Sonntag bei Chaironeiastanden wir vier am LöwenhauptGefährten an geweihtem Ortjeder dem gleichen Einfall folgendaus klarstem Kehlengrund dem Lied den besten Ton gewissenhaft zu setzen fünffach auf unsrer Herzen NotenblattMehr braucht es nicht als dieses Werkuns winkt die Kindheit zu aus ferner Zeitja, friedfertiger Oktober war´s…

auf Reise (Ivo Meraskentis)

  Finde ich meine Richtung auf dem alten Kompass so würde ich mich sehr gern dorthin begeben doch weiß ich nicht wie viele Tagesnächte es kosten soll Verkünden werden es vielleicht die goldenen Herden mit fröhlichem Gebrüll von Sonne umflutet jeden Tag die satten, auf dunklen Schiffen einst, da drängten wir von Kythira nach Rhodos Der Speer zuerst er neigt seinen Schaft, der Bogen eine Mulde weit die Arme Nicht Thermopylens letztes trauriges Kapitel auch nicht Bruder den Bruder, nein…

Der kleine Zusatz (Ivo Meraskentis)

Der kleine Zusatz                      An vertrauten Hügeln hab ich die Sorgen mit Eindrücken besänftigt, dem unsteten Tanzen der Halme in purpurnem Licht dem Atmen der klumpigen Erde auf jedem Schritt Wie ein Stein in hungrigem Wasser wurde ich eins mit deinem wilden Treiben eins in deinem maßlosen Meer Weißt du´s? Weißt du es noch, Eglantine? Den kleinen vordergründig unbedeutenden Zusatz sollte man schätzen lernen, den Schlaf den möchte er uns so…

An die Schöpfung (Ivo Meraskentis)

  1. Einem Pik gleicht dieser Baum einsam am dunklen Übergang, im Abendschimmer steht der Übergang Dorthin, dorthin wolltest du gehen zum Nachtlager verbrüdert mit erdiger Mutter verbrüdert mit Windspiel und Reh Die narbige Fläche hat den Frieden geteilt am gradlinigen Wandel zur tiefrauschenden Macht Alles lag offen alles lag bar unter den besten Sternenkindern Als die Schatten vergingen und erste Gesänge uns riefen betrat ich die herrliche Pracht Denn immerzu konnte sie trösten, denn keiner wurde verstoßen den Kummer…

An einem Nachmittag mit Vater am Meer (Ivo Meraskentis)

Für einen Freund 1 An einem Nachmittag mit Vater am Meer Papa, schau doch so oft schon machten wir diesen Spaziergang heut, vorbei an schmuckvollen Gärten wir gingen an eigenwilligen Teichen vorbei Teichen an Goldfischen reich an zierlichen Fröschen in goldenem Licht farbenfroh auf schmalen Rand mahnendes Gebell immer so nah … so wild, die großen schwarzen Tiere Und am Ende immer dasselbe, sieh nur so dichte Blätterpracht unzählige Äste versperren jede Sicht den weiteren Weg Vater betrachtet kurz sein…

Mit 17 (Ivo Meraskentis)

                       Wirt, einem Posten ähnelst du im Zwielicht der betagten Stoa eine verdunkelte Gestalt blieb nur an deines Ladens Schwelle Abschluss und Beginn dazu wurdest du bestimmt und die Rolle steht dir gut auch bis zum Morgen Denn die Feste in deinen Gassen sind jede Nacht sehr reich an Gaben viele Geschlechter werden es sagen Mich ließest du heut Abend überqueren diese eine unscharfe Linie der letzte Schemel in bescheidenen…

✎ 2020 Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte (BDSÄ)