Schlagwort: Natur

  • Der kleine Wandertraum, ein Vorwort aus der Realität
    Ein kleiner, süßer Wandertraum
    Mit zottigem, gelbrotem Haar
    Durchsichtig, ja, ich sah ihn kaum
    Wie er gestaltet war

    Besuchte mich fast jede Nacht.
    Wir sprachen, lachten leise.
    Er sagte mir noch zärtlich sacht
    Heute gehe ich auf meine Reise,

    Auf meine Reise zu den andern
    Die ich noch kennen lernen muss.
    Nach all dem Tanzen, Krabbeln Wandern
    komm ich zu dir zurück zum Schluss

    und werde dir die Traumgeschichten
    genau und wahrheitstreu berichten.
    Ich verlasse dich jetzt mäuschenschnell.
    Du wachst jetzt auf, es wird schon hell.

    Ich war noch müde, war kaum wach
    War er schon wieder da:
    Oh weh, oh weh, oh plumps, oh ach
    Höre nur, was mir geschah:

    Ich erreichte nicht den Wanderzug.
    Am Bahnhof wurde demonstriert.
    Ein Engel fing mich ein im Flug
    Hat mir die Haare abrasiert

    und brachte mich zum großen Herrn.
    Der schnarchte heilig weich
    und träume mich als Friedensstern
    In seinem Himmelreich.

    Herr rief mir zu: Zurück zur Erde
    Du kahl geschorener Wandertraum
    Auf das dort Frieden, Freiheit werde
    Allein, ich weiß, ich glaub es kaum

    Ich sehe doch, was wirklich ist!
    Meine Engel helfen nicht!
    Du Wandertraum, du bleibst, du bist
    Mein gesalbtes Friedenslicht.

    Lass wenigstens die Menschen träumen
    Von dem was unerreichbar weit.
    Lass Träume ihren Hass umsäumen
    Bevor zum Töten sie bereit

    Sich selbst und dich, mein Traum vernichten. –
    So bin ich wieder hier bei dir.
    Ich bitte dich, du sollst berichten
    Von deinem Wandertraum, von mir.

    Vorstellung und Definition
    Meine verehrten Damen und Herren, liebe Gen Beschnittene,
    Als leitender Wandertraum begrüße ich Sie herzlich in diesem Seminar.
    Was ist ein Wandertraum? Was unterscheidet mich von einem gewöhnlichen Traum?
    Zunächst: Wanderträume sind eine Spezies der gewöhnlichen Träume. Träume gehören zu den Vögeln in der menschlichen Geisteswelt. Wanderträume aber sind mehr. Sie sind die Flügel eines individuellen menschlichen Geistes. Der Wandertraum vernetzt die Vorstellungswelt mit dem realen Körper eines anderen Menschen. Im realen Schlaf springt er aus Wissen, Verstand und Gefühl in die Höhen einer fantasiereichen Vorstellung. Er hebt sich aus dem Meer der Wünsche, gleitet über kalte Gletscher und kochende Geysire, bis der Träumende liebeserregt oder angstzitternd erwacht.
    Organisation und soziale Gliederung von uns Wanderträumen sind einerseits gebunden an unsere Schöpfer, Ernährer und Wirtsmenschen, andererseits sind wir frei in Inhalt, Gestaltung und Zielsetzung unserer Tätigkeit. Wir stehen außerhalb der realen Naturgesetze. Denn die Zeit ist reversibel in unseren Traumwelten. Wir können erneut sterben und, unsere Feinde töten, immer wieder denselben Fisch aus dem Erinnerungsfluss angeln, und, so oft wir wollen, denselben Spaß ertanzen.
    Wir sind Demokraten und hierarchisch organisiert. Der wichtigste Wandertraum ist gebunden an die totalen Herrscher in der realen Welt, gefolgt von den Kollegen in den Gehirnen der Journalisten, Gotteskrieger, Politiker und Psychiater. Wir wandern in Wirten als wahrhaftig lange und eindrucksvolle Träume. Manchmal sammeln wir das Geträumte in unserem Gedächtnisrucksack und verkaufen die Erinnerungstücke an den nächstbesten Wirt. Manchmal sind sie von Einfluss, häufig aber nicht.
    Wenn sie zu brutal und abscheulich sind, dann rufen wir den Allmächtigen zu Hilfe. Das hat aber kaum Einfluss, weil er oft während unseres Besuches nicht schläft oder unzugänglich laut schnarcht
    Nur selten habe ich ihn persönlich erreichen können. Häufig musste ich mich mit Besuchen bei den irdischen Total – Mächtigen oder zumindest Partiell – Mächtigen begnügen.
    Persönliches Erleben und Erfahrungen
    So spricht mein Wandertraum von Absicht, Grenzen, Zuständigkeit und Ziel der total Mächtigen.
    Ich bin ein gewaltgieriger Wandertraum, geträumt von absolut totalen Mordtyrannen. Vom wahnsinnigen Russenzar P., vom rücksichtslos trampelnden Universalgauner T, vom knieend gedenkenden Grufti S, und vom einst vergasten, grausam gemarterten, jetzt gierig tötenden Drohnengeier N.
    All diesen weisheitsverlorenen Machtsüchtigen bin ich aus Gründen meiner Existenz zu Dank verpflichtet. Das heißt aber nicht, dass ich ihren Absichten und Traumzielen zustimme. Nein, so blöd und menschheitsfeindlich funktioniere und bin ich nicht strukturiert.
    Natürlich erinnere ich mich an den mächtigen skrupellosen W. U. Er träumte mich als Fluchtursache seiner fliehenden Landleute und träumte mit mir wie er die Mauer als antifaschistischen Schutzwall gegen den „Kriegsbrandherd Westberlin errichten wird. Wieder aufgewacht, verkündete er lautstark ‘‚Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen‘,
    Die Berliner Mauer wurde trotzdem schnell und absolut trennend gebaut So überlegt und sagt mir bitte: ‚Was hätte ich, sein ehemaliger Wandertraum dagegen unternehmen können oder sollen?‘
    Nun, das liegt schon Jahre zurück. Ein anderer Vorfall hat mich erst vor wenigen Tagen erreicht. Beteiligt bin ich diesmal als ein Wandertraum von niedrigem Stand. Ein kleiner und unbedeutender Autor Wandertraum wünschte sich, dass sein kürzlich erschienenes Buch ‚das döse und das gute Nichts‘ auf der Leipziger Buchmesse ausgestellt werde. Der Verlag L. druckt das Buch, wurde aber kurz vor dem Messetermin von dem Verlag T aufgekauft.
    Auf die Anfrage, ob das Buch noch auf der Messe gezeigt werde, erlebte der Wandertraum die frohe Antwort; ‚Selbstverständlich, wir freuen uns auf Ihr Werk. Aber der Verlag L war auf der Ausstellung nicht präsent. Der Verlag T erklärte für die Ausstellung in Leipzig nicht zuständig zu sin‘. Auf die Frage: Wer denn zuständig sei, folgte die totale Antwort: ‚Niemand sei zuständig zu wissen, wer für irgendetwas zuständig ist.‘
    So überlegt und sagt mir bitte: ‚Was hätte ich dagegen unternehmen können oder sollen? Ist jetzt die künstliche Intelligenz KI dafür zuständig?‘
    Ich habe als Wandertraum ständig Probleme mit der künstlichen Intelligenz. Die künstliche Intelligenz ist wahrlich die dümmste Intelligenz, die ich Wandertraum erfahren habe. Sie versteht allenfalls Buchstaben, kaum Wörter, fast nie Sätze und findet nahezu niemals ein Ende.
    Ich mache ihr deswegen keine Vorwürfe und bitte Sie, meine Damen und Herren, sowie Gen-beschnittene, das ebenfalls nicht zu tun. Bitte bedenken Sie, dass die Zeit in den virtuellen Welten sich völlig anders gestaltet als in der Realität. Virtuell kann man sich die Schuhe vor den Strümpfen anziehen. Ich und mein Wandertraum sind für die irdischen Träumer unverständlich, weil wir so in ihrer Welt nicht funktionieren. Ich frage: Ist das vielleicht der Grund, warum die KI die dümmste Intelligenz auf Erden ist?
    Vielleicht fehlen weitere Wanderträume als Gesprächspartner? Intelligenz und Nachhaltigkeit werden nur dann erkannt, wenn darüber mehrere Wanderträume in die Realität berichten.
    Wir Wanderträume sind unentbehrlich, weil der Allmächtige nur selten schläft und wir deshalb bei ihm unsere Erlebnisse nicht darlegen können. Deshalb müssen viele Wanderträume unerfüllt und die Macht der irdischen Träumer unkontrolliert bleiben.
    So überlegt und sagt mir bitte: ‚Was können oder sollen wir dagegen unternehmen? Streiken oder demonstrieren? Das Böse in die Zukunft jenseits der Erlebnisgrenze, oder in die Vergangenheit bei vergessenem Gedenken verlegen?
    Danksagung
    Für eure Anwesenheit und die guten Ratschläge im nächsten Schlaf danke ich euch. Wünsche eine gute Zeit und herzliche Grüße.
    Euer Wandertraum

  • Der kleine Wandertraum, ein Vorwort aus der Realität
    Ein kleiner, süßer Wandertraum
    Mit zottigem, gelbrotem Haar
    Durchsichtig, ja, ich sah ihn kaum
    Wie er gestaltet war

    Besuchte mich fast jede Nacht.
    Wir sprachen, lachten leise.
    Er sagte mir noch zärtlich sacht
    Heute gehe ich auf meine Reise,

    Auf meine Reise zu den andern
    Die ich noch kennen lernen muss.
    Nach all dem Tanzen, Krabbeln Wandern
    komm ich zu dir zurück zum Schluss

    und werde dir die Traumgeschichten
    genau und wahrheitstreu berichten.
    Ich verlasse dich jetzt mäuschenschnell.
    Du wachst jetzt auf, es wird schon hell.

    Ich war noch müde, war kaum wach
    War er schon wieder da:
    Oh weh, oh weh, oh plumps, oh ach
    Höre nur, was mir geschah:

    Ich erreichte nicht den Wanderzug.
    Am Bahnhof wurde demonstriert.
    Ein Engel fing mich ein im Flug
    Hat mir die Haare abrasiert

    und brachte mich zum großen Herrn.
    Der schnarchte heilig weich
    und träume mich als Friedensstern
    In seinem Himmelreich.

    Herr rief mir zu: Zurück zur Erde
    Du kahl geschorener Wandertraum
    Auf das dort Frieden, Freiheit werde
    Allein, ich weiß, ich glaub es kaum

    Ich sehe doch, was wirklich ist!
    Meine Engel helfen nicht!
    Du Wandertraum, du bleibst, du bist
    Mein gesalbtes Friedenslicht.

    Lass wenigstens die Menschen träumen
    Von dem was unerreichbar weit.
    Lass Träume ihren Hass umsäumen
    Bevor zum Töten sie bereit

    Sich selbst und dich, mein Traum vernichten. –
    So bin ich wieder hier bei dir.
    Ich bitte dich, du sollst berichten
    Von deinem Wandertraum, von mir.

    Vorstellung und Definition
    Meine verehrten Damen und Herren, liebe Gen Beschnittene,
    Als leitender Wandertraum begrüße ich Sie herzlich in diesem Seminar.
    Was ist ein Wandertraum? Was unterscheidet mich von einem gewöhnlichen Traum?
    Zunächst: Wanderträume sind eine Spezies der gewöhnlichen Träume. Träume gehören zu den Vögeln in der menschlichen Geisteswelt. Wanderträume aber sind mehr. Sie sind die Flügel eines individuellen menschlichen Geistes. Der Wandertraum vernetzt die Vorstellungswelt mit dem realen Körper eines anderen Menschen. Im realen Schlaf springt er aus Wissen, Verstand und Gefühl in die Höhen einer fantasiereichen Vorstellung. Er hebt sich aus dem Meer der Wünsche, gleitet über kalte Gletscher und kochende Geysire, bis der Träumende liebeserregt oder angstzitternd erwacht.
    Organisation und soziale Gliederung von uns Wanderträumen sind einerseits gebunden an unsere Schöpfer, Ernährer und Wirtsmenschen, andererseits sind wir frei in Inhalt, Gestaltung und Zielsetzung unserer Tätigkeit. Wir stehen außerhalb der realen Naturgesetze. Denn die Zeit ist reversibel in unseren Traumwelten. Wir können erneut sterben und, unsere Feinde töten, immer wieder denselben Fisch aus dem Erinnerungsfluss angeln, und, so oft wir wollen, denselben Spaß ertanzen.
    Wir sind Demokraten und hierarchisch organisiert. Der wichtigste Wandertraum ist gebunden an die totalen Herrscher in der realen Welt, gefolgt von den Kollegen in den Gehirnen der Journalisten, Gotteskrieger, Politiker und Psychiater. Wir wandern in Wirten als wahrhaftig lange und eindrucksvolle Träume. Manchmal sammeln wir das Geträumte in unserem Gedächtnisrucksack und verkaufen die Erinnerungstücke an den nächstbesten Wirt. Manchmal sind sie von Einfluss, häufig aber nicht.
    Wenn sie zu brutal und abscheulich sind, dann rufen wir den Allmächtigen zu Hilfe. Das hat aber kaum Einfluss, weil er oft während unseres Besuches nicht schläft oder unzugänglich laut schnarcht
    Nur selten habe ich ihn persönlich erreichen können. Häufig musste ich mich mit Besuchen bei den irdischen Total – Mächtigen oder zumindest Partiell – Mächtigen begnügen.
    Persönliches Erleben und Erfahrungen
    So spricht mein Wandertraum von Absicht, Grenzen, Zuständigkeit und Ziel der total Mächtigen.
    Ich bin ein gewaltgieriger Wandertraum, geträumt von absolut totalen Mordtyrannen. Vom wahnsinnigen Russenzar P., vom rücksichtslos trampelnden Universalgauner T, vom knieend gedenkenden Grufti S, und vom einst vergasten, grausam gemarterten, jetzt gierig tötenden Drohnengeier N.
    All diesen weisheitsverlorenen Machtsüchtigen bin ich aus Gründen meiner Existenz zu Dank verpflichtet. Das heißt aber nicht, dass ich ihren Absichten und Traumzielen zustimme. Nein, so blöd und menschheitsfeindlich funktioniere und bin ich nicht strukturiert.
    Natürlich erinnere ich mich an den mächtigen skrupellosen W. U. Er träumte mich als Fluchtursache seiner fliehenden Landleute und träumte mit mir wie er die Mauer als antifaschistischen Schutzwall gegen den „Kriegsbrandherd Westberlin errichten wird. Wieder aufgewacht, verkündete er lautstark ‘‚Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen‘,
    Die Berliner Mauer wurde trotzdem schnell und absolut trennend gebaut So überlegt und sagt mir bitte: ‚Was hätte ich, sein ehemaliger Wandertraum dagegen unternehmen können oder sollen?‘
    Nun, das liegt schon Jahre zurück. Ein anderer Vorfall hat mich erst vor wenigen Tagen erreicht. Beteiligt bin ich diesmal als ein Wandertraum von niedrigem Stand. Ein kleiner und unbedeutender Autor Wandertraum wünschte sich, dass sein kürzlich erschienenes Buch ‚das döse und das gute Nichts‘ auf der Leipziger Buchmesse ausgestellt werde. Der Verlag L. druckt das Buch, wurde aber kurz vor dem Messetermin von dem Verlag T aufgekauft.
    Auf die Anfrage, ob das Buch noch auf der Messe gezeigt werde, erlebte der Wandertraum die frohe Antwort; ‚Selbstverständlich, wir freuen uns auf Ihr Werk. Aber der Verlag L war auf der Ausstellung nicht präsent. Der Verlag T erklärte für die Ausstellung in Leipzig nicht zuständig zu sin‘. Auf die Frage: Wer denn zuständig sei, folgte die totale Antwort: ‚Niemand sei zuständig zu wissen, wer für irgendetwas zuständig ist.‘
    So überlegt und sagt mir bitte: ‚Was hätte ich dagegen unternehmen können oder sollen? Ist jetzt die künstliche Intelligenz KI dafür zuständig?‘
    Ich habe als Wandertraum ständig Probleme mit der künstlichen Intelligenz. Die künstliche Intelligenz ist wahrlich die dümmste Intelligenz, die ich Wandertraum erfahren habe. Sie versteht allenfalls Buchstaben, kaum Wörter, fast nie Sätze und findet nahezu niemals ein Ende.
    Ich mache ihr deswegen keine Vorwürfe und bitte Sie, meine Damen und Herren, sowie Gen-beschnittene, das ebenfalls nicht zu tun. Bitte bedenken Sie, dass die Zeit in den virtuellen Welten sich völlig anders gestaltet als in der Realität. Virtuell kann man sich die Schuhe vor den Strümpfen anziehen. Ich und mein Wandertraum sind für die irdischen Träumer unverständlich, weil wir so in ihrer Welt nicht funktionieren. Ich frage: Ist das vielleicht der Grund, warum die KI die dümmste Intelligenz auf Erden ist?
    Vielleicht fehlen weitere Wanderträume als Gesprächspartner? Intelligenz und Nachhaltigkeit werden nur dann erkannt, wenn darüber mehrere Wanderträume in die Realität berichten.
    Wir Wanderträume sind unentbehrlich, weil der Allmächtige nur selten schläft und wir deshalb bei ihm unsere Erlebnisse nicht darlegen können. Deshalb müssen viele Wanderträume unerfüllt und die Macht der irdischen Träumer unkontrolliert bleiben.
    So überlegt und sagt mir bitte: ‚Was können oder sollen wir dagegen unternehmen? Streiken oder demonstrieren? Das Böse in die Zukunft jenseits der Erlebnisgrenze, oder in die Vergangenheit bei vergessenem Gedenken verlegen?
    Danksagung
    Für eure Anwesenheit und die guten Ratschläge im nächsten Schlaf danke ich euch. Wünsche eine gute Zeit und herzliche Grüße.
    Euer Wandertraum

  • Wachstum über alles Wachsen
    Überall in unserem Land
    In Berlin, in Bayern Sachsen
    Spuck t in Eure Wachstumshand

    Überall in Straßen, Gassen
    Stellt mit Demos Zeichen auf.
    So kann ein jeder wachsen lassen
    Im brutalen Wachstums Lauf.

    Wer aber liest die Zeichen
    Deutet Morgen, Weg und Sinn?
    Wer kann verstehen, will erreichen
    Des Wachstums Nutzen und Gewinn?

    Wer greift zu Spaten, Sichel, Schere
    Schneidet Wachstum Rand um Rand
    Damit die Ernte saftig werde
    Im überheißen Wachstumsland?

    Wollt ihr das totale Wachsen
    Mit Marter, Neid und Qual gewollt
    Dann ölt die Räder und die Achsen,
    damit der Wagen weiter rollt.

    Wollt ihr aber Zukunft leben
    In eurer Welt, in unserem Land
    Dann müsst ihr der Freiheit Grenzen geben
    Überall und mit Verstand.

  • Im Alter ist nach Knall und Fall
    Das Leben schon in seinem Stall,
    Schaut mühsam durch die Käfigstäbe
    Wo es noch etwas Sonne gäbe.

    Erinnerung ist dein Sonnenschein.
    Er dringt in deinen Käfig ein,
    Lässt für dich statt freies Leben
    Geist und die Gedanken schweben.

    Die Wirklichkeit, sie bleibt dir fremd.
    Sie ist das Jugendausgehhemd.
    Die Zeit hat dir es ausgezogen,
    Hat dir vielleicht auch vorgelogen

    Im Alter wirst du reif und weise.
    In deiner langen Lebensreise
    Wirst du an Erfahrung klug.
    Wie dem auch sei, meist bleibt genug

    An Verstand und Geist erhalten
    Um den Käfig zu verwalten.
    Über draussen steif zu lästern
    Die Welt, sie war doch besser – gestern!


  • Die Zeit, das meinte schon Einstein,
    soll Eigenschaft des Raumes sein.
    Ich habe das erst jetzt verstanden,
    als ich auf Wegen, altbekannten,
    die wir einst zu zweit passiert,
    erneut allein entlang spaziert.
    Unverändert schien der Raum,
    allein, er war derselbe kaum,
    nein anders wirkt er jetzt, und trist,
    seitdem du nicht mehr bei mir bist.
    Gleicherweise ich, der Wanderer,
    bin nach alledem ein anderer.


  • (08.01.2024) 
    Alles, was besteht,
    ist im Wandel und vergeht,
    mal langsam, mal geschwind,
    und weil wir selbst betroffen sind,
    entstehen sozusagen
    ganz verschiedene Lagen.

    Falle eins: du warst schon lange fort
    und kommst jetzt an den alten Ort,
    doch du erkennst nichts wieder:
    Häuser sanken nieder,
    Neues wurde hingebaut,
    nichts ist dir vertraut.

    Im zweiten Fall dagegen
    gehst du auf alten Wegen
    den bekannten Berg empor,
    der so blieb wie je zuvor,
    doch du hast dich verändert
    und wo früher du geschlendert,
    musst du auf halber Höhe rasten,
    dich nach der alten Bank hin tasten,
    auf der ihr einst zu zweit gesessen –
    die Bank hat es vergessen.

  • „Das Wasser sucht sich seinen Weg“, sagte der Dachdecker, als er die Ursache für die Feuchtigkeit in der Küchenwand herausfinden sollte. Das lag Jahrzehnte zurück. Den Satz allerdings vergaß ich nie.
    Es geht um in Kisten verpackte Bücher. Nicht alle Bücher benötigt man ständig. Die man gerade nicht liest, stellt man in Regale, damit sie jederzeit griffbereit sind. So ist es im Allgemeinen und so ist es auch bei mir.
    Je mehr Bücher sich bei mir ansammelten, desto voller wurden auch die Regale im Haus. Das führte dazu, dass etliche Bücher, die, von denen ich mich nicht trennen mochte, die aber doch noch weiter für mich und im Allgemeinen von Bedeutung sind, oder sein können, oder vielleicht sein werden, wer trennt sich schon von Büchern, zumal sie so viel beinhalten, einen Verbleib haben mussten.
    Für die fortgesetzte Aufbewahrung aller Bücher spricht auch, dass man denen Respekt zollen muss, die sie geschrieben haben, denen, die sie lektoriert haben und Respekt vor dem bedeutenden Inhalt der Werke haben muss, natürlich. Dem Inhalt, einem wesentlichen Bestandteil unseres gemeinsamen kulturellen Erbes, gilt dieser Respekt in erster Linie, das muss betont werden.
    Wohin also mit diesen Büchern?
    Mit schlechtem Gewissen entfernte ich sie aus meinem akuten Radius und legte sie in Kisten, in sehr gute, in sehr stabile Kisten, in Kisten aus wunderbar fester Pappe. Ich achtete darauf, dass nicht zu viele Bücher in den nicht zu großen Kisten Aufenthalt erhielten, wegen des Gewichtes und wegen der Möglichkeit des fortgesetzt einfachen Zugriffs. Die Kisten lagerte ich in dem gut belüfteten Keller, stapelte sie vorsichtig, so dass ich wusste, welche Inhalte wo waren.
    Ich muss gestehen, dass während der Verbringung meiner ausgelagerten Schätze in Kisten mein Herz schwer wurde. Auf keines der Werke mochte ich verzichten. Durfte ich sie so behandeln? Besonders ans Herz waren mir die Enzyklopädien gewachsen. Enzyklopädien, die voluminös und platzgreifend waren und das gesammelte Wissen von Generationen beinhalteten. Da waren Enzyklopädien zum Allgemeinwissen, aber auch vielbändige Werke zu verschiedenen Spezialgebieten wie der Kunst und der Literatur. Ja, die zur Literatur konnte ich nur verkisten, nachdem ich noch einmal mit strengem Blick die Regalsituation in den Arbeitszimmern, in meinem und in dem meines Mannes studiert hatte und wirklich keinen Platz dafür entdeckte. Ich tröstete mich, denn die Auslagerung war ja nicht endgültig. Ich wusste ganz genau, wohin ich die Kisten verbracht hatte und würde einfach Zugriff bekommen, wenn ich das Bedürfnis danach haben würde.
    Wir wollen hier keinen Exkurs über die ausufernden Recherchemöglichkeiten im worldwide web unternehmen, da die Kränkung für die wunderbar gedruckten Werke zu groß wäre und auch, weil meine Treulosigkeit zu den Enzyklopädien, indem ich diese elektronische Informationsquelle nutze, mir wirklich unangenehm ist.
    Auf diese Weise hatte ich das Bücherproblem gelöst. Kein überwältigend großes Problem, aber immerhin eine Sache, die mich einige Zeit und die passende Aufmerksamkeit gekostet hatte.
    Dass es lange regnete, war unübersehbar. Es regnete Tage und Wochen und Monate. So war es. Wir fuhren ein paar Tage fort und kamen erholt zurück, ein wenig durchgeregnet zwar, bis auf die Haut, um genau zu sein, aber daran hatten wir uns gewöhnt. Wir wollten unsere Sachen gerade ausziehen, um sie in die Waschmaschine zu legen, da bemerkten wir den Einbruch.
    Es war ein Wassereinbruch. Es waren nicht nur die Flüsse der Stadt randvoll, sondern das Wasser hatte seinen Weg zusätzlich in unseren Keller, in unseren Bücherkeller gefunden.
    Es stand da wortlos, klar und kühl und zentimeterhoch herum, still, unbewegt, mit großer Gelassenheit und, so kam es mir vor, sehr selbstbewusst.
    Natürlich schöpften wir, bis das Wasser verschwunden war. Es war vom Boden verschwunden, und nun machten wir uns an die Kisten.
    Sie waren zentnerschwer geworden und daher absolut unbeweglich, die Kisten. So hatte ich sie nicht hinterlassen. Auch mit ganzer Kraft waren sie nicht zu verrücken. Sie waren in ihrer unteren Hälfte dunkelbraun-schwarz verfärbt, mit Wasser vollgesogen. Bei näherer Betrachtung waren etliche an den Nähten zusätzlich geplatzt, diese ursprünglich so zuverlässigen Kisten.
    Beim Öffnen der gerade noch beweglichen, weil einigermaßen trocken gebliebenen Deckel stieß ich auf meine Enzyklopädien. Etwas hatte sich in den Kisten zugetragen. Etwas war geschehen. Dieses Etwas hatte die Veränderung zu verantworten.
    Die Bücher waren eine Beziehung mit dem neu erschienenen Wasser eingegangen. Sie hatten sich auf das besonnen, was sie ihrer Natur nach waren. Sie hatten unter Missachtung aller Autoren und Verleger und mit Gleichgültigkeit für die Arbeit der Buchdrucker und Buchbinder im Kontakt mit dem  Wasser zu dem zurückgefunden, was sie ihrer Natur nach waren. Sie waren nämlich Zellstoff, sie waren Holz. In der Verbindung mit dem überraschend anrollenden Wasser hatten sie sich auf das glücklichste damit vermischt, eine Hochzeit gefeiert und das neu Hinzugekommene eingesogen, die Druckerschwärze missachtet und ihr Volumen auf das vorteilhafteste vermehrt, sich in eine schwere, ausufernde Papiermasse verwandelt. Mit solcher Begeisterung hatten die Bücher das Wasser aufgesogen, dass sie dabei ihr Volumen vermehrt, stark vermehrt, sehr stark vermehrt hatten, so dass die nun weich gewordenen Kisten dieser enormen Kraft der Masse nichts mehr entgegenzusetzen hatten. Sie waren geborsten. Die Enzyklopädien, deren ehemaliger Inhalt noch auf den gewölbten Buchrücken zu lesen war, konnten von mir höchstens als in sich fest verbackene, blattlose Einzelstücke, als Einzelpakete, als Einzelmassen mit einiger Kraftanstrengung entnommen werden. Nicht weiter verwertbares Wasser entließen sie beim Anheben, damit es andere Bücher beglücken konnte.
    Mit den Büchern war es vorbei. Alle Forschungsergebnisse waren unlesbar geworden, das Lektorat war obsolet und auch vom Druck oder gar der Buchbinderei war nichts, aber auch gar nichts übriggeblieben.
    Das Wasser hatte die Regie übernommen. Sie war irreversibel.



  • (26.12.2023)

    Der Sumpf stinkt nach Verwesung
    verschlingt gierig jeden Lichtstrahl
    Und in demselben Moment
    bringt er den besten Schlamm
    zum Gedeihen neuen Lebens hervor

  • Ja, es ist mein Leichnam
    Aber nicht meine Leiche.
    Von mir weiß ich nicht
    Ihr wisst vielleicht von mir
    Von meiner Welt in euch
    Von meinem Grab.

    Ich bin euch entrückt
    Versteht ihr mein Gestern
    In eurem heutigen Tun?

    Ist nicht euer Verstand
    Das Werkzeug unseres Schöpfers,
    Die Fehler des Allmächtigen
    Auf Erden zu korrigieren?

    Seid ihr nicht seine Kinder
    Ich seine erlöste Geburt?

    Warum zwingt ihr seine Kinder
    Eure Geburten, zappelnde Frösche
    Zu kühlenden Bädern
    In überfüllten Sardinenbüchsen?

    Ist nicht zu viel
    Der Leichnam des zu gut?
    Der Frosch die Freiheit
    in der Sardinenbüchse?

    Höre, Herr, du Allmächtiger
    Sage mir vom Heute,
    der ich nicht einmal mich weiß
    Warum züchtest du
    Hirnlose Hammel
    Die im Gedenken
    An das Böse von Gestern
    Den Sinn ihres Lebens
    Im Chaos des Morgen
    Verschlafen?

    Warum lässt du
    Das Werkzeug deiner Fehler
    In dümmlich geifernden
    Mächtigen deiner Kinder
    Sinnlos verrosten?

    Sind Angst quakende Frösche
    Nicht auch deine Leichen
    Im Sardinenteich?